Oliver Reck ist seit dem 8. November 2011 Cheftrainer beim MSV Duisburg © getty

Vor dem Finale in der 2. Liga spricht Duisburgs Coach Oliver Reck bei SPORT1 über ddas Derby gegen Düsseldorf und Otto Rehhagel.

Von Reinhard Franke

München - Es war eine enttäuschende Saison für den MSV Duisburg, aber am Ende überwiegt die Erleichterung.

Denn nach langem Zittern hat der Aufstiegskandidat des Vorjahres am vorletzten Spieltag den tiegen Fall in die Dritte Liga verhindert.

Auch ein Verdienst von Trainer Oliver Reck, der nach der Talfahrt zu Beginn der Rückrunde mehrfach vor dem Rauswurf stand. (DATENCENTER: Zweite Liga)

Doch das Vertrauen in den Nachfolger von Milan Sasic zahlte sich aus, der MSV bekam die Kurve.

Nun kann das Team am letzten Spieltag (So., ab 13 Uhr im LIVE-TICKER) Nachbar Fortuna Düsseldorf den Aufstieg verderben. (SERVICE: Tabellenrechner Zweite Liga)

Im Interview mit SPORT1 spricht der frühere Nationaltorwart über das Derby gegen die Mannschaft seinen einstigen Teamkollegen Norbert Meier und die Arbeit seines langjährigen Trainers Otto Rehhagel.

SPORT1: Herr Reck, nochmal Glückwunsch zum Klassenerhalt. Wie erleichtert sind Sie?

Oliver Reck: Man ist als Trainer immer froh, wenn das, was man vorgibt, umgesetzt wird. Viel wichtiger aber war, dass es hier um den Traditionsverein MSV Duisburg ging und wenn der abgestiegen wäre, wäre das sehr schlimm gewesen. Ich habe mir Horror-Szenarien vorgestellt, wenn im nächsten Jahr keine Lizenz erteilt worden - oder Arbeitsplätze weggefallen wären.

SPORT1: Nun kann der MSV dem Lokalrivalen Düsseldorf den Aufstieg vermiesen...

Oliver Reck: Wir wollen weder für St. Pauli, noch für Paderborn spielen, aber auch Fortuna nichts schenken. Wir wollen für den MSV Duisburg spielen und unsere positive Serie der letzten Wochen in die neue Saison mitnehmen. Und natürlich in einem Derby guten und mutigen Fußball zeigen.

SPORT1: Die Fortuna wird von Ihren alten Kumpel aus gemeinsamen Bremer Zeiten, Norbert Meier, trainiert. Könnten Sie dem wirklich ruhigen Gewissens den Aufstiegstraum zerstören?

Reck: In der Vorrunde hat Düsseldorf bei uns 2:0 gewonnen, da hat er auch nicht an meine persönliche Situation gedacht, sondern nur an die Fortuna. Genauso denke ich jetzt nur an den MSV. Sicherlich ist es so, dass wir uns kennen und erfolgreich zusammengespielt haben, aber das ist Vergangenheit. Jeder geht jetzt seine eigenen Wege und muss schauen, dass er vorankommt. So ist der Fußball.

SPORT1: In der Bundesliga gibt es am Samstag in Berlin ein Alles-oder-Nichts-Spiel um den Klassenerhalt, wo Hertha BSC 1899 Hoffenheim empfängt. Fühlen Sie da mit Ihrem früheren Trainer Otto Rehhagel?

Reck: Irgendwo schon. Ich würde es ihm gönnen, wenn er das schafft mit der Hertha. Ich glaube, dass es nur an den Berlinern liegt. Köln wird nicht gegen die Bayern gewinnen. Allerdings waren die letzten zwei Heimspiele der Berliner nicht berauschend.

SPORT1: Man hat sich in Berlin mehr erhofft vom dreimonatigen Engagement Rehhagels. Hat "König Otto" seinen Zauber verloren?

Reck: Man muss eins bedenken: Der Mann war jahrelang aus der Bundesliga weg. Und in dieser Zeit hat sich in der Liga viel getan.

SPORT1: Die Spieler von heute können mit Goethe-Zitaten nicht mehr viel anfangen, oder?

Reck: Das kritisiere ich nicht. Die Frage ist, ob seine Art zu arbeiten bei der heutigen Generation noch gefragt ist. Ich kam in meinem Leben mit Goethe und Schiller gut zurecht. Ich wusste, was "Die Glocke" (Gedicht von Friedrich Schiller, Anm. d. Red.) ist und konnte die auswendig, aber die Spieler heute wissen nicht mal, was das ist.

SPORT1: Ein Spieler unter Rehhagel ist Ihr Stiefsohn Pierre Michel Lasogga. Er ist in Berlin Publikumsliebling. Wie stolz sind Sie über seine Entwicklung?

Reck: Das war ein wichtiges Jahr für ihn, auch wenn Hertha da steht, wo sie jetzt sind. Ein junger Spieler lernt da sehr viel dazu und nimmt vieles mit. Ich glaube, das gibt ihm viel für die nächsten Jahre. Pierre ist ein sehr guter Spieler und wird sich weiter entwickeln. Er wird die nächsten Schritte machen.

SPORT1: Hatte Ihr Stiefsohn schon in der Jugend nur Fußball im Kopf?

Reck: Er lebt Fußball, er träumt Fußball und selbst, wenn er ins Bett geht, denkt er an Fußball. Das ist ein Typ, der sich tagtäglich mit der Pille beschäftigt hat. In unserem Garten war keine Lampe vor ihm sicher, er hat alles abgeknallt, was ihm im Weg stand (lacht). Diese Fußballbesessenheit sieht man ihm heute auch noch an.

SPORT1: Sollte er bei einem Abstieg in Berlin bleiben?

Reck: Dazu möchte ich eigentlich nichts sagen. Diese zwei Jahre Hertha waren aber wichtig für den Jungen.

SPORT1: Als Markus Babbel letzte Saison noch in Berlin Trainer war, haben Sie ihn gelobt und gesagt, dass er der richtige Trainer für Lasogga ist. Babbel ist nun in Hoffenheim, die schon angefragt haben.

Reck: Aber es gibt auch andere gute Trainer, unter denen man sich gut weiterentwickeln kann. Jürgen Klopp in Dortmund oder Thomas Schaaf in Bremen, mehr möchte ich dazu nicht sagen. Das liegt nicht nur an Markus Babbel.

SPORT1: Wo geht es hin mit dem MSV Duisburg? Bleiben Sie an Bord?

Reck: Der Verein ist an mich herangetreten, will mit mir weiter arbeiten und ich bin dazu bereit. Wir haben hier etwas angefangen, was man ausbauen kann. Da würde ich gerne mithelfen.

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