Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wird nach der Generalabrechnung des Mainzer Trainers Thomas Tuchel mit den Bundesliga-Schiedsrichtern wohl Gnade walten lassen.

"Die Grenze zur Unsportlichkeit ist für uns noch nicht überschritten. Für uns fällt das noch unter das Recht der freien Meinungsäußerung. Wir werden nach derzeitigem Stand der Dinge kein Verfahren einleiten", sagte der DFB-Kontrollausschusschef Anton Nachreiner im Gespräch mit SPORT1.

Dennoch nimmt man Tuchels Wutrede vor dem DFB-Pokal-Viertelfinale am Dienstag gegen den SC Freiburg durchaus kritisch zur Kenntnis. "In Unruhe haben mich die Äußerungen nicht versetzt ? auch wenn ich die Aussagen in sportlicher Hinsicht nicht nachvollziehen kann", sagte Nachreiner.

Tuchel hatte in einer etwa fünfminütigen Brandrede am Montag über eine "Stimmung" gegen seine Person geklagt, welche die Entscheidungen der Unparteiischen "beeinflussen" würde. Dies führe dazu, dass seine Mannschaft "krass benachteiligt" werde.

"Das Schiedsrichterwesen hat ein Problem mit mir und meinem Verhalten", hatte Tuchel weiter gesagt: "Die Mannschaft muss dafür in der Rückrunde bezahlen. Sie wird für ihren Trainer bestraft. Das ist so viel, dass es Mühe und Energie kostet, sich nicht darüber aufzuregen. Das ist in der Häufigkeit nicht tolerierbar."

Laut Tuchel habe der Tabellenachte wegen "vier ganz entscheidenden Fehlentscheidungen" bereits acht Punkte verloren.

Der Mainzer Manager Christian Heidel stellte sich am Dienstagabend hinter seinen Trainer.

"So etwas muss man doch mal sagen dürfen. Stellen sie sich vor, diese Schiedsrichter-Entscheidung gegen sich hätte Bayern München gehabt, was dann losgewesen wäre. Nun hat sich der Trainer von Mainz 05 zu Wort gemeldet. Aber er hat niemanden beleidigt, niemandem etwas unterstellt, von daher war das absolut legitim", sagte Heidel bei "Sky"

Und weiter: "Fakt ist, das wird ja nicht angezweifelt, dass wir in den letzten Wochen mit den Schiedsrichter-Entscheidungen, höflich ausgedrückt, sehr viel Pech hatten."

Bei der Konkurrenz sorgte Tuchels Rede aber teilweise für Kopfschütteln. "Jeder denkt mal, dass er benachteiligt wird. Das hat Mainz nicht exklusiv", sagte Dirk Dufner, Sportdirektor des SC Freiburg, auf den die Mainzer am Dienstag im Viertelfinale des DFB-Pokals trafen.

Dufner ergänzte: "Was Mainz exklusiv hat, ist die Reaktion des Trainers. Als ich das gesehen habe musste ich ein wenig schmunzeln. Ich dachte, er hört gar nicht mehr auf."

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