Marius Ebbers spielte als Profi für Duisburg, Aachen, Köln und St. Pauli © getty

Vor dem Spiel gegen Aalen spricht St. Paulis Stürmer Marius Ebbers im Interview über die mangelnde Chancenverwertung.

Von Thorsten Langenbahn

Hamburg - Er ist Vizekapitän, der älteste Spieler und mit 251 Zweitliga-Einsätzen auch der erfahrenste im Kader des FC St. Pauli.

Stürmer Marius Ebbers spielt seine fünfte Saison am Millerntor. In den bisherigen sechs Spielen hat er für den aktuellen Tabellenzwölften erst einmal getroffen.

Sein Konkurrent Daniel Ginczek (21) rückte gegen den FSV Frankfurt in die Startelf und erzielte seinen ersten Saisontreffer, vergab aber beim 1:2 auch mehrere Möglichkeiten.

"Wir müssen vor dem Tor ruhiger, abgezockter und cleverer werden", fordert Ebbers vor dem Heimspiel gegen den VfR Aalen (Di., ab 17.15 im LIVE-TICKER)

Zweites Standbein mit "Ebb + Flow"

Sein Vertrag bei den Hamburger läuft noch bis 2013. Nach Stationen bei Wattenscheid, Duisburg, Köln, Aachen und St. Pauli plant Ebbers bereits die Karriere nach der Karriere.

Unweit des Hamburger Schanzenviertels hat er vorletzte Woche einen Laden für Streetwear eröffnet. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Ich bin relativ häufig auch selbst im Laden", sagt Ebbers über sein Geschäft namens "Ebb + Flow". "Bisher macht es mir richtig viel Spaß."

Das Verkaufen überlässt er zurzeit aber noch anderen. Sein Hauptjob ist und bleibt vorerst das Toreschießen. Sein nächster Treffer wäre sein 100. in der zweiten Liga.

Im SPORT1-Interview spricht Ebbers über den bisherigen Saisonstart, die momentane Abschlussschwäche und den Traum vom vierten Erstliga-Aufstieg.

SPORT1: Herr Ebbers, 85 Torschüsse hat der FC St. Pauli in den bisherigen sechs Spielen abgegeben, aber nur vier Treffer erzielt. Fehlt im Abschluss zurzeit der Killerinstinkt?

Marius Ebbers: Zum Teil fehlt es vielleicht am Killerinstinkt, aber es kam in den letzten Wochen auch Pech hinzu. Wir müssen vor dem Tor ruhiger, abgezockter und cleverer werden. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass es nur eine Phase ist, die auch wieder vorbeigeht.

SPORT1: Muss der FC St. Pauli nach dem 1:2 beim FSV Frankfurt aufpassen, nicht den Anschluss an die Spitzengruppe zu verlieren?

Ebbers: Derzeit mache ich mir darum keine Gedanken. Braunschweig ist ja zum Beispiel schon zehn Punkte weg. Wichtig ist, dass wir jetzt unsere Spiele positiv gestalten und gewinnen. Dann können wir bei den vielen Spielen, die wir noch vor der Brust haben, auch wieder den Anschluss schaffen.

SPORT1: Nach zwei Auswärtsspielen in Folge: Was muss am Millerntor gegen Aalen besser laufen?

Ebbers: Wir müssen uns in der Chancenverwertung verbessern. Zudem müssen wir versuchen, sowohl vorne als auch hinten besser zu werden. Vorne müssen wir unsere Möglichkeiten besser nutzen und hinten weniger Chancen für den Gegner zulassen.

SPORT1: Gegen Frankfurt wurden Sie erst in der 78. Minute eingewechselt. Wie ist es für einen ehrgeizigen Spieler wie Sie, auf der Bank sitzen zu müssen? Sind Sie da sehr zappelig?

Ebbers: Zappelig bin ich nicht. Ich gehöre nicht zu den Spielern, die besonders nervös sind. Aber natürlich bin ich nicht zufrieden, wenn ich auf der Bank sitze.

SPORT1: Sie bringen es auf 251 Zweitligaeinsätze, sind mit 34 Jahren zudem der Älteste im Kader des FC St. Pauli. Nehmen Sie mit Ihrer Erfahrung eine besondere Rolle in der Mannschaft ein?

Ebbers: Sicherlich hat man als ältester und erfahrenster Spiele eine gewisse Rolle inne. Man kann da auf dem Platz schon aufmunternde Worte rüberbringen, aber in den intensiven Spielen ist das häufig auch schwierig.

SPORT1: Gibt es den Traum vom vierten Erstliga-Aufstieg Ihrer Karriere?

Ebbers: Das wäre natürlich sehr schön, aber wir hatten jetzt den sechsten Spieltag. Da brauchen wir nicht über irgendwelche Auf- oder Abstiege zu reden. Da schauen wir von Spiel zu Spiel.

SPORT1: Ihr Vertrag läuft noch bis 2013. Sie bauen sich aber schon ein zweites Standbein für die Zeit nach Ihrer aktiven Karriere auf?

Ebbers: Das ist richtig. Ich habe vor kurzem ein Modegeschäft eröffnet. Das möchte ich mir aufbauen und nach meiner aktiven Zeit als Fußballer vielleicht dort richtig Fuß fassen. Bisher macht es mir richtig viel Spaß. Mal gucken, wie das läuft.

SPORT1: Der Name "Ebb + Flow" geht auf Ihren Spitznamen zurück?

Ebbers: Mein Spitzname ist ja Ebbe. Da habe ich ein bisschen rumgesucht und kam auf Ebbe und Flut. Das war sehr naheliegend und dann war das englische "ebb and flow" das gängigste und einfach sehr einprägsam.

SPORT1: Und die Mannschaftskollegen kaufen auch schon in Ihrem Streetwear-Laden ein?

Ebbers: Ein paar Jungs waren schon da. Bei der kleinen Eröffnungsfeier waren sowieso fast alle dabei. Ich bin relativ häufig auch selbst im Laden, aber das Verkaufen überlasse ich meinen Verkäufern, weil die das einfach besser machen als ich. Aber ich möchte das auch peu à peu annehmen und erlernen.

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