Stürmer Anthony Ujah (l.) wurde vom FSV Mainz 05 an den 1. FC Köln ausgeliehen © getty

Der FC und seine Anhänger demonstrieren beim 0:0 gegen St. Pauli Geschlossenheit. Selbst der Gegner wirbt um Verständnis.

Aus Köln berichtet Thorsten Langenbahn

Köln - Welche Engelsgeduld die Kölner Fans mit ihren Zweitliga-Profis hatten, erschien fast schon unheimlich.

Beim 0:0 im Zweitliga-Topspiel gegen FC St. Pauli vergab der 1. FC Köln vor 45.200 Zuschauern im Rhein-Energie-Stadion Chance um Chance, doch der rot-weiße Anhang unterstützte seine Farben bis zur letzten Minute. (BERICHT: Köln weiter sieglos)

Nach der Affäre um den schikanierten Ex-FC-Profi Kevin Pezzoni und dessen Vertragsauflösung schienen die Zuschauer demonstrieren zu wollen:

Wir sind die wahren Fans des FC.

Stanislawski lobt Team

Dass der Bundesliga-Absteiger weiterhin im Tabellenkeller steckt und saisonübergreifend seit 14 Ligaspielen ohne Dreier ist? Geschenkt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Das war ein sehr intensives Spiel und ein 0:0 der absolut besseren Sorte", sagte Kölns Trainer Holger Stanislawski nach dem ersten Pflichtspielduell mit seinem Ex-Klub. "In der zweiten Halbzeit haben wir noch einmal richtig Gas gegeben", lobte der FC-Coach.

St.-Pauli-Kollege Andre Schubert war ebenfalls stolz auf seine Mannschaft. "Sie hat sich nie versteckt, trotz der beeindruckenden Atmosphäre hier im Stadion", sagte er nach dem eher glücklichen Punktgewinn für die Hamburger.

Bigalke überzeugt bei Debüt

21:9 Torschüsse verbuchte der FC. Insbesondere Neuzugang Sascha Bigalke belebte im Zentrum das Kölner Angriffsspiel.

"Ich habe versucht, die Mannschaft und die Fans mitzureißen", sagte der 22-Jährige, der erst am letzten Transfertag von der SpVgg Unterhaching in die Domstadt gewechselt war.

Die Krux bei Köln: Keiner trifft aus dem Spiel heraus ins Tor, auch nicht der neue Mittelstürmer Anthony Ujah, der dennoch einen guten Eindruck hinterließ.

"Beide waren sehr aktiv. Beide haben eine gute Leistung gebracht. Sie waren sehr präsent", sagte Stanislwaski bei SPORT1 über Ujah und Bigalke.

Bröker scheitert reihenweise

Dennoch: Erst einmal zappelte der Ball in dieser Saison im Netz - durch einen Elfmeter von Thomas Bröker.

"Wir haben ein super Spiel gemacht. Das hat der Applaus der Zuschauer nach dem Spiel auch gezeigt", sagte der engagierte Bröker zu SPORT1.

Siebenmal schoss der Rückkehrer von Fortuna Düsseldorf aufs Tor. Wenn er sein Ziel nicht knapp verfehlte, parierte Pauli-Schlussmann Philipp Tschauner glänzend oder ein Abwehrspieler klärte vor der Linie - so wie Florian Mohr sieben Minuten vor Schluss.

Gegner werben um Verständnis für die Kölner

Trotz Platz 16, mageren zwei Punkten und einem Treffer aus fünf Spielen, bleiben die FC-Spieler betont gelassen. Von einer Krise will beim Bundesliga-Absteiger und Drittletzten der Zweiten Liga zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand reden.

Und selbst die Gegner sprangen dem FC zur Seite. "Köln hat eine Riesenumbruch vollzogen, da muss man auch mal Ruhe bewahren" sagte St. Paulis Mittelfeldspieler Florian Bruns. Torhüter Tschauner pflichtete ihm bei:

"Wenn die Kölner so weiterspielen, werden sie ihre Punkte noch holen. Aber gewinnen kann man nur, wenn man Tore schießt.?

"Irgendwann wird das Tor fallen"

Stanislwaski ist vom Ende der Misere aber überzeugt.

"Wir müssen weiter mutig und nach vorne spielen. Irgendwann wird das Tor fallen, irgendwann werden die Jungs Selbstvertrauen kriegen und sehen, wie einfach Toreschießen sein kann", sagte er bei SPORT1.

Trotz der Abschlussschwäche bleibt er optimistisch: "Wir waren in vielen Spielen die dominierende Mannschaft, und wir haben uns nicht belohnt. Wir sind in der Lage, dann auch mehrere Spiele hintereinander zu gewinnen. Wenn wir hier kurz vor Schluss das Tor schießen, reißen sie uns das Stadion ein."

Nahziel: Sieg im Kellerderby, Fernziel: Wiederaufstieg

Auch St. Pauli tritt als Tabellenelfter mit sechs Punkten auf der Stelle. Beim Überraschungsteam FSV Frankfurt steht am Freitag schon die nächste Auswärtsaufgabe an.

"In Frankfurt können wir dieses Unentschieden vergolden, indem wir da einen Dreier holen", meinte Tschauner.

Köln will zur gleichen Zeit im Kellerduell bei Union Berlin den ersten Sieg einfahren. Unendlich ist die Geduld der Fans schließlich auch nicht.

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