Boubacar Sanogo hatte seine beste Zeit in der Saison 2005/2006 beim 1. FC Kaiserslautern © getty

Hinter dem Cottbus-Stürmer liegen turbulente Jahre. Bei SPORT1 wehrt er sich gegen sein negatives Image.

Von Reinhard Franke

München - Aller Anfang ist schwer.

Dieses Sprichwort gilt nicht für Boubacar Sanogo.

Der Stürmer von Energie Cottbus ist angekommen in der Lausitz. Und wie.

Vier Tore in vier Spielen sprechen eine mehr als deutliche Sprache. Auch dank Sanogos Toren steht Energie auf Platz zwei der Tabelle. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Der Ivorer wechselte im Sommer nach Cottbus. Zuvor war er ein halbes Jahr arbeitslos.

Bei seiner letzten Station, in Frankreich bei St. Etienne, wurde er in drei Jahren nie richtig glücklich. Nach elf Monaten ohne Pflichtspiel hatte Sanogo große Mühe, einen Klub in Deutschland zu finden.

Er zog im Frühjahr zur Familie nach Bremen, um sich fit zu halten. Bis der Anruf aus Cottbus kam. Ein Neubeginn - in der zweiten Liga. "Die ersten Wochen waren sehr zufriedenstellend für mich", sagt Sanogo im Gespräch mit SPORT1.

Leidenszeit ist vorbei

"Es war sehr schwer für mich lange Zeit nicht richtig trainieren zu können. Umso glücklicher bin ich, dass ich jetzt wieder spielen kann."

Auch im Heimspiel gegen den FSV Frankfurt (Fr., ab 17.45 im LIVE-TICKER und ab 22.30 Uhr HIGHLIGHTS im TV auf SPORT1) will er wieder treffen. Doch der Lauf, den der 29-Jährige derzeit bei Energie hat, ist so manchem Fan und Experten nicht geheuer.

Es gibt berechtigte Zweifel. Anhand von Zahlenmaterial lässt sich nämlich belegen, dass der Ivorer bei seinen jeweiligen Arbeitgebern anfangs fleißig traf, die Quote danach aber meist abfiel.

Im Sommer 2005 kam Sanogo nach Deutschland zum 1. FC Kaiserslautern, wurde in seiner ersten Saison mit 10 Toren in 24 Spielen gleich mal Publikumsliebling in der Pfalz, konnte den bitteren Abstieg aber nicht verhindern.

"Bobbycar" sorgt mit Wechsel für Wirbel

"Bobbycar", wie ihn die Lautern-Fans liebevoll nannten, wechselte nach wochenlangem Hickhack zum Hamburger SV.

Viele im Umfeld der "Roten Teufel" warfen ihm damals vor, er habe nur auf einen besseren Vertrag spekuliert und keine Lust auf die Zweite Liga gehabt.

"Dass ich unbedingt weg wollte, stimmt nicht. Der Fan, der das von mir gehört hat, soll zu mir kommen. Ich war sehr glücklich in Kaiserslautern, aber als das Angebot kam, war es für alle Seiten gut, weil der FCK Geld brauchte."

Und er fügt hinzu: "Für mich war es aber auch ein Schritt nach vorne."

Auch in Hamburg startete der Stürmer furios, traf in seinen ersten sechs Spielen vier Mal.

Odysee: Bremen, Hoffenheim, Bremen, St. Etienne

Doch in den restlichen 25 Spielen kam wenig von ihm, so dass Sanogo nach nur einem Jahr Hamburg wieder verließ und zu Werder Bremen wechselte. Auch dort überzeugte er auf Anhieb, schoss in 21 Spielen neun Tore.

Erneut baute er im zweiten Jahr stark ab und wurde ausgeliehen - nach Hoffenheim. Dort fand er kein Glück und kehrte zurück nach Bremen, wechselte im Sommer 2009 zu St. Etienne.

Schlimme Zeit in Frankreich

An diese Zeit denkt er ungern zurück. "Am Anfang war es gut", erinnert sich Sanogo, "aber dann war ich immer wieder verletzt und das ist immer schwer für einen Profi, denn du willst auf dem Platz stehen."

Die Restzweifel haften ihm nun an wie ein Kaugummi, der an ihm klebt. Cottbus ist wohl seine letzte Chance auf Erfolg als Profi.

Sanogo gibt sich kämpferisch: "Wichtig ist, dass ich in Cottbus Leistung bringe. Ich weiß, was ich auf dem Platz tun kann. Was in den Zeitungen steht, ist nicht mein Problem. Ich konzentriere mich voll auf Energie."

Respekt für Bommer

Für Sanogo haben die Leute "immer eine Meinung, ich werde das nicht ändern können." Woran liegt es aber, dass die Trainer nach einer gewissen Zeit das Vertrauen in Sanogo verloren haben?

"Das weiß ich nicht, da müsste man die Trainer fragen. Ich bin kein schlechter Typ." Seine Rettung scheint nun Cottbus-Trainer Rudi Bommer zu sein.

"Herr Bommer kannte mich nicht von früher, wir hatten nie zusammen gearbeitet. Viele Leute haben schlecht über mich geredet, obwohl sie mich nicht kennen. Herr Bommer hat mich trotzdem geholt und dafür hat er meinen ganzen Respekt."

Cottbus ist für Sanogo jedenfalls kein Abstieg.

Sanogo fühlt sich wohl

"Für mich ist das wichtigste, dass ich Fußball spielen kann. Cottbus ist ein sehr ruhiger Ort, klar, es ist nicht Hamburg oder München, aber es ist eine schöner Ort für einen Mann mit Familie - und ich bin ein Familienmensch."

Und wenn es so weiter läuft wie derzeit, ist auch die Bundesliga für Sanogo noch nicht abgehakt: "Ich habe zwei Jahre Vertrag und will natürlich am liebsten mit Energie aufsteigen. Bundesliga wäre noch mal ein Traum."

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