Christian Beeck besitzt bei Energie Cottbus noch einen Vertrag bis Juni 2014 © imago

Christian Beeck kehrt als Cottbuser Sportdirektor zurück an seine alte Wirkungsstätte. Ein Wildnis-Trip hat ihn reifen lassen.

München/Berlin - Als er von seiner Jugendliebe Union Berlin den Laufpass bekommen hatte, trat der abservierte Teammanager die Flucht in die Wildnis an.

Grizzlys, Nadelwälder, schroffe Felsen: Christian Beeck scoutete keine Spieler mehr, sondern tankte in Kanada neue Kraft.

Nun betritt der Ur-Unioner erstmals seit seiner Entlassung im Mai 2011 die Alte Försterei. Doch er kommt nicht zum bloßen Händeschütteln.

Der jetzige Sportdirektor hat Zweitligist Energie Cottbus zu einem Aufstiegskandidaten aufgepäppelt.

Dort, wo seine Fußball-Wurzeln liegen, will Beeck am Samstag (ab 12.45 Uhr im LIVE-TICKER) drei Punkte entführen.

Kein gutes Verhältnis zu Union-Coach Neuhaus

"In erster Linie freue ich mich auf so eine Partie. Ich habe da als kleines Kind das Fußballspielen gelernt und wenn man dahin zurückkehrt, wo man das runde Leder kennengelernt hat, dann ist das schon etwas Besonderes", sagte Beeck: "Es wäre gelogen, wenn ich sage, dass es ein ganz normales Spiel für mich ist."

Das ohnehin brisante Ost-Duell wird dadurch noch einen Zacken reizvoller. Beeck kommt an den Ort, wo alles anfing.

Vor 32 Jahren kickte er als kleiner Steppke erstmals für Union Berlin gegen den Ball. Er spielte seine Jugend für die "Eisernen", stieg 2005, nach seiner Spielerkarriere, als Teammanager ein und führte den Klub von der vierten in die Zweite Liga.

Doch irgendwann sind offenbar Risse im Verhältnis zu Trainer Uwe Neuhaus entstanden. Hinter den Kulissen war man sich uneinig.

Entlassung mit anschließender Klage

Die Hauptstädter entließen den Manager Beeck im Mai 2011. Offizielle Begründung war eine "Umstrukturierung in der Lizenzspielerabteilung".

Beeck reichte eine Arbeitsschutzklage beim Arbeitsgericht Berlin ein. Am Ende einigten sich Union und der 40-Jährige außergerichtlich auf ein Vertragsende zum Juni 2012.

Der Weg zu seiner jetzigen Sportdirektor-Position bei Energie Cottbus war frei.

Aber dazwischen lag ein Jahr, in dem Beeck abschalten konnte - vielleicht sogar musste. Ein Jahr, in dem der ehemalige Innenverteidiger gereift ist.

"Ich habe viel gesehen, habe die Zeit mit meiner Frau und meinen Kindern genossen. 25 Prozent Fußball, 75 Prozent ein anderes Leben - das hat mir sehr gut getan", berichtete Beeck, der mit Zelt und Rucksack in Kanada wanderte, aber auch Seminare zum Thema Managementtechnik und Unternehmensstruktur besuchte.

Höhenflug dank Knipser Sanogo

Wie wichtig diese Auszeit tatsächlich war, beweist ein Blick auf die Zahlen: Die Cottbuser, die letzte Saison erst am 34. Spieltag den Klassenerhalt schafften, sind noch ungeschlagen, bilden die beste Offensive und stehen auf Tabellenplatz zwei (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Was Beeck damit zu tun hat? So wie er einst als Defensivspezialist die Stürmer abräumte, packte er als Sportdirektor an.

Er holte Boubacar Sanogo in die Lausitz - und der ehemalige Bundesliga-Stürmer dankte es bereits mit fünf Toren.

"Man wünscht sich immer, dass die Verpflichtungen einschlagen", betonte Beeck: "Jetzt müssen wir sehen, dass es auch bis zum 34. Spieltag weiterhin so gut läuft."

Gereifter Beeck genießt Full-Time-Job

Seit Juli füllt der Ex-Fußballer sein Amt bei den Brandenburgern aus: "Es ist ein Sieben-Tages-Job mit einem 24-Stunden-Bereitschaftsdienst. Man darf auf viele Dinge verzichten, aber das mache ich gerne."

Sein Einsatzwille ist geblieben, nur die Sache mit den Emotionen hat sich gelegt: "Es ist wichtiger, die Dinge sachlich zu analysieren. Emotionen sind auf dieser Position oftmals ein falscher Ratgeber."

Der Ex-Energie-Profi, der zwischen 1999 und 2004 in 107 Spielen für Cottbus 42 Gelbe Karten kassierte, hat dazugelernt.

SPORT1 hat die Fakten zum 8. Spieltag:

Samstag:

(beide ab 12.45 Uhr im LIVE-TICKER und So., ab 19.15 Uhr HIGHLIGHTS im TV auf SPORT1)

1860 München - SV Sandhausen:

Die in dieser Saison noch ungeschlagenen Münchner blieben in dieser Spielzeit bereits fünfmal ohne Gegentor.

Das seit vier Begegnungen sieglos Sandhausen blieb in dieser Spielzeit bislang nur einmal ohne eigenen Torerfolg.

Union Berlin - Energie Cottbus:

Union, das in den jüngsten beiden Partien vier Zähler einfuhr, kassierte in jedem seiner sieben Saisonspiele mindestens ein Gegentor.

Die ungeschlagenen Cottbuser konnten von bislang 18 Auftritten gegen Union neun gewinnen (fünf Unentschieden, vier Niederlagen). (1:0 und 1:2)

Sonntag:

(alle ab 13.15 Uhr im LIVE-TICKER und ab 19.15 Uhr HIGHLIGHTS im TV auf SPORT1)

1. FC Kaiserslautern - Eintracht Braunschweig:

Kaiserslautern hat von bislang 23 Heimspielen gegen Braunschweig 17 gewonnen (vier Unentschieden, zwei Unentschieden).

Braunschweig, das mit nur zwei Gegentoren die beste Abwehr der Liga stellt, ist bereits seit insgesamt neun Pflichtpartien (inklusive DFB-Pokal) unbesiegt.

Dynamo Dresden - Erzgebirge Aue:

Dresden hat drei seiner jüngsten vier Begegnungen verloren und wartet noch auf den ersten Heimsieg der Saison.

Nach zuvor drei Niederlagen ohne eigenen Treffer hat Aue beim jüngsten 1:1 gegen Union wieder gepunktet. (1:2 und 1:1)

VfL Bochum - FC Ingolstadt:

Bochum hat von bislang vier Duellen gegen Ingolstadt drei verloren, darunter beide Heimspiele.

Nach zuvor drei Siegen kassierte Ingolstadt zuletzt eine 0:2-Niederlage gegen 1860 München. (0:1 und 5:3)

Montag:

(ab 19.45 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE im TV auf SPORT1)

MSV Duisburg - Hertha BSC:

Duisburg, das auch unter dem neuen Trainer Kosta Runjaic weiterhin auf den ersten Saisonerfolg wartet, hat von bislang 58 Duellen mit Hertha nur 22 gewonnen (12 Unentschieden, 24 Niederlagen).

Die Berliner sind bereits seit fünf Partien unbesiegt (vier Siege, ein Unentschieden).

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