Franz Gerber ist seit dem 27. Februar 2010 Manager von Jahn Regensburg © getty

Jahn-Manager Gerber spricht im SPORT1-Interview über die anstrengende Trainersuche und dementiert ein Interesse von Matthäus.

Von Reinhard Franke

München - Er kann sich über Arbeit nicht beschweren. Franz Gerber, Manager von Jahn Regensburg, hatte nach dem Zweitliga-Aufstieg kaum Zeit zum Feiern.

Kein Wunder, denn der 58-Jährige, der schon bei Hannover 96 und beim FC St. Pauli auf dem Manager-Stuhl saß, muss für den Jahn nach dem Abgang von Aufstiegs-Coach Markus Weinzierl zum FC Augsburg einen neuen Trainer finden.

Unter den rund 100 Bewerbungen auf den Posten soll laut "Mittelbayerische Zeitung" sogar eine von Lothar Matthäus sein.

Aber nicht nur die Trainersuche bereitet Gerber Kopfzerbrechen. Er muss zudem einen fast komplett neuen Kader auf die Beine stellen.

Im SPORT1-Interview spricht Gerber über die Riesen-Herausforderung Zweite Liga, einen 16-Stunden-Tag, die anstrengende Trainersuche - und dementiert ein Interesse von Lothar Matthäus am Trainer-Posten.

SPORT1: Herr Gerber, Glückwunsch nochmal zum Aufstieg in die Zweite Liga. Ist das für den Verein wie ein kleines Märchen?

Franz Gerber: Man kann da wirklich von einem kleinen Märchen sprechen. Zuerst habe ich das gar nicht richtig realisieren können, aber nach zwei, drei Tagen hat man gemerkt, was da für eine enorme Arbeit auf einen wartet. Wir sind plötzlich in einer ganz anderen Dimension, in der Zweiten Liga. Unglaublich.

SPORT1: Ist der Jahn überhaupt schon reif für diese Liga?

Gerber: Nein, da muss man ehrlich sein. Wir haben eine kleine Geschäftsstelle und die Infrastruktur ist auch nicht vorhanden für die Zweite Liga. Es ist eine Riesen-Herausforderung, alleine vom Umfeld her das alles zu bewältigen. Vom Sportlichen ganz zu schweigen.

SPORT1: Klingt alles andere als optimistisch.

Gerber: Du steigst sehr spät mit einem geringen Etat auf, verlierst die Mannschaft, den Trainer und hast gar nicht die finanziellen Möglichkeiten wie die anderen Mannschaften. Eins ist klar: wir werden mit 3,6 Millionen Euro den geringsten Etat in der Zweiten Liga haben. Da kommen enorme Aufgaben auf uns zu.

SPORT1: Ist es richtig, dass diese ganzen Aufgaben an Ihnen hängen bleiben?

Gerber: Das stimmt. Im sportlichen Bereich bleibt alles an mir hängen. Ich habe derzeit gar keine Mitstreiter, die mir helfen können. Normalerweise hätte man das Trainerteam, mit dem man sich Aufgaben teilt oder ein Scouting-System, das ist ja bei uns alles nicht vorhanden. Hinzu kommt der enorme Zeitdruck.

SPORT1: Herr Gerber, das klingt wirklich so, dass die Zweite Liga für Sie zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt kommt.

Gerber: Nein, es ist mir so lieber, als wenn wir noch in der Dritten Liga spielen müssten. Es ist ja toll, dass wir das erreicht haben.

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SPORT1: Der Baumeister des Erfolgs, Markus Weinzierl, ist zum FC Augsburg gewechselt. Wie groß ist die Lücke, die er hinterlässt?

Gerber: Die ist schon sehr groß, vor allem jetzt in der schweren Phase nach dem Aufstieg. Aber die Bundesliga ist für den Markus eine große Chance. Das ist außerhalb unserer Reichweite. Ich gönne ihm das. So eine Möglichkeit musste er wahrnehmen.

