Wunschkandidat: Marco Kurz stieg 2010 mit Kaiserslautern in die Bundesliga auf © getty

Die Pleite gegen Aalen besiegelt das Aus des Hamburger Trainers. Der Klub soll schon Kontakt zu Marco Kurz aufgenmommen haben.

Von Christoph Lother

München/Hamburg - Einen Tag nach der 0:1-Heimniederlage gegen den VfR Aalen (Bericht) hat sich Zweitligist FC St. Pauli von seinem Trainer Andre Schubert getrennt.

Die Hamburger zogen damit die Konsequenzen aus dem enttäuschenden Saisonstart mit gerade mal einem Sieg und insgesamt sechs Punkten aus den ersten sieben Spielen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Die sportliche Entwicklung hat diesen Schritt notwendig gemacht. Das Spiel gegen Aalen war ein Tiefpunkt. Die im Analysegespräch im Mai mit Andre Schubert von ihm vorgeschlagenen Werkzeuge zur Weiterentwicklung der Mannschaft haben nicht gegriffen", erklärte Klub-Präsident Stefan Orth.

"Es ist keine positive Entwicklung zu erkennen. Die Situation ist ernst. Deshalb haben wir gehandelt."

Als heißester Kandidat auf die Nachfolge gilt Marco Kurz, der Anfang des Jahres beim 1. FC Kaiserslautern entlassen wurde. Der 43-Jährige galt bereits am Ende der Vorsaison als Wunschkandidat des Klubs.

Kurz als Nachfolge-Kandidat

Wie SPORT1 am Mittwoch erfuhr, soll es schon zu einem Treffen zwischen Sportdirektor Rashid Azzouzui und Kurz an einem neutralen Ort gekommen sein.

"Ich werde nun eine Liste möglicher Kandidaten erstellen und nach Abstimmung mit dem Präsidium Gespräche führen. Wir brauchen wieder ein komplettes Miteinander, jemanden, der die Werte verkörpert, die den FC St. Pauli ausmachen wie Kampf und Leidenschaft. Zudem wollen wir uns auch fußballerisch wieder verbessern", sagte Azzouzi kurz nach der Entlassung Schuberts.

Trio übernimmt - vorerst

Beim kommenden Auswärtsspiel gegen Aufsteiger Jahn Regensburg (Fr., 17.45 Uhr im LIVE-TICKER) werden aber noch die bisherigen Co-Trainer Timo Schultz und Thomas Meggle sowie Torwarttrainer Mathias Hain die Mannschaft betreuen.

[kaltura id="0_7gocxned" class="full_size" title="Schubert muss gehen"]

Anders als zu Hause, wo die Kiezkicker vor der Pleite gegen Aalen immerhin 13 Partien lang ungeschlagen waren, wartet St. Pauli in der Fremde auch nach vier Spielen noch auf den ersten Sieg.

"Situation ist sehr gefährlich"

Bereits unmittelbar nach dem Schlusspfiff des Trauerspiels gegen Aalen hatte sich die Entlassung Schuberts, der erst im Sommer des vergangenen Jahres vom SC Paderborn ans Millerntor gewechselt war, angedeutet.

"Die Situation ist sehr gefährlich. Die Mannschaft hat planlos und unsicher gespielt", sagte Orth dem "Hamburger Abendblatt" und ergänzte:

"Wir müssen jetzt in Ruhe sehen, was zu tun ist, und die richtigen Schlüsse ziehen."

Entlassung mit Ansage

Auch Azzouzi hatte nach dem deprimierenden Auftritt gegen den schwäbischen Aufsteiger Alarm geschlagen:

"Wir müssen analysieren, weshalb wir so mutlos und mit wenig Dynamik gespielt haben. Wir brauchen schleunigst Lösungsansätze und müssen jetzt erst mal die hinteren Tabellenregionen im Auge behalten."

Auch mit Blick auf die vergangene Saison kommt Schuberts Rauswurf nicht wirklich überraschend.

Schon damals hatte der Übungsleiter, der bei St. Pauli noch einen Vertrag bis Juni 2013 besitzt, mehrfach vor der Trennung gestanden, sich dann aber immer wieder halten können.

Stattdessen feuerten die Hamburger im Mai nach einem beispiellosen Hin und Her Sportchef Helmut Schulte.

Spieler und Fans schlagen Alarm

Seinen ohnehin schon geringen Kredit bei Mannschaft und Fans hatte Schubert gegen Aalen endgültig verspielt.

"Es fehlte an allem, nichts passte zusammen", klagte Angreifer Mahir Saglik, und Kapitän Fabian Boll fügte an: "So holen wir gar keine Punkte mehr."

Da half es auch nichts, dass Schubert sämtliche Schuld auf sich und sein Team in Schutz nahm: "Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen."

Letztlich kam der 41-Jährige zu der Erkenntnis, "durch die Personalentscheidungen, die im Sommer getroffen wurden, bei einigen nicht mehr so beliebt" zu sein.

Damit reagierte er auf die mit einem gellenden Pfeifkonzert verbundenen "Schubert-raus"-Rufe, die während der Partie gegen den VfR immer wieder im Stadion zu hören waren.

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