Der hessische Innenminister Boris Rhein hat sich von seinem früheren Hardliner-Kurs in der Sicherheitsdiskussion im deutschen Profi-Fußball distanziert. "Auch ich habe den Fehler gemacht und Pauschalstrafen für richtig gehalten", sagte der CDU-Politiker der "Bild": "Geisterspiele sind exakt der falsche Weg, um das Gewaltproblem in den Griff zu bekommen."

Die Strafen nach Ausschreitungen vor, während oder nach Fußballspielen sollten "individuell und täterorientiert" sein, sagte der 41-Jährige: "Wir müssen die, die Krawall machen rausfiltern, und dürfen nicht alle über einen Kamm scheren." Sonst würde das dazu führen, dass sich die "vernünftigen Fans mit den Krawallmachern" solidarisieren.

Rhein lobte in diesem Zusammenhang die Aufklärungsarbeit von Bundesligist Eintracht Frankfurt nach dem Pyro-Eklat während der Partie bei Bayer Leverkusen am 19. Januar (1:3).

"Eintracht hat nach dem Leverkusen-Spiel die Notbremse gezogen", sagte er. Die Verantwortlichen hätten "toll auf die Fans eingewirkt und aktiv zur Beruhigung der Lage beigetragen".

Im Gegensatz dazu war Rhein von den Ausschreitungen Nürnberger Fans am vergangenen Wochenende in Frankfurt "schockiert".

Früher hätten sich die Hooligans "abseits im Wald geprügelt", sagte er: "In den letzten Jahren dreht sich die Aggression zunehmend in Richtung Polizei. Die Polizei ist zu einem Feindbild geworden. Das sind Auseinandersetzungen, bei denen diese sogenannten Fans manchmal bis ans Äußerste gehen."

Vor und während der Begegnung zwischen Frankfurt und dem 1. FC Nürnberg (0:0) war es zu Ausschreitungen gekommen. Dabei waren 19 Polizisten und 2 Ordner leicht verletzt worden.

Zudem wurde ein Einsatzwagen durch Steinwürfe beschädigt. Auch der Zaun rund um die Frankfurter Arena wurde an mehreren Stellen zerstört.

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