Rostock-Fans bejubeln die Entscheidung pro Hansa am Neuen Platz © imago

Die Zahlungsunfähigkeit ist abgewendet, aber Rostock hat nur acht Spieler. Der erhoffte Wiederaufstieg wird zur Mammutaufgabe

Rostock - Hansa Rostock ist dem Untergang noch einmal entgangen, doch die Kogge segelt weiter in unruhigen Gewässern.

Zwar beschloss am Mittwoch die Bürgerschaft der Stadt Rostock ein millionenschweres Maßnahmenpaket (Bericht) und rettete den Zweitliga-Absteiger damit vor der Zahlungsunfähigkeit, der erhoffte sofortige Wiederaufstieg wird allerdings zur Mammutaufgabe.

"Es war entscheidend, dass ich jetzt anfangen kann, die Mannschaft zusammenzustellen. Der größte Feind neben den Finanzen ist die Zeit", sagte Manager Stefan Beinlich nach dem erlösenden "Ja" der Politik zum Rettungsschirm. Die Uhr tickt (DATENCENTER: Ergebnisse Tabelle).

Nur acht Spieler unter Vertrag

Bereits in zweieinhalb Monaten startet die 3. Liga, am 10. Juni beginnt in Rostock die Vorbereitung.

Nach dem Abstieg hat aber lediglich "ein Grundgerüst" von acht Spielern einen gültigen Vertrag, Neuverpflichtungen gibt es noch nicht.

Am Donnerstag verabschiedete Hansa offiziell zwölf Akteure, darunter auch die drei besten Torschützen Marek Mintal, Freddy Borg und Tobias Jänicke.

Wolf will "Spieler überzeugen"

Schon jetzt hat die Hängepartie dem Verein wichtige Zeit gekostet, potenzielle Verstärkungen hielten sich wegen Hansas ungewisser Zukunft zurück.

Am Mittwoch konnte Wolf allerdings acht Probespieler zu einem ersten Casting begrüßen.

"Jetzt geht es darum, Spieler zu überzeugen, dass wir hier wieder was aufbauen wollen", sagte Trainer Wolfgang Wolf der "Ostsee-Zeitung" und lobte vor allem die Infrastruktur und das Umfeld: "Damit kann man schon den einen oder anderen Euro wettmachen, den der Verein weniger zahlen kann als andere Klubs."

Und der Pfälzer ging mit gutem Beispiel voran. Der Vorstandsvorsitzende Bernd Hofmann und Manager Beinlich überzeugten ihn von einem Bleiben an der Ostsee, Wolf verlängerte unlängst seinen Vertrag.

Hofmanns schwierigste Situation

Für die Fans dürften die Planungen im Hintergrund nach dem drohenden Horrorszenario Insolvenz allerdings erst einmal von untergeordneter Bedeutung sein.

Mit 31 Ja- bei zwölf Nein-Stimmen und einer Enthaltung hatte die Rostocker Bürgerschaft am Mittwochnachmittag den Weg für die Hansa-Zukunft im Profifußball frei gemacht.

"Das war die schwierigste Situation meiner Amtszeit", sagte Hansa-Boss Hofmann nach der deutlichen Entscheidung für das Rettungspaket.

Finanzspritze von 750.000 Euro

Der Maßnahmenkatalog sieht vor, dem Verein einen Teilerlass der 4,5 Millionen Euro Steuerschulden in Höhe von rund 680.000 Euro zu gewähren.

Zudem soll es eine direkte Finanzspritze von 750.000 Euro geben.

Außerdem soll die Stadt das Trainingszentrum des Vereins zurückkaufen.

Land verzichtet auf 38 Prozent

Damit ist die Zahlungsunfähigkeit de facto abgewendet. Denn nach der Entscheidung teilte Mecklenburg-Vorpommerns Innen- und Sportminister Lorenz Caffier mit, dass das Land bereit sei, auf 38 Prozent seiner Steuerforderungen zu verzichten, sollten auch alle weiteren Gläubiger mitziehen.

Da jedoch die beiden Gläubigerbanken selbst am Sanierungskonzept mitgearbeitet haben, gilt dies als sicher.

Zudem will Mecklenburg-Vorpommern der Stadt Rostock Finanzmittel für Investitionen zur Verfügung stellen.

"Damit hat sie Freiräume für freiwillige Leistungen, und es dürfte ihr somit leichter fallen, Hansa Rostock zu unterstützen", hieß es in einer Pressemitteilung. Insgesamt will das Land für drei Bauprojekte voraussichtlich 2,2 Millionen Euro Fördermittel genehmigen.

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