Sascha Rösler (r.) bestritt in seiner Karriere in der 1. und 2. Liga 430 Spiele © getty

Düsseldorfs Sascha Rösler wird seine Karriere beenden. Bei SPORT1 zieht er Bilanz und äußert sich zum Skandalspiel.

Von Thorsten Langenbahn

Düsseldorf - "Der Aufstieg mit der Fortuna ist wohl der besonderste: Als ich vorletztes Jahr hierher kam, hat die Mannschaft um die Existenz gekämpft. Dass wir jetzt aufsteigen, ist für mich zum Abschluss einfach sensationell", sagt Sascha Rösler.

Wenn er sich da mal nicht zu früh freut.

Beim Relegations-Rückspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC (Bericht) stürmten kurz vor dem Abpfiff die Fortuna-Fans den Rasen und sorgten für eine 20-minütige Spielunterbrechung und beinahe für einen Abbruch.

Die Berliner legten am Mittwoch offiziell Protest gegen die Spielwertung ein und hoffen auf eine Spielwiederholung. Bereits am Freitag wird vor dem Sportgericht des DFB verhandelt.

Karriereende nach 14 Jahren

Unaghängig vom Urteil hat Rösler nach 14 Jahren seine Karriere als Fußballprofi beendet.

Vor dem vorläufigen Aufstieg mit der Fortuna war der 34-Jährige schon mit dem SSV Ulm (1999), Alemannia Aachen (2006) und Borussia Mönchengladbach (2008) aufgestiegen.

Außerdem war er für den TSV 1860 München, Rot-Weiß Oberhausen und die SpVgg Greuther Fürth am Ball, brachte es insgesamt auf 60 Erstligaspiele (5 Tore) und 308 Zweitligaeinsätze (86 Treffer).

Im SPORT1-Interview blickt Rösler auf die turbulente Relegation 559883 (DIASHOW: Die Bilder des Spiels) sowie seine bewegte Karriere zurück, fordert für die Fortuna Verstärkungen mit Erstliga-Erfahrung und spricht über seine Zukunftspläne.

SPORT1: Herr Rösler, wie haben Sie das Chaos der letzten Minuten beim 2:2 gegen Hertha BSC erlebt? Sie waren die ganze Zeit über auf dem Spielfeld, oder?

Sascha Rösler: Ja, ich habe die Fans alle beschimpft, dass sie vom Platz runtergehen, weil es mich so genervt hat. Ich war selber so aufgeregt und wollte, dass es endlich vorbei ist, weil ich Angst hatte, dass mit dem Aufstieg noch was dazwischen kommen könnte. Nach dem 2:2 war es nochmal ein richtig enges Spiel. Da hat man ja richtig Bauchschmerzen und fiebert mit. Das ist von draußen noch viel schlimmer, als wenn man selber spielt. Die armen Fans tun mir auch leid. Die haben mich jetzt auch mal richtig kennen gelernt, da muss ich mich wahrscheinlich noch bei 1000 Leuten entschuldigen. Wahrscheinlich kriege ich noch ein paar Beschwerdebriefe. Ich hoffe, die nehmen mir das alle nicht so krumm.

SPORT1: Was sagen Sie aber nun zum Protest der Hertha?

Rösler: Weil ihre Fans die ganze Zeit die Raketen auf den Platz geschossen haben? Das ist lächerlich. Die haben ja überlegt, gar nicht mehr rauszukommen und Protest einzulegen. Wenn sie gar nicht mehr rausgekommen wären, dann hätten sie sich komplett lächerlich gemacht.

SPORT1: Wie bewerten Sie das 2:2 vom Spielverlauf?

Rösler: Im Endeffekt hat das Spiel zu uns gepasst. Wir mussten es noch mal richtig spannend machen. Zum Schluss waren wir einfach überglücklich. Wir haben dieses Jahr viel durchgemacht. Es war sehr, sehr hart für uns. Das wir es jetzt gepackt haben, ist sensationell.

SPORT1: Wie schwierig war es aber für Sie, in der Relegation nicht in der Startelf zu stehen?

Rösler: Erstmal muss ich sagen, die Jungs haben es super gemacht. Ich bin mein ganzes Leben Vollblut-Fußballer. Klar ist es mir da nicht leicht gefallen, auf der Bank zu sitzen. Das weiß der Trainer auch. Andersherum ist das jetzt eine Phase gewesen, da muss man sich auch mal in den Dienst der Mannschaft stellen und von außen mithelfen. Letztlich war es einfach nur wichtig, dass wir es schaffen.

SPORT1: Sie haben das Ende Ihrer aktiven Karriere angekündigt. Ist für Sie auch ein weinendes Auge dabei?

Rösler: So richtig greifen kann ich das noch gar nicht, dass es jetzt vorbei ist. Ich habe mein ganzes Leben nichts anderes gemacht. Ich bin selber mal gespannt auf die Zukunft. Momentan ist das alles noch so weit weg. Ich glaube, ich begreif das noch gar nicht richtig. Deswegen lasse ich es mal auf mich zukommen.

