In der Diskussion über Auswüchse von Gewalt im deutschen Fußball sieht Präsident Martin Kind vom Bundesligisten Hannover 96 die Profi-Vereine und den Dachverband DFL in der Pflicht.

"Wir dürfen die Konflikte nicht umgehen. Die Bundesliga und die DFL müssen viel konsequenter handeln, etwa mit Stadionverboten", sagte der 96-Boss im Interview mit dem Nachrichtenmagzin "Der Spiegel" und forderte zugleich eine Vereinheitlichung von Strafmaßnahmen.

Trotz aller Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den Fans sieht Kind Grenzen für Absprachen:

"Ich bin für Dialog, aber die Spielregeln müssen klar definiert sein. Grundsätzlich gilt: Die Vereine sind Unternehmen mit hohen Umsätzen, professionell geführt. Da darf es keine Einflüsse von außen geben."

Dem Anspruch wachsender Teile der Anhängerschaften auf Mitbestimmung erteilte Kind eine Absage: "Sie erwarten aber auch moderne Arenen, attraktiven Fußball und gute Spieler. Dieser Widerspruch lässt sich nicht auflösen."

Kind hatte am jüngsten Bundesliga-Spieltag pöbelnde Fans seines Klubs wegen Angriffen auf einen früheren 96-Profi als "Arschlöcher" bezeichnet und damit bundesweit Aufsehen erregt. "Ich wollte klarstellen: Der Rubikon war überschritten", begründete der Unternehmer seine bewusst drastische Wortwahl.

Die eskalierende Gewalt im Fußball will Kind nicht alleine auf gesellschaftsliche Entwicklungen zurückführen.

"Im Fußball gibt es spezifische Mechanismen. Manche Fans haben hier eine Plattform in der Öffentlichkeit gefunden, sie überhöhen ihre Identität mit dem Verein und ihre Ansprüche. Und versuchen dabei, einen rechtsfreien Raum zu schaffen."

In dem schlagzeilenträchtigen Fall Kevin Pezzoni - der Vertrag des Profis beim Zweitligisten 1. FC Köln war Ende August nach Angriffen und Bedrohungen durch eigene Fans aufgelöst worden - übte Kind Kritik an der Kölner Vorgehensweise.

Er, so Kind, hätte Pezzoni gehalten: "Ich bin dagegen, den vermeintlich bequemen Weg zu gehen. Die Verantwortlichen der Vereine sollten aus Überzeugung entscheiden. Es gehört zur Führungsstärke, diese Entscheidungen dann ohne Wenn und Aber umzusetzen."

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