Der Vertrag von Claus Horstmann beim 1. FC Köln läuft Ende Juni 2013 aus © getty

Kölns Geschäfstführer widerspricht im Volkswagen Doppelpass vehement den Vorwürfen des Ex-Spielers. Der vermisst Unterstützung.

Von Matthias Becker

München - Der Fall Kevin Pezzoni artet zur Schlammschlacht aus.

Nachdem sich der ehemalige Profi des 1. FC Köln in der "Welt am Sonntag" massiv über den Umgang des Klubs mit ihm beklagt hatte, setzte sich Kölns Geschäftsführer vehement zur Wehr.

"Kevin hätte keine Aufhebung unterschreiben müssen und sein Vater hätte keine Pressemitteilung freigeben müssen, wenn man der Meinung gewesen wäre, dass das nicht die richtige Lösung sei", sagte Claus Horstmann im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 zur Vertragsauflösung mit dem Defensivspieler.

Pezzoni hatte beklagt, er sei keineswegs an einer Vertragsauflösung interessiert gewesen: "Der Vorschlag wurde vom Verein an mich herangetragen."

Pezzoni vermisst Unterstützung

Eine Darstellung, der Horstmann zumindest nicht direkt widerspricht. "Wer zuerst das Wort Vertragsauflösung in den Mund genommen hat, ist irrelevant", meinte er.

Vielmehr sei es nach den Drohungen und Pöbeleien gegen Pezzoni zu Gesprächen gekommen, an deren Ende eine Vertragsauflöung als beste Lösung angesehen wurde.

Davon will Pezzoni allerdings nichts wissen. Das Angebot zur Beendigung der Zusammenarbeit sei "ein schwerer Schlag" für ihn gewesen, berichtete er:

"Ich hatte gehofft, dass die Verantwortlichen sich hinter mich stellen und versuchen, mich zu schützen."

"Wir haben uns großzügig gezeigt"

Eine Vernachlässigung der Fürsorgepflicht konnte Horstmann hingegen nicht erkennen.

"Der Klub hat sich sehr für Kevin eingesetzt und versucht, eine gute Lösung für ihn und seine Fußballkarriere zu finden", erklärte er im Volkswagen Doppelpass:

"In der Vertragsaufhebung haben wir uns noch großzügig gezeigt und sind mit aller Konsequenz gegen die Gewalttäter vorgegangen. Wir haben auch eine Abfindung bezahlt."

Pezzoni habe sich sogar per SMS bedankt, auch der Vater des Profis habe in einem Telefonat gesagt, dass die Auflösung die beste Lösung gewesen sei.

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Horstmann: Haben nicht kapituliert

Der Zweitligist und der Profi hatten ihr Arbeitsverhältnis am 31. August beendet, nachdem Pezzoni von Kölner Anhängern sowohl auf facebook als auch vor seiner Wohnung massiv bedroht worden war.

"Wir haben den Vertrag nicht aufgelöst, um vor irgendwelchen Chaoten zu kapitulieren", sagte Horstmann aber.

Pezzoni sei von sich aus auf Trainer Holger Stanislawski zugegangen und habe klar gemacht, dass er sich nicht imstande sehe, für das damals anstehende Spiel gegen Energie Cottbus im Kader zu stehen.

Auf dieser Basis sei es zu Gesprächen und letztlich zur Auflösung des Kontrakts gekommen:

"Kein Vorteil für den 1. FC Köln"

Pezzoni selbst sieht den Ablauf der Ereignisse anders. "Für mich wirkt es so, als ob auf eine günstige Gelegenheit gewartet wurde, um mich loszuwerden", sagte er.

Er habe sich nach den Anfeidnungen im Anschluss an die Niederlage in Aue, als Pezzoni bereits in der ersten Halbzeit ausgewechselt wurde, mehr Unterstützung erwartet.

"Ich hätte mir jemanden wie Bayern-Präsident Uli Hoeneß gewünscht. Als die Bayern-Fans Manuel Neuer attackiert haben, hat Hoeneß sich vor ihn gestellt und für ihn gekämpft", erinnerte er sich:

"Mir wurde in einer ähnlichen Situation die Vertragsauflösung angeboten. Ich habe das Gefühl, es sollte ein unagenehmes Thema auf einfache Weise beendet werden."

Auch dieser Darstellung widersprach Horstmann energisch. "Wir haben auf der Position nicht nachverpflichtet und haben eine Abfindung gezahlt. Wir haben hier keinerlei Vorteil für den 1. FC Köln erzielen können", sagte er.

Andeutungen von Jakobs

Den Konflikt befeuerte der Verein am Wochenende zudem mit Einzelheiten zum Nasenbeinbruch, den Pezzoni im vergangenen Karneval erlitten hatte.

"Nach dem uns bekannten Status der Ermittlungen ist der Angriff vermutlich auf private Beziehungsumstände zurückzuführen. Für einen Zusammenhang zwischen der Gewalttat und gewalttätigen Fans des 1. FC Köln, wie ursprünglich von Kevin Pezzoni behauptet, gibt es offensichtlich keine Hinweise", erklärte der FC in einer Mitteilung.

Zudem nährte Kölns Kaderplaner Jörg Jakobs durch Andeutungen Spekulationen.

"Die ganze Geschichte hat einen speziellen Verlauf. Ob wir den schildern, wird man sehen. Auch, ob das der ganzen Sache dienlich ist", sagte Jakobs dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Ein Ende der Schlammschlacht ist noch lange nicht in Sicht.

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