Trainer Holger Stanislawski übernahm vor der Saison den 1. FC Köln © imago

Köln will gegen die Überflieger aus Frankfurt raus aus der Krise. Stanislawski wird bereits angezählt und sucht einen Chef.

München - Am 10. März 2012, legte sich für viele Monate ein dunkler Schatten auf den 1. FC Köln.

Das hart erkämpfte 1:0 im Bundesliga-Kellerduell gegen den späteren Mitabsteiger Hertha BSC war der letzte Sieg der Geißböcke für mehr als ein halbes Jahr, die Entlassung von Sportdirektor Volker Finke am selben Abend nur einer der vielen Tiefpunkte im Chaos-Jahr des Traditionsklubs.

Der FC ist inzwischen im Abstiegskampf der Zweiten Liga angekommen und steht am Dienstag (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER) gegen den FSV Frankfurt mit dem Rücken zur Wand.

Erst zwei Punkte

Zwei magere Pünktchen, zwei Elfmeter-Tore durch den Ex-Düsseldorfer Thomas Bröker: Nach sechs Spieltagen ist das Kölner Konto in Liga zwei sehr karg gefüllt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir müssen die drei Punkte jetzt mal erzwingen", fordert Trainer Holger Stanislawski vor dem Duell mit dem Überraschungs-Dritten. (Di., ab 22 Uhr HIGHLIGHTS im TV auf SPORT1)

Doch der ehemalige Kult-Trainer des Ligakonkurrenten FC St. Pauli wird selbst bereits angezählt. "Wie oft darf Stani noch verlieren?", fragt die "Bild".

Maßnahmen greifen nicht

Zusammen mit dem sportlichen Leiter Frank Schaefer und Kaderplaner Jörg Jakobs muss sich der neue Coach fragen lassen, wann die vielen Umbrüche im Kader und anderen Maßnahmen endlich greifen.

War Köln in den ersten Saisonspielen oft die bessere Mannschaft und verlor unglücklich, so stellte das 1:2 am Freitagabend bei Union Berlin einen neuerlichen Tiefpunkt da.

Kapitän Miso Brecko zeigte zwar Charakter und nahm die beiden Gegentore - völlig zu recht - auf seine Kappe ("Das waren ganz klar meine Fehler"), doch auf dem Platz ließen die "Geißböcke" alles vermissen, was es braucht, um im Profifußball erfolgreich zu sein.

"Viele haben sich das sicherlich leichter vorgestellt"

"Viele haben sich das sicherlich leichter vorgestellt", mutmaßt Bröker. Wohl nicht nur in der Mannschaft, sondern auch bei den Verantwortlichen.

Vor der Saison sortierte der FC gestandene Spieler wie Michael Rensing, Pedro Geromel, Martin Lanig oder Milivoje Novakovic aus, wollte auf junge Spieler setzen. In Berlin standen dann aber nur die Youngster Timo Horn und Jonas Hector auf dem Platz.

Rezepte aus der Krise kann in Köln derzeit niemand anbieten.

Während Stanislawski munter durchwechselt, Spieler wie Adel Chihi aus der Startelf auf die Tribüne rotiert und ansonsten im besten Fußballer-Deutsch die üblichen Parolen ("Müssen den Bock umstoßen") von sich gibt, flüchtet sich auch der zum Saisonende scheidende Geschäftsführer Claus Horstmann in Phrasen und Allgemeinplätzen.

Stanislawksi fehlt ein Chef

"Mit dem Umbruch und der jüngsten Mannschaft der Zweiten Liga läuft der FC einen Marathon, keinen 100-m-Lauf. Die nächste Zwischenetappe ist das Spiel am Dienstag gegen den FSV Frankfurt", sagte Horstmann.

Aber um im Bild zu bleiben: 6 von 34 Spieltagen sind 7,45 km eines 42,195 km langen Marathonlaufs, die 100-m-Marke hat der FC also längst erfolglos passiert.

"Mir fehlte ein Chef auf dem Platz", klagt Stanislawski, der am Mittwoch 43 Jahre alt wird.

In Köln hoffen sie auf Matthias Lehmann, doch dessen Einsatz ist nach überstandenen Achillessehnenproblemen wegen einer Magen-Darm-Geschichte fraglich.

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