Hertha BSC erwägt nach dem skandalösen Relegationsrückspiel bei Fortuna Düsseldorf (2:2) um den letzten vakanten Startplatz in der Bundesliga einen Protest.

"Die Spieler saßen mit Todesangst leichenblass in der Kabine. Im Gesetz steht: Wenn Einflüsse von außen auf ein Spiel treffen, die nichts mit dem Spiel zu tun haben, muss wiederholt werden", sagte Herthas Anwalt Christoph Schickhardt im Gespräch mit "Sky".

Im Morgenmagazin des "ZDF" ergänzte Schickhardt: "Der Schiedsrichter Wolfgang Stark hat die Mannschaft nicht wegen des Fußballs auf den Platz zurückgeführt, sondern wohl nur auf Bitten der Polizei, um eine Eskalation - man hat von einem Blutbad gesprochen - zu verhindern."

Es sei aus seiner Sicht ein "irreguläres Spiel" gewesen. "Hier müssen der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) deutliche Worte sprechen. Man denke mal an einen kleinen Verein wie Dynamo Dresden - die wurden in erster Instanz sogar aus dem DFB-Pokal ausgeschlossen."

Der Heidelberger Anwalt und Sportrechtsexperte Michael Lehner sieht für einen Protest gute Erfolgschancen. "Das Spiel ist nicht ordnungsgemäß nach dem Prinzip der Chancengleichheit zu Ende gebracht worden. Es gab einen Bruch im Sinne der Spielentwicklung", sagte Lehner und ergänzte:

"Die Mannschaft von Hertha BSC ist durch das Verschulden Dritter einer reellen Chance beