Übeltäter Carlos Zambrano (l.) wird von Schiri Wolfgang Stark des Feldes verwiesen © imago

Die Fortuna ist empört über die Unsportlichkeit des Peruaners. Pauli-Kapitän Boll aber lobt den Platzverweis: "Er hat sich geopfert."

Aus Düsseldorf berichtet Thorsten Langenbahn

Düsseldorf - Die Spuck-Attacke von St. Paulis Innenverteidiger Carlos Zambrano beim 0:0 gegen Fortuna Düsseldorf (Spielbericht) beherrschte auch nach dem Schlusspfiff die Diskussionen.

"Ich bin auch kein Kind von Traurigkeit, aber das Anspucken kann er sich sparen", sagte Fortuna-Angreifer Sascha Rösler in ruhigem Tonfall über Zambranos grobe Unsportlichkeit.

Der Peruaner hatte in der 73. Minute nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot gesehen, Rösler anschließend auf dem Weg in die Kabine bespuckt.

Der Fortune hatte zuvor bei Schiedsrichter Wolfgang Stark die Verwarnung für Zambrano gefordert und dafür selbst Gelb gesehen - Röslers elfte Gelbe in dieser Saison. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Meier verteidigt Rösler

"Das ist sein Naturell, dass er sich nichts gefallen lässt", sagte Düsseldorfs Trainer Norber Meier über seinen Torjäger.

"Wenn er später mal die Traditionsspiele macht, wird er das immer noch machen ? und dann wird's haarig", ergänzte er augenzwinkernd.

Ganz ernsthaft aber verurteilte auch der 53-Jährige die Spuck-Attacke von Zambrano.

Levels fordert lange Sperre

Zu möglichen Folgen sagte der Coach nur knapp: "Es ist nicht meine Aufgabe, das zu bewerten."

Sein Kollege Andre Schubert dagegen erklärte: "Das gehört sich grundsätzlich nicht, jemanden gezielt anzuspucken."

Zambrano droht nun eine zusätzliche Sperre durch den DFB-Kontrollausschuss. "Solche Leute muss man längerfristig aus dem Verkehr ziehen", forderte Düsseldorfs Verteidiger Tobias Levels ein rigoroses Durchgreifen.

Wie bei Pinola 2010

Für den Nürnberger Javier Pinola waren Ende 2010 mal zwischen sechs Wochen und sechs Monate Sperre im Gespräch, nachdem er im Derby gegen Bayern München Nationalspieler Bastian Schweinsteiger bespuckt hatte.

Der Argentinier kam aber mit vier Wochen davon, weil er zuvor permanent von Schweinsteiger provoziert worden war.

Mit dieser Verteidigungsstrategie wollen wohl auch die Hamburger im Falle eine Anklageerhebung ein mildes Urteil erreichen.

Schubert attackiert Rösler

"Es gab ja genügend Provokationen von der anderen Seite. Über Sascha Rösler brauche ich nichts mehr zu sagen, das haben meine Kollegen schon zur Genüge getan", sagte Andre Schubert.

Der Pauli-Trainer verwies damit vor allem auf Armin Veh.

Der Frankfurter Coach hatte Rösler im Februar wegen dessen schmutziger Spielweise als "Rotzlöffel" tituliert.

Kapitän Boll lobt Zambrano

St. Paulis Fabian Boll lobte den 22-jährigen Zambrano gar ? nicht für das Spucken, für das er ihm eine gehörige "Kopfwäsche" verpassen will, sondern für das taktische Foul an Sascha Dum, wodurch Zambrano einen gefährlichen Konter stoppte.

"Er hat sich geopfert ? schlecht für ihn, gut für die Mannschaft", meinte der St.-Pauli-Kapitän. "Besser so, als wenn Dum an Carlos vorbeiläuft und das Tor macht."

Mit dem Punkt nach 18-minütiger in Unterzahl zeigten sich die Hamburger durchweg zufrieden. "Wir haben ein sehr emotionales Spiel gezeigt. Das war die richtige Antwort auf die pomadigen Auftritte der letzten Wochen", so Boll.

Lambertz: "Müssen auf uns achten"

"Natürlich bin ich enttäuscht, aber St. Pauli ist nicht irgendwer", sagte Andreas Lambertz zu SPORT1. "Wir werden das erst mal verdauen müssen und uns dann auf Hansa Rostock vorbereiten", erklärte der Fortuna-Kapitän.

Viel Zeit zum Verdauen bleibt nicht: Bereits am Donnerstag tritt der Tabellendritte beim Schlusslicht an. "Egal, wer kommt. Wir müssen auf uns achten, dann kann kommen wer will", sagte Lambertz kämpferisch.

Sechs Punkte liegt die Fortuna hinter einem direkten Aufstiegsplatz, der Vorsprung auf St. Pauli ist auf zwei Zähler geschmolzen.

Meier fehlt die Leichtigkeit

"Es ist alles noch drin und alles noch eng", sagte Schubert über das Aufstiegsrennen. "Wir haben das Spiel nicht verloren, das lässt alle Chancen offen", meinte auch Meier.

Kämpferisch und läuferisch habe sein Team alles gegeben. "Aber dass wir nicht die Mannschaft haben, die aus der Hand St. Pauli mal eben schlüsselfertig spielt, das sollte jedem klar sein", sagte Meier.

Dennoch haderte der Fortunen-Coach nach dem dritten sieglosen Spiel in Folge: "Ich hoffe, dass bei uns diese Leichtigkeit wieder reinkommt."

Der Appell an seine Mannschaft: "Wir haben überhaupt nichts zu verlieren, aber wir können alles gewinnen."

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