360 Minuten ohne Gegentor ist Horn aktuell, nimmt man den DFB-Pokal gegen FT Braunschweig und die U-21-Spiele gegen Rumänien und Irland dazu, kommt Horn sogar auf 630 Minuten
Timo Horn kommt aus der Jugendabteilung des 1. FC Köln © getty

Vor dem Spiel bei den "Löwen" spricht Kölns Torwart Timo Horn bei SPORT1 über seinen kometenhaften Aufstieg und die "Geißböcke".

Von Reinhard Franke

München - Er ist der Überflieger beim 1. FC Köln.

Und für die Fans so etwas wie der neue Lukas Podolski. ( 35464 DIASHOW: Zweitliga-Torschützenkönige )

Timo Horn stand vor anderthalb Jahren noch im Tor der Regionalliga-Mannschaft des FC, heute ist er die unumstrittene Nummer eins im Team von Trainer Holger Stanislawski. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Der Coach setzte von Anfang an auf den Youngster und hat seine Entscheidung bis heute nicht bereuen müssen.

Vor dem Spiel bei 1860 München (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) spricht Horn im SPORT1-Interview über seinen kometenhaften Aufstieg, die Situation beim FC - und sein Verhältnis zu Stanislawski.

SPORT1: Herr Horn, Sie sind seit dieser Saison die Nummer eins beim 1. FC Köln. Wie haben Sie Ihre ersten 13 Spieltage als Stammkeeper erlebt?

Timo Horn: Bei den ersten Spielen war ich noch etwas nervös und wusste nicht, was wirklich auf mich zukommt. Aber mit jedem Spiel wurde ich sicherer und denke, dass ich der Mannschaft inzwischen immer mehr Ruhe vermitteln kann. Das war ja auch in den Jugendmannschaften immer meine Stärke und das möchte ich weiter fortsetzen.

SPORT1: Mit der Verpflichtung von Holger Stanislawski erfüllte sich Ihr Ziel, ins FC-Tor zu kommen, quasi über Nacht. War er für Sie wie ein Sechser im Lotto?

Horn: Schon. Stanislawski hat mir in unserem ersten Gespräch schon so viel Vertrauen geschenkt, das war Wahnsinn. Ich hatte bei ihm gleich ein gutes Gefühl. Da herrschte vom ersten Tag ein sehr gutes Verhältnis bei uns und als er mir sagte, dass ich die neue Nummer eins bin, ging für mich ein Traum in Erfüllung.

SPORT1: Was hat er Ihnen denn gesagt?

Horn: Schon bei der ersten Begrüßung umarmte mich der Trainer. Das war ganz neu für mich, denn wir kannten uns gar nicht. Er erzählte mir vom Umbruch und dass dieser auch im Tor stattfinden soll. Er meinte, dass ich Fehler machen dürfe und man dennoch auf mich baut. Dass das aber kein Freifahrtschein für mich ist, ist mir auch klar.

SPORT1: Dachten Sie sich "bitte kneift mich"?

Horn: (lacht) Klar. Es war in den Wochen nach der Saison schon in den Medien spekuliert worden, dass es im Tor wohl eine Änderung geben würde. Natürlich habe ich das auch alles gelesen. Aber dass ich vor dem ersten Training zur Nummer eins gemacht wurde, damit konnte ich nicht rechnen. Es war einer der schönsten Momente in meinem Leben. In dem Augenblick hatte ich mein Ziel erreicht Nummer eins bei meinem Klub zu werden. Das war ein Wahnsinns-Gefühl.

SPORT1: Wie ist das Verhältnis zu Stanislawski jetzt?

Horn: "Stani" kommt immer wieder auf mich zu und spricht mit mir über meine Spiele. Das ist immer sehr wohltuend und positiv. Das Verhältnis könnte nicht besser sein. Ich bin glücklich unter diesem Trainer spielen zu dürfen.

SPORT1: Wie ist Ihr Verhältnis zu den Kölner Fans, die in den letzten Monaten für negative Schlagzeilen sorgten.

Horn: Seitdem ich beim FC im Tor stehe, habe ich nur positive Rückmeldungen bekommen und ich kann mich über Unterstützung nicht beklagen. Die große Mehrzahl der FC-Anhänger sind grundsätzlich tolle Fans, die unser Team immer und überall sensationell unterstützen. Letzte Saison war das nicht immer der Fall. Da wurden Spieler oder Mitarbeiter immer wieder von einigen wenigen Chaoten attackiert. Das war sehr unschön und da hat man schon mal nach rechts und links geschaut, wenn man am Parkplatz ausgestiegen ist. Das war bestimmt keine schöne Phase und das sollte sich nie mehr wiederholen.

SPORT1: Herr Horn, Sie haben doch sicher ein Vorbild. Wer ist das?

Horn: Mein Vorbild war immer Edwin van der Saar. Seine Spielart hat mir immer gefallen, weil er der Mannschaft von hinten immer viel Ruhe gegeben hat. Das versuche ich auch in mein Spiel zu übertragen. Aber klar, vom Verein her ist Toni Schumacher mein Vorbild. So eine Karriere wie er möchte ich anstreben.

SPORT1: Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Horn: Dann bin ich 24 und da will ich mich am liebsten mit dem FC in der Bundesliga etabliert haben, nicht immer gegen den Abstieg spielen und die internationalen Plätze angreifen. Natürlich will ich mich bis dahin auch in der Nationalmannschaft weiter entwickeln, nächstens Jahr den Sprung in die U 21 schaffen und irgendwann natürlich auch für mein Land in der A-Nationalmannschaft auflaufen.

SPORT1: Von den Zielen ist der FC aber noch weit entfernt. Der Verein steckt in der Krise.

Horn: Wir haben natürlich eine sehr junge Mannschaft, die noch nicht so konstant spielt wie Kaiserslautern oder Hertha BSC. Unsere Leistungen sind auch dem Umbruch geschuldet und das braucht alles Zeit und Geduld. Diese Saison ist eine Übergangs-Saison und wir haben nicht den Zwang aufzusteigen, aber wir haben das Ziel oben mitzuspielen.

SPORT1: Wie geht man da in das Spiel bei 1860 München, die in den letzten Wochen meist enttäuschten?

Horn: Wir fliegen da selbstbewusst hin und wollen etwas mitnehmen. 1860 ist zwar momentan der Favorit, aber keine Übermannschaft. Die hatten zuletzt auch ihre Probleme. Wir müssen vor allem defensiv gut stehen. Zuletzt haben wir uns in der Abwehr einige Fehler erlaubt und das darf uns am Freitag nicht passieren. Das wird gegen 1860 eiskalt bestraft. Wir wollen da gute Konter setzen und werden uns nicht kampflos aufgeben.

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