Oliver Kreuzer (l.) spielte 352 mal für den KSC und Bayern München in der Bundesliga © getty

Vor dem Relegations-Rückspiel gegen Regensburg spricht Oliver Kreuzer über das große Ziel Klassenerhalt und die eigene Zukunft.

Von Reinhard Franke

München - Sein Puls ging bis zum Anschlag. Oliver Kreuzer konnte sich gar nicht mehr beruhigen.

Wie ein Duracell-Männchen hüpfte er wütend vor und neben dem Schiedsrichter auf und ab.

Der Sportdirektor des Karlsruher SC war ganz und gar nicht zufrieden mit einer Entscheidung des Unparteiischen gegen die Badener, die zum 0:1 im Relegations-Hinspiel in Regensburg führte.

Hinterher attackierte er gar den DFB wegen der Ansetzung. (DATENCENTER: Die Relegation)

Kreuzer konnte sich zumindest über ein glückliches Remis (Bericht) freuen, das seiner Mannschaft eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel am Abend im Wildparkstadion (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER, Zusammenfassung, Mo., ab 22.30 Uhr im TV auf SPORT1) verschafft.

Im SPORT1-Interview hat sich der 46-Jährige auch schon wieder beruhigt und spricht über das große Ziel Klassenerhalt, die eigene Zukunft bei seinem "Herzverein" und verrät, dass Markus Kauczinski KSC-Trainer bleiben wird - egal in welcher Liga.

SPORT1: Herr Kreuzer, hat sich Ihr Ärger über den Schiedsrichter aus dem Hinspiel etwas gelegt?

Oliver Kreuzer: Schon, aber jeder hat gesehen, dass es kein Elfmeter war. Der Spieler (Regensburgs Verteidiger Stefan Binder, Anm. d. Red.) ging ohne Körperkontakt zu Boden und es wird Elfmeter gepfiffen. Das geht einfach nicht. Das ist der Wahnsinn, wenn ein Spiel, wo es um Auf- oder Abstieg geht, durch so eine Fehlentscheidung entschieden wird. Da erwarte ich einfach mehr Qualität.

SPORT1: Die Qualität des KSC war auch nicht wirklich überzeugend, oder?

Kreuzer: Das stimmt. Wir haben eine Stunde schlechten Fußball gespielt. Die erste Viertelstunde und am Ende war es in Ordnung. Dazwischen war viel Leerlauf. Die Offensive fand gar nicht statt. Da kann der Schiedsrichter natürlich nichts dazu. Zum Schluss war ich erleichtert, dass wir das 1:1 gemacht und uns eine gute Ausgangsposition geschaffen haben für Montagabend. Wir packen das.

SPORT1: Man hat den Eindruck, dass Sie keinen Gedanken an den Abstieg verschwenden?

Kreuzer: Für mich gibt es gar keine Diskussion. Wir gewinnen das Ding und bleiben in der Liga. Ich möchte mich gar nicht mit etwas anderem beschäftigen. Wir schaffen diesen Klassenerhalt. Wir haben am Montag eine volle Hütte, spielen vor 30.000 Zuschauern und die Resultate der letzten Heimspiele haben gezeigt, dass die Truppe daheim extrem stark ist. Sie konnte sogar Bundesliga-Aufsteiger bezwingen und von daher bin ich sehr zuversichtlich, dass uns am Montag dieser Sieg gelingt.

SPORT1: Ihr Trainer Markus Kauczinski sagt, dass es bis zum Schluss ein Kampf bleibt. Sie klingen da euphorischer.

Kreuzer: Das hat nichts mit Euphorie zu tun. Wir wissen, dass es kein Selbstläufer wird und wir sind auch nicht überheblich oder arrogant, aber ein bisschen Selbstbewusstsein sollten wir schon an den Tag legen. Wir sind der Zweitligist, haben in Regensburg ein gutes Resultat erzielt und haben zudem in den letzten Heimspielen kein Gegentor mehr bekommen.

SPORT1: Die Entscheidung, Jörn Andersen durch Kauczinski zu ersetzen, war also genau richtig?

Kreuzer: Ich würde Jörn Andersen immer wieder holen, aber du brauchst als Trainer einfach Resultate. Der Jörn ist nach wie vor ein toller Trainer, aber ihm haben die Ergebnisse gefehlt. Unter ihm ging das brutal schlecht los mit fünf Niederlagen am Stück, dann gab es einen erfolgreichen Start 2012 und dann gab es wieder eine Niederlagen-Serie. Wir mussten reagieren. Ich habe gewusst, dass Markus Kauczinski Qualität hat. Er ist momentan genau der richtige Mann für den KSC mit der richtigen Mischung aus Lockerheit und Autorität.

SPORT1: Egal wie es am Montag ausgeht: Bleibt Kauczinski KSC-Trainer?

Kreuzer: Ja, Markus wird unser Trainer bleiben. Wir wollen auf dieser Position mehr Kontinuität haben.

SPORT1: Wie schaut es mit Ihnen aus?

Kreuzer: Nachdem ich im letzten Jahr zu meinem Verein zurückgekommen bin, habe ich von einer Herzensangelegenheit gesprochen. Sollten wir mit dem Verein absteigen, dann wäre es nicht fair, wenn ich wieder das Weite suchen würde. Ich werde auch helfen, den Betriebsunfall zu korrigieren. Aber daran denke ich nicht.

SPORT1: Wie sehr haben Sie unter den letzten Monaten gelitten? Sie haben in Ihrer Karriere das letzte Mal als Spieler in der Saison 1987/1988 im Abstiegskampf gestanden.

Kreuzer: Das stimmt. Es ist auch für mich eine neue Erfahrung. Wir haben uns damals am letzten Spieltag mit einem 1:1 gegen Eintracht Frankfurt gerettet und die letzten 25 Jahre gab es bei mir nur diese Spannung, wenn es um Titel ging. Egal, ob mit dem FC Bayern, dem FC Basel oder Sturm Graz. Diese Saison hat Nerven gekostet, aber wenn es positiv ausgeht, dann ist es die Sache wert. Wir wären so froh, wenn es so kommen sollte.

SPORT1: Wie geht es aus am Montag?

Kreuzer: Es wird eine spannende Sache und wir werden gegen 23 Uhr weiter Zweitligist sein.

SPORT1: Der Regensburger Trainer Markus Weinzierl wird nach dem Spiel seinen Wechsel zum FC Augsburg bekannt geben. Glauben Sie, dass er den Sprung von der 3. in die 1. Liga schaffen wird?

Kreuzer: Ja klar. Der Markus ist ein guter Junge. Ich kenne ihn noch von früher als Spieler. Er hatte da schon seine Qualitäten und hat das auch als Trainer bewiesen. Das Erbe von Jos Luhukay ist nicht einfach, aber Markus wird auch beim FCA gute Arbeit abliefern. Ich wünsche ihm für die neue Aufgabe alles Gute.

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