Hertha-Trainer Otto Rehhagel wurde 2004 Europameister mit Griechenland © getty

Als Favorit geht die Hertha in die Relegation gegen Düsseldorf. Coach Rehhagel soll nicht weniger als die Hauptstadt retten.

Aus Berlin berichtet Matthias Becker

Berlin - Es ist eine Situation, wie gemalt für Otto Rehhagel.

Zum Abschluss seiner beeindruckenden Bundesliga-Karriere legt die (Fußball-)Hauptstadt Berlin ihr Schicksal ein letztes Mal ganz in die Hände des gelernten Anstreichers.

"Heute muss Hertha Berlins Ehre retten", titelt die lokale "Bild"-Ausgabe - garniert mit einem riesigen Foto des faustschwingenden Rehhagel.

Gebeutelt durch die Blamage des nicht rechtzeitig fertig werdenden Groß-Flughafens in Schönefeld, soll "König Otto" das Seelenheil der Berliner in den Relegationsspielen gegen Fortuna Düsseldorf (Hinspiel ab 20 Uhr im LIVE-TICKER, Zusammenfassung, Do., ab 23.30 Uhr im TV auf SPORT1) mit dem Klassenerhalt wiederherstellen.

Leichtigkeit wiedergefunden

Rehhagel hat gegen solche Überhöhungen nichts einzuwenden. Er genießt sie sogar, wie beim Kampf "klein gegen groß" einst mit Bremen gegen den FC Bayern oder mit Überraschungs-Europameister Griechenland.

Sein 833. Bundesligaspiel als Trainer wird aller Voraussicht nach sein vorletztes sein - und natürlich möchte der Veteran seine Karriere nicht als Absteiger beenden. (DATENCENTER: Die Relegation)

Nach dem Last-Minute-Sprung auf den Relegationsplatz am vergangenen Samstag hat Rehhagel seine Leichtigkeit wiedergefunden. Ein geglückter Abschluss seiner Rettungsmission scheint trotz mageren drei Siegen aus zwölf Bundesligaspielen greifbar nah.

Olympiastadion wohl ausverkauft

Die Laune in Berlin ist jedenfalls binnen einer Woche schon wieder von Untergangs- in Richtung Hochstimmung gekippt.

Die "Bild" zählt 50 Gründe auf, warum Berlin besser als Düsseldorf ist, Hauptsponsor Deutsche Bahn bekannte sich unabhängig vom Ausgang der Relegation zu seinem Engagement und im Gegensatz zum letzten Heimspiel gegen Hoffenheim wird das Olympiastadion am Dienstagabend mit gut 75.000 Zuschauern wahrscheinlich ausverkauft sein.

SPORT1 hat die Fakten zum Relegations-Hinspiel zusammengefasst:

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Ausgangslage:

Trotz lediglich elf Punkten in der Rückrunde geht Bundesligist Hertha BSC favorisiert in das Duell mit dem Zweitliga-Dritten aus Düsseldorf. Auch die Fortuna erlebte nicht gerade eine Traum-Halbserie, verspielte den direkten Aufstieg nach der Herbstmeisterschaft mit 41 Punkten durch nur 21 Zähler in der Rückrunde.

Allerdings hat die Fortuna den Vorteil, dass Rückspiel am kommenden Dienstag vor eigenem Publikum austragen zu dürfen. Für die Hertha gilt es also vor allem, kein Gegentor zu kassieren.

"Kontrollierte Offensive", fordert Rehhagel getreu seines jahrzehntelangen Credos deshalb auch: "Wir müssen mit Verstand nach vorne spielen."

Der Hertha fehlt Stürmer Pierre-Michel Lasogga wegen seines Kreuzbandrisses aus dem Hoffenheim-Spiel, die angeschlagenen Christian Lell und Andreas Ottl stehen auch nicht im Kader. Die Fortuna muss auf den gelbgesperrten Sascha Dum und Torhüter Robert Almer (Oberschenkelverletzung) verzichten.

[kaltura id="0_ozls72r1" class="full_size" title="Fu ballweisheiten am Abgrund"]

Bilanz:

Die Historie spricht klar für die Hertha: Neun Mal setzte sich seit Einführung der Relegationen der Bundesligist durch, nur vier Mal der Zweitligist. Seit Wiedereinführung der Relegation 2009 schaffte es in zwei von drei Fällen der Bundesligist.

Weder die Hertha noch Düsseldorf nahmen bisher an einer Relegation teil. In der vergangenen Saison maß man sich allerdings zwei Mal in der Zweiten Liga - beide Male siegten die Berliner (2:1 und 4:2).

Die Gesamtbilanz beider Vereine gegeneinander ist ausgeglichen: In 36 Spielen gewannen sowohl Hertha als auch Fortuna zehn Mal, 16-mal hieß es Unentschieden.

Spieler im Fokus:

Adrian Ramos (Hertha BSC): Nach Lasoggas Verletzung liegt die Offensivlast bei den Berliner vor allem auf den Schultern des Kolumbianers, der steckte zuletzt aber in der Krise.

"Die Hoffnungen liegen auf Adrian Ramos, er soll am besten so spielen, wie gegen Mainz", sagte Rehhagel - in Mainz erzielte Ramos seine einzigen beiden Rückrundentor.

Die Kollegen nehmen Ramos ebenfalls in die Pflicht. "Jetzt kommen die Spiele, in denen Helden geboren werden", stachelte ihn Peter Niemeyer im "kicker" an.

Sascha Rösler (Fortuna Düsseldorf): Für den "Aggressive Leader" der Fortuna stehen die letzten zwei Spiele seiner Spielerkarriere auf dem Programm. Nach den früheren Aufstiegen mit dem SSV Ulm, Alemannia Aachen und Borussia Mönchengladbach möchte er sich mit dem vierten Aufstieg verabschieden.

"Mache ich jetzt Schluss, dann behalten mich die Fans in guter Erinnerung, Aufstieg oder nicht", erklärte er seinen Rücktritt im "kicker".

Sein provokantes Auftreten wird dem 34-Jährigen häufig vorgeworfen, soll der Fortuna gegen Hertha aber den gewissen Kick geben.

Das sagen die Trainer:

Otto Rehhagel (Hertha BSC): "Wir sind Favorit. Viele Spieler sind zurück. Wir können aus dem Vollen schöpfen. Ich bin mir sicher, die Jungs machen ein großes Spiel."

Norbert Meier (Fortuna Düsseldorf): "Die Berliner haben am letzten Spieltag noch die Kurve bekommen und dadurch neues Selbstvertrauen schöpfen können. Personell ist die Hertha sicherlich sehr gut besetzt, aber wir werden unsere Möglichkeiten bekommen."

Voraussichtliche Aufstellungen:

Hertha BSC: Kraft - Janker, Hubnik, Niemeyer, Holland - Perdedaj - Kobiaschwili - Ebert, Ben-Hatira - Raffael ? Ramos

Fortuna Düsseldorf: Ratajczak - Levels, Lukimya-Mulongoti, Juanan, Van den Bergh - Bodzek - Bröker, Oliver Fink, Lambertz - Beister (Ilsö), Rösler

Schiedsrichter: Marco Fritz (Korb)

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