Am Ende: Kevin Pezzoni absolvierte für den 1. FC Köln 96 Spiele und erzielte drei Tore © getty

Nach dem Drohungen gegen Kölns Profi reagieren die Vereins- und Verbands-Bosse empört. Rauball sorgt sich um die Stehplätze.

Köln/München - Liga-Präsident Reinhard Rauball sieht den deutschen Profi-Fußball nach der Vertragsauflösung des massiv bedrohten Abwehrspielers Kevin Pezzoni beim Zweitligisten 1. FC Köln mit einer "neuen Stufe der Eskalation" konfrontiert.

"Das ist unter keinen Umständen akzeptabel. Jetzt muss endgültig für jedermann klar sein, dass es ab einem bestimmten Punkt keinerlei Toleranz mehr geben kann. Und das ist, sobald Gewalt in welcher Form auch immer im Spiel ist", sagte Rauball der "Welt am Sonntag".

Er sei allerdings sicher, dass die Verantwortlichen der Kölner "alle nötigen Konsequenzen" aus dem Fall ziehen werden.

Rauball sorgt sich um Stehplätze

Gleichzeitig glaubt Rauball, durch den Vorfall auch in Sicherheits-Diskussionen mit den Innenministern - etwa beim umstrittenen Thema der Stehplatzverbote in den Bundesligastadien - in eine ungünstige Position zu geraten.

"Wir, Vereine und Verbände, kämpfen schon an allen Fronten mit diesen Themen. Die Vereine stehen sehr stark unter dem Druck der Innenminister, und ich weiß nicht, wie lange wir dem Druck standhalten können, wenn wir derartige Dinge, die uns dann vorgehalten werden, immer wieder haben", sagte Rauball am Sonntag.

"Das ist verabscheuungswürdig"

DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock verurteilte das Verhalten der Täter ebenfalls scharf . "Das ist verabscheuungswürdig", sagte Sandrock am Rande einer Stadioneröffnung in Rheda-Wiedenbrück:

"Wir können nur an die vernünftigen Fans appellieren, sich von Störern und Chaoten zu distanzieren. Gegebenenfalls müssen auch Strafermittlungsverfahren eingeleitet werden."

Er sei sich sicher, dass der Verein die richtigen Schritte einleiten werde.

Spinner kündigt harte Sanktionen an

Der Präsident der Kölner, Werner Spinner, hat eine harte Gangart gegen die Täter angekündigt.

"Sie erhalten Stadionverbote, werden aus dem Verein ausgeschlossen - sofern sie Mitglieder sind -, und der FC wird eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, um auch strafrechtlich gegen sie vorzugehen", sagte Spinner, der sich auch um das Ansehen seines Klubs sorgte.

"Vorfälle, wie wir sie jetzt leider im Umfeld des Fußballs diskutieren, sind das Werk einiger weniger Störer und Chaoten, die mit ihrem Verhalten den gesamten Verein und seine Fans in Verruf bringen", so Spinner.

Dies werde man nicht dulden: "Für uns ist es ein ehernes Gesetz, dass der FC sich mit allen Möglichkeiten und Mitteln für seine Spieler und für seine weiteren Mitarbeiter einsetzt. Das sollte niemand infrage stellen."

Drohungen gegen Pezzoni

FC-Trainer Holger Stanislawski hatte nach der 0:1-Niederlage im Freitagsspiel gegen Energie Cottbus (Bericht) die Vertragsauflösung Pezzonis bestätigt.

Eine Gruppe vermeintlicher Anhänger hätte dem 23-Jährigen in dieser Woche vor dessen Privatwohnung aufgelauert, ihn angepöbelt und bedroht. Daraufhin habe Pezzoni erklärt, nicht mehr für den FC spielen zu wollen.

Pezzoni war bereits Anfang des Jahres in einen Zwischenfall verwickelt gewesen, als ihm ein Angreifer während der Karnevalstage die Nase brach.

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