Franz Gerber ist seit Febraur 2010 Sportdirektor beim SSV Jahn Regensburg © getty

Vorm Derby in Ingolstadt spricht Trainer-Manager Gerber bei SPORT1 über Regensburgs ernste Situation - und einen Kandidaten.

Von Reinhard Franke

München - Franz Gerber ist nicht zu beneiden: (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Nach der Beurlaubung von Oscar Corrochano, der nach vier Pleiten in Folge seinen Hut nehmen musste (Bericht), übernimmt der Sportchef in Personalunion beim abstiegsbedrohten SSV Jahn Regensburg bis zur Winterpause auch den Trainerposten.

Gerber sieht sich aber nicht als Zauberer, der "bei einer verunsicherten Mannschaft die Hand auflegt, und dann klappt alles".

Der 58-Jährige traut sich im Interview mit SPORT1 aber zu, den Klub wieder in ruhigeres Fahrwasser zu manövrieren.

Jetzt Derby gegen Ingolstadt

Vor dem Derby beim FC Ingolstadt (So., 13.15 Uhr im LIVE-TICKER) spricht Gerber über seine neue Doppelfunktion, die prekäre Lage bei Jahn und Torwart Michael Hofmann. Dazu verrät er, dass er als neuen Trainer Klaus Augenthaler im Kopf hat.

SPORT1: Herr Gerber, warum tun Sie sich den Doppel-Job an?

Franz Gerber: Weil wir keinen Plan B hatten. Wir hatten natürlich gehofft, dass Oscar Corrochano das hinbekommt, wir gegen Paderborn punkten. Aber der leblose Auftritt der Mannschaft war alarmierend. Es war kein Feuer mehr in der Truppe. Und da sind wir zu dem Schluss gekommen, dass es so nicht weiter geht. Wir wollen nun den richtigen Mann finden, und daher hat man mich gebeten, dass ich das mit meiner Erfahrung bis zum Winter machen soll.

SPORT1: Was werden Sie anders machen?

Gerber: Sicher habe ich eine andere Ansprache und eine etwas andere Auffassung von dem einen oder anderen Spieler - und auch vom System. Aber ich werde nicht alles umkrempeln.

SPORT1: Sie haben zwar den Trainerschein, aber waren die letzten Jahre nicht als Trainer tätig.

Gerber: Das stimmt. 2007 war ich Trainer von der Nationalmannschaft von Madagaskar. Da habe ich dem Staatspräsidenten einen Gefallen getan, weil er viel Gutes von mir gehört hat, wie ich mit jungen Spielern umgehe. Das mit Madagaskar war aber eher aus Spaß.

SPORT1: Das jetzt wird aber eine ernste Sache.

Gerber: Das jetzt ist eine Mammut-Aufgabe, und damit tue ich mir ganz schön etwas an. Aber der Klub steht im Vordergrund, da muss ich meine eigenen Interessen hinten anstellen. Wir müssen alles versuchen, das Unmögliche noch möglich zu machen, um in der Liga zu bleiben.

SPORT1: Wie soll das gehen bei neun Niederlagen aus zwölf Spielen?

Gerber: Wir befinden uns in einer sehr schwierigen Situation. Wir können uns keine großen Investitionen leisten, haben keine Spitzen-Mannschaft. Es ist vieles falsch gelaufen, aber man hat leider keine Zeit. Das bereitet mir große Sorgen.

SPORT1: Hat es auch menschlich mit Corrochano nicht mehr gepasst?

Gerber: Natürlich kommt von allen Seiten Kritik auf, wenn der Erfolg ausbleibt, aber wir haben Oscar immer die Unterstützung gegeben. Menschlich war da alles in Ordnung.

SPORT1: Inwieweit nehmen Sie das Scheitern des Trainers auch auf Ihre Kappe? Sie haben ihn schließlich zur großen Überraschung vieler vor der Saison geholt.

Gerber: Alle im Verein haben das Anforderungsprofil erstellt, dass es ein junger Trainer sein soll. Auch die Fans wollten einen jungen Mann, der noch unbefleckt war von Rauswürfen oder der schon bei vielen Vereinen war. Mit Markus Weinzierl hat es gut geklappt. Wir sind der etwas andere Verein und da konnten wir uns keinen namenhaften Trainer leisten, der schon Erfolge vorzuweisen hat. Wenn wir so einen Mann geholt hätten, hätte das Geld für Spieler gefehlt.

SPORT1: Bedauern Sie das Scheitern von Corrochano?

Gerber: Schon. Es war eine Chance und hat sich auch lange Zeit gut angelassen. Wir hatte auch gute Spiele, haben da aber leider nicht genügend Punkte geholt. Wir haben etwas probiert, was leider nicht geklappt hat.

SPORT1: Wird nun ein erfahrener Mann geholt? Klaus Augenthaler wurde schon im Sommer genannt.

Gerber: In unserer Situation musst du auf einen erfahrenen Trainer zurückgreifen, der den Abstiegskampf als Retter schon mal erfolgreich bestritten hat. Was anderes geht gar nicht. Mit Augenthaler wurde damals nicht gesprochen.

SPORT1: Wäre er so uninteressant?

Gerber: Ein Augenthaler ist nie uninteressant, aber bis jetzt hat es noch keinerlei Gespräche gegeben. Ich wurde von allen Seiten gebeten, es bis zum Winter zu machen. Dann werden wir reagieren. Ich habe Augenthaler aber im Kopf und kann ihn mir vorstellen.

SPORT1: Wie sehen Sie die Situation um Torwart-Oldie Michael Hofmann? Er zeigte zuletzt in einem Interview starke Emotionen und übte Selbstkritik.

Gerber: Er hat für uns gute Spiele abgeliefert, aber es gab auch das ein oder andere Spiel, wo er mit beteiligt war an Toren. Er war zwei Jahre für uns ein Erfolgsgarant, und wir wollten mit ihm in diese Zweite Liga, sein letztes Jahr. Noch ist er unser Torhüter, und ich hoffe, dass er so viel Größe zeigt, dass wir mit ihm da rauskommen. Seine Karriere soll bei uns positiv ausklingen.

SPORT1: Wie gehen Sie in Ihr erstes Spiel als Jahn-Coach - ausgerechnet das Derby gegen Ingolstadt?

Gerber: Das heiße Derby ist gar nicht so das Ding, aber Ingolstadt hat eine gute Mannschaft und einen richtigen Lauf. Bei denen läuft es richtig gut, die haben natürlich auch ganz andere finanzielle Möglichkeiten als wir. Wir sind ganz unten, und da ist man verunsichert. Das wird für mich im ersten Spiel als Trainer ganz schwer.

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