Der renommierte Sportrechtsexperte Michael Lehner befürchtet nach dem Urteil des DFB-Sportgerichts zum Einspruch von Hertha BSC gegen die Wertung des Relegationsrückspiels bei Fortuna Düsseldorf (2:2) "chaotische Zustände".

Zwar sei die Entscheidung des Bundesgerichts nach dem Einspruch der Berliner sicher schnell zu erwarten, "aber wenn eine der beiden Mannschaften weitermacht und vor das Schiedsgericht zieht, ist es fraglich, die Sache bis zum Saisonbeginn über die Bühne zu bringen", sagte Lehner, "dann drohen chaotische Zustände".

Zudem kritisierte Lehner die Argumentation des vorsitzenden Richters Hans E. Lorenz scharf.

"Ich halte die Urteilsbegründung für wenig stichhaltig, da steckt viel Sportpolitik dahinter", sagte Lehner, "ich denke, dass es schon vor der Entscheidung eine Tendenz gegeben hat. Es scheint, dass das Gericht mit Macht die Tatsachen-Entscheidung des Schiedsrichters schützen wollte."

Die Begründung, die auf den Platz gestürmten Fortuna-Fans hätten nur ihre Freude über den Aufstieg ausleben wollen, kann Lehner nicht nachvollziehen. "Das Urteil hat dem Sicherheitsaspekt im Stadion einen Bärendienst erwiesen. Das ist kontraproduktiv und ein klarer Begründungsfehler", sagte Lehner.

"Es ist ja schon fast fahrlässig zu behaupten, dass die Fans nur aus Freude und mit besten Absichten den Rasen gestürmt hätten. Da kann ich doch nicht sagen: Weiter so! Das Ganze hätte auch ganz schnell in Gewalt umschlagen können", so der Experte weiter.

Den Berlinern räumt Lehner nach ihrem Einspruch gegen das Urteil vor der nächsten Instanz, dem DFB-Bundesgericht, wenig Chancen auf Erfolg ein.

"Je höher die Instanz, desto höher ist auch die Qualität des Urteils. Das Bundesgericht wird den Fall sicher eingehender beleuchten, aber dass es zu einem anderen Urteil kommt, ist eher unwahrscheinlich", sagte der Jurist, "die Chancen der Berliner steigen sicherlich, wenn sie auch die nächste Instanz, das Schiedsgericht, anrufen. Das ist personell deutlich breiter besetzt. "

Lehner ist Mitglied des Internationalen Sportrechtler-Verbandes ISLA und als Schiedsrichter bei der Deutschen Institution für Sportschiedsgerichtsbarkeit tätig.

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