Hertha BSC verlor 2011 das letzte Derby gegen Union zu Hause mit 1:2 © getty

Nach dem Sieg über Union blickt die Luhukay-Elf nach oben, Unions Torschütze bekommt wegen der "jubelnden Wessis" Brechreiz.

Von Reinhard Franke und Andreas Ziepa

Berlin/München - Sie hatten sich viel vorgenommen, doch am Ende schlichen die Spieler von Union Berlin wieder mit gesenkten Köpfen vom Platz. 35464 (DIASHOW: Zweitliga-Torschützenkönige)

Auf der Anzeigetafel stand es groß und fett: 1:2 gewann Hertha BSC das Derby bei Union Berlin (Bericht), schraubte sich mit dem ersten Derby-Sieg in einem hart umkämpften Duell auf Platz sechs. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Dabei hatten sich die "Eisernen" so viel vorgenommen und die Vorfreude auf einen Erfolg über den Stadtrivalen war groß.

Schon eine Stunde vor dem Spiel wurde gesungen und vom Union-Anhang gab es eine beeindruckende Choreographie. Die Anzeigetafel vom letzten Sieg über die Hertha wurde auf einem großen Transparent abgebildet.

Diesmal aber jubelten am Ende die Hertha-Fans. "Ich freue mich für unsere Fans, aber vor allem für meine Mannschaft", sagte Herthas Trainer Jos Luhukay bei SPORT1: "Es war heute eine Herzensangelegenheit und für mich war entscheidend, dass wir als Kollektiv bestanden haben."

"Viel Aufwand betrieben"

Sein Kollege Uwe Neuhaus war dementsprechend enttäuscht: "Wir haben so viel Aufwand betrieben und sind dem Rückstand hinterhergelaufen. Schaffen endlich den Ausgleich und machen dann einen Fehler, der so nicht vorkommen darf."

Für die Hertha war es im dritten Zweitliga-Duell mit den "Eisernen" der erste Sieg. Union, für das Christopher Quiring (69.) zwischenzeitlich ausgeglichen hatte, bleibt mit nur einem Zähler auf der Habenseite auf Relegationsplatz 16 weiter in der Krise.

Während die Saison für die Köpenicker, die vor der Runde als Geheimkandidat auf den Aufstieg genannt wurden, mit dem 3:3 beim 1. FC Kaiserslautern ordentlich begann, ist nun Tristesse eingekehrt.

Quiring findet es zum Kotzen

Die Hertha-Spieler jubelten nach dem Schlusspfiff vor ihrer Kurve, was den Union-Spielern endgültig die Laune verhagelte. "Die jubeln in unserem Stadion. Das kotzt mich an. Das muss ich erst mal verdauen", raunzte Quiring.

"Wir machen das 1:1, machen Druck und bekommen wieder so einen dämlichen Konter." Sein erzieltes Tor zum zwischenzeitlichen Ausgleich konnte Quiring wenig trösten.

"Mir ist scheißegal, ob ich das Tor geschossen habe. Wenn wir heute gewonnen hätten, dann hätte jeder das Tor schießen können. Wenn die Wessis in unserem Stadion jubeln, krieg ich das Kotzen."

Ein Giftpfeil, den Trainer Uwe Neuhaus später abzumildern versuchte: "Christopher ist ein Ur-Unioner. Das war doch bestimmt ein Spaß."

Erleichterung bei der "Alten Dame"

Bei Hertha richtet sich nach zuletzt zwei Siegen in Folge richtet sich der Blick wieder mehr in Richtung Spitze. Den Dreier wissen die Spieler von Luhukay aber richtig einzuschätzen.

Maik Franz sagte: "In der zweiten Halbzeit haben wir nicht so gut gespielt. Aber wir haben gut gekämpft und der Sieg ist eine Erleichterung."

Und Herthas Peter Niemeyer ergänzte: "So ein Spiel gewinnt man durch individuelle Klasse" Seine Augen leuchteten, als er vor die Mikros trat: "Genau für solche Spiele wird man Fußballspieler."

Die Hertha wirkte am Montagabend etwas abgeklärter und trat als Mannschaft auf. Für Peer Kluge war es "insgesamt kämpferisch ein Fortschritt, fußballerisch können wir mehr."

Tristesse bei den "Eisernen"

Für Union heißt es nun Wunden lecken.

Die Krise ist da, Abstiegsfrust statt Aufstiegslust. Mattuschka: "Ein Punkt aus vier Spielen ist zu wenig. Ich bin total traurig, dass wir das Derby verloren haben. Wir haben den Rückstand aufgeholt und bekommen dann so einen dämlichen Konter."

Zum sportlichen Elend kam auch noch die schwere Verletzung von Unions Michael Parensen hinzu.

"Es besteht der Verdacht auf einen Schien- und Wadenbeinbruch", so Neuhaus mit versteinerter Miene. Wahrlich ein rabenschwarzer Tag für Union.

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