SPORT1: Auch der Abgang von Tobias Schweinsteiger trifft den Verein hart, oder?

Gerber: Nicht nur der Tobi. Es verlassen uns mindestens vier weitere wichtige Spieler (Ronny Philp, Tobias Schlauderer, Stefan Binder und Michael Klauß, Anm. d. Red.). Man kann schon sagen, dass diese gute Mannschaft, die man nicht nur auf ihren Zusammenhalt und die gute Kameradschaft reduzieren darf, leider zerfällt. Diese Truppe hatte Qualität.

SPORT1: Torwart Michael Hofmann wird dagegen bleiben. Für ihn geht ein Traum in Erfüllung in der Zweiten Liga nochmal gegen seine "Löwen" zu spielen.

Gerber: Für den Michi, der viel für den Aufstieg beigetragen hat, ist ein absoluter Traum in Erfüllung gegangen. Er wurde vor zwei Jahren bei 1860 aussortiert und schreibt dann mit uns so eine Erfolgsgeschichte. Er wollte unbedingt gegen seine "Löwen" spielen und das kann er jetzt.

SPORT1: Haben Sie bei dem großen Umbruch Angst, dass die jetzt entstehenden Probleme Sie überrollen, weil man auf die Zweite Liga nicht vorbereitet war?

Gerber: Nein. Wir stehen vor großen Herausforderungen, aber als ich vor drei Jahren beim Jahn angefangen habe, war der Klub völlig am Ende. Die Mannschaft war überaltert und nicht drittligatauglich. Wir werden diese Probleme schon meistern. Die Euphorie in der Stadt und im ganzen Umfeld wird nicht verlorengehen. Ich habe das letztes Jahr hingekriegt, vor zwei Jahren auch, das ist mir in Hannover gelungen und bei St. Pauli, das werde ich auch beim Jahn schaffen.

SPORT1: Hinter dem Verein liegen schwere Zeiten.

Gerber: In der Tat. Wir hatten eine Insolvenz und einige Abstiege hinter uns. Als ich vor drei Jahren anfing, konnten wir den Verein nur retten, indem wir eine Kapitalgesellschaft gegründet haben, weil sonst niemand mehr einen Euro in den Verein gesteckt hätte. Seitdem ist es uns gelungen, Vertrauen bei der Bevölkerung und in der Wirtschaft für diesen Klub herzustellen, das Image wieder zu verbessern und den Klub schuldenfrei zu machen. Der Aufstieg ist jetzt die Krönung.

SPORT1: Viele Namen werden als neuer Trainer gehandelt. Sogar Lothar Matthäus soll sich beworben haben.

Gerber: Das mit Matthäus habe ich auch gelesen, vom Lothar gibt es aber keine Bewerbung. Wir waren bis jetzt erst dabei das Ganze zu sondieren, dann kam die Aufstiegs-Euphorie und seit ein paar Tagen widmen wir uns konkret der Trainerfrage. Jetzt werden die Gespräche aufgenommen mit einem Kreis, wo wir sagen, dieser kommt für den Trainerposten in Frage.

SPORT1: Gehört auch Jahns Ex-Trainer Günter Güttler zu diesem Kreis? Er hätte Lust auf den Job.

Gerber: Er ist ein guter Trainer und auch eine Option. Er war schon mal bei uns, bevor Markus Weinzierl kam. Aber diese Option wird erst mal bei uns intern diskutiert.

SPORT1: Wie viele Bewerbungen liegen auf Ihrem Schreibtisch?

Gerber: Weit über 100.

SPORT1: Es wartet also viel Arbeit auf Sie.

Gerber: Ja. Urlaub ist leider nicht möglich, weil ich momentan einen 16-Stunden-Tag habe. Aber für das Abenteuer Zweite Liga stelle ich alles hinten an. Ich bin guter Dinge, dass wir alles hinbekommen.

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