[kaltura id="0_88izglc0" class="full_size" title="Hertha Die Spieler hatten Angst "]

SPORT1: Was passiert mit Ihrem letzten Trikot?

Rösler: Meine Mama hat mich meine ganze Karriere über begleitet, hat mich überall hingefahren in jungen Jahren, die hat alles für mich gemacht und war immer an meiner Seite. Die ist im Endeffekt schon immer die wichtigste Person in meinem Leben gewesen und das wird sie auch immer bleiben. Der werde ich das Trikot nachträglich zum Muttertag schenken.

SPORT1: Welcher Ihrer vier Erstliga-Aufstiege war für Sie der schönste, überraschendste oder ein ganz besonderer?

Rösler: Besonders waren sie alle. Der mit Ulm war sicherlich der überraschendste, weil wir damals eine No-name-Truppe waren und ich noch richtig jung. Das habe ich damals alles noch gar nicht richtig wahrgenommen. Mit Gladbach und Aachen war es schon ein Stück weit geplant, da ist man mit diesem Ziel in die Saison gegangen. Der Aufstieg mit der Fortuna ist wohl der besonderste: Als ich vorletztes Jahr hierher kam, hat die Mannschaft um die Existenz gekämpft, sich super rausgekämpft und noch sensationell den siebten Platz gemacht hat. Dass wir jetzt dieses Jahr aufsteigen, ist für mich zum Abschluss einfach sensationell.

SPORT1: Mit 13 Toren aus 31 Spielen sind Sie der beste Fortuna-Schütze dieser Saison. Warum hören Sie überhaupt auf?

Rösler: Erstens ist es schon so, dass ich meinen Körper sehr, sehr gut kenne. Ich habe auch lange mit dem Manager darüber gesprochen, der sicherlich ein Faktor war. Da ist es vielleicht besser, wenn man in so einer schönen Phase die Schuhe an den Nagel hängt, als wenn man sich nächstes Jahr quält und dann im Januar merkt: Okay, es funktioniert nicht mehr, ich lauf nur noch hinterher. Für die Bundesliga, da muss man auch ehrlich zu sich selbst sein, reicht es einfach nicht mehr vom Tempo. Deswegen ist es für mich ein überragender Abschluss und ich hoffe, ich kann demnächst in anderer Funktion helfen.

SPORT1: Der Trainer hat Sie mal als "positiver Drecksack" bezeichnet. Wie wollen Sie den Kollegen und Fans in Erinnerung bleiben?

Rösler: Die Kollegen, mit denen ich zusammen gespielt habe, die kennen mich ganz gut und wissen genau, dass ich privat eigentlich ganz anders bin. Ich weiß, dass ich polarisiere und viele Leute das auch negativ sehen. Aber das ist einfach meine Spielart gewesen. Ich habe immer alles versucht, war emotional, wollte unbedingt gewinnen. Ich habe irgendwas in mir, ich weiß auch nicht warum, es ist oft auch nicht so positiv, aber ich kann auf den Tod nicht verlieren. Deswegen kommen dann manchmal so Aktionen raus, wie jetzt gegen Frankfurt oder wenn man mal mit einem Gegenspieler oder dem Schiedsrichter zusammenknallt. Aber ich wollte auch nie aalglatt sein. Ich habe gerne Ecken und Kanten. Von daher macht mir das auch nichts aus.

SPORT1: In welcher Funktion werden Sie der Fortuna erhalten bleiben und versuchen, Ihre Emotionen im Griff zu haben?

Rösler: Ich denke, nächstes Jahr, das wird dann schon ruhiger. Es ist vertraglich noch nicht alles unter Dach und Fach, aber wir hatten ein gutes Gespräch. Es wird etwas mit jungen Spielern und mit Talenten sein, um diese an den Profibereich heranzuführen. Das ist erstmal eine gute Sache für den Übergang. Später würde ich auch gerne mal als Trainer arbeiten.

SPORT1: Kann die Fortuna-Mannschaft in Ihrer jetzigen Form in der Bundesliga bestehen oder braucht sie noch Verstärkungen?

Rösler: Zwangsläufig muss sie verstärkt werden, weil wir Spieler verlieren. Assani Lukimya, der für uns in der Abwehr ein überragender Faktor war, wird den Verein wohl verlassen. Maxi Beister, der auch wichtig war, geht nach Hamburg. Ich habe auch viele Tore geschossen. Deswegen brauchen wir jetzt Spieler, die es in der Bundesliga nachgewiesen haben, dort bestehen zu können. Da wird der Verein mit Wolf Werner und Norbert Meier schon die richtigen Leute holen. Wichtig wird im nächsten Jahr sein, eine Mannschaft zu haben, die über den Teamgeist kommt. Das haben uns Freiburg und Augsburg dieses Jahr vorgemacht. Das sind gute Vorbilder. Nur so können wir im nächsten Jahr bestehen.

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