Sascha Bigalke (M.) schoss für Unterhaching in der Saison 2011/2012 in 42 Spielen acht Tore © getty

Kölns Neuzugang Sascha Bigalke spricht bei SPORT1 über die aktuelle Lage, die Fans und die Erwartungshaltung an seine Person.

Von Reinhard Franke

München - In Köln gibt es ein Sprichwort: "Et hätt noch immer joot jejange".

Heißt: Es ist noch immer gut ausgegangen. Das hoffen die Fans und die Verantwortlichen des 1. FC Köln sehr.

Ein mickriges Pünktchen aus drei Spielen haben die "Geißböcke" auf ihrem Konto, stehen auf Platz 16 (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Im Heimspiel gegen St. Pauli (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) wollen Trainer Holger Stanislawski und seine Spieler den Bock umstoßen.

Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Sascha Bigalke. Der 22-jährige Berliner kam aus Unterhaching und steht vor seinem Startelfdebüt. 35464 (DIASHOW: Zweitliga-Torschützenkönige)

Vor dem Spiel spricht Bigalke im SPORT1-Interview über die aktuelle Lage, Stanislawski, die Fans - und die Erwartungshaltung an seine Person.

SPORT1: Herr Bigalke, Sie kamen vom kleinen Unterhaching in das große Köln. Ist das ein Kulturschock?

Sascha Bigalke: Es war kein riesengroßer Unterschied, weil ich ja nur ein Jahr in München war und gebürtiger Berliner bin. In Köln ist alles ein wenig größer und ein bisschen mehr los als in München. Klar, in Haching war alles etwas beschaulicher. Die Umstellung war aber nicht allzu schwer für mich.

SPORT1: Der Wechsel kam überraschend.

Bigalke: Dass es jetzt noch geklappt hat, war auch für mich überraschend. Ich hatte mich noch auf ein halbes Jahr in Haching eingestellt. Der Abschied fiel mir schon schwer. So war es dann doch gut, von heute auf morgen die Sache hinter sich zu lassen, um in Köln eine neue Chance zu suchen.

SPORT1: Trainer Holger Stanislawski sagte, dass der Verein Sie nicht bekommen hätte, wenn man noch drei Wochen gewartet hätte.

Bigalke: Das kann schon sein, ich hatte auch andere Anfragen. Aber das Angebot vom FC hat gepasst und mich überzeugt. Man hat um mich gekämpft. Das war für mich ein Zeichen, dass man mich will und ich gute Chancen haben kann zu spielen. Köln ist in Deutschland nach wie vor eine Riesen-Adresse. Gerade mit den vielen Fans im Rücken, auch gegen St. Pauli kommen bestimmt 45000 Zuschauer. Das ist Motivation genug.

[kaltura id="0_heceleik" class="full_size" title="Stanislawskis Wiedersehen mit St Pauli"]

SPORT1: In Köln sind Sie so etwas wie der neue Hoffnungsträger. Der Trainer hält große Stücke auf Sie.

Bigalke: Ich weiß, dass aus den ersten drei Spielen nur ein Punkt geholt wurde. Dementsprechend ist der Druck da. Die Fans gehen den Weg des Vereins mit, aber erwarten natürlich auch Punkte und Siege. Ich weiß, dass ich als Offensivspieler für Vorlagen und Tore sorgen muss. Ich muss mit dieser Erwartungshaltung und dem Druck umgehen, auch wenn ich noch ein junger Spieler bin. Es freut mich natürlich, dass der Trainer so positiv über mich denkt. Ich will mich weiterentwickeln und werde das schaffen. Die Mannschaft hat mich super aufgenommen und ich fühle mich sehr wohl in Köln. Ich will der Truppe schnell helfen, brenne auf einen Einsatz.

SPORT1: Es war zu lesen, dass Sie dahin wollen, wo Toni Kroos, Ihr einstiger Zimmernachbar bei der U 20 des FC Bayern, schon ist. Wie meinen Sie das?

Bigalke: So habe ich das nicht gesagt. Ich habe früher in der Jugend-Nationalmannschaft mit vielen Spielern zusammengespielt, die heute Stammspieler in der Ersten Liga oder Nationalspieler sind wie ein Toni Kroos. Mein Ziel ist es, mit den Jungs noch mal zusammen- oder gegen sie zu spielen. Ich will in die Erste Liga, deshalb hoffe ich, dass ich es in Köln schaffen werde. Vom fußballerischen Potenzial kann ich in der Bundesliga spielen.

SPORT1: Welche Spieler waren damals noch dabei?

Bigalke: Mit Gladbachs Tony Jantschke habe ich noch sehr guten Kontakt, mit Lewis Holtby von Schalke war ich mal zusammen im Urlaub und mit Sebastian Rudy, der seit Jahren Stammspieler in der Bundesliga ist, verstehe ich mich auch bestens. Das sind Jungs, die es schon gepackt haben. Da will ich auch hin. Es ist noch ein weiter Weg für mich, aber ich will mich beim FC durchsetzen und mithelfen, eine neue Ära einzuleiten.

SPORT1: Ist Holger Stanislawski da genau der Typ Trainer, den Sie jetzt brauchen?

Bigalke: Ich denke schon. Er war auch der Grund, dass ich nach Köln gegangen bin. Er ist ein sehr menschlicher Trainer, der die Emotionen voll auslebt und auch mal verzeiht, wenn man als Fußballer Fehler macht. Er hat schon Erfolge gefeiert und wird mich in meiner Entwicklung sicher weiterbringen.

SPORT1: Manche Fans verzeihen keine Fehler. Haben Sie nach dem "Fall Pezzoni" Angst vor den FC-Fans?

Bigalke: Ich habe überhaupt keine Angst, dass so etwas noch mal passieren wird. Ich definiere mich natürlich auch über Emotionen und will die Fans mit meiner Spielweise ja auch mitreißen. Ich denke, unsere Fans stehen voll hinter der Truppe. Es waren nur ein paar einzelne Verrückte, die auf sich aufmerksam machen müssen. Das ist sehr schade für den Fußball. Wenn man wirklich mal Angst haben müsste, zum Beispiel zum Training zu kommen, dann müsste man sich über den ganzen Sport Gedanken machen. Aber das ist nicht der Fall.

SPORT1: Wie geht die Mannschaft in das Spiel gegen St. Pauli?

Bigalke: Wir haben Druck, aber St. Pauli hat auch keinen guten Start hingelegt. Es wird ein sehr interessantes Spiel und ich bin fest davon überzeugt, dass wir gewinnen werden. Die Länderspielpause hat uns und dem Verein gut getan. Jeder konnte sich sammeln und überlegen, woran es bisher gehapert hat. Mit mir wurde noch Anthony Ujah verpflichtet. Er wird seine Tore machen, weiß, wo die Hütte steht. Wir haben sehr viel im taktischen Bereich gearbeitet und ich bin wirklich zuversichtlich. Es ist wie ein neuer Saisonbeginn für uns. Ich will meinen Teil zum Erfolg beitragen.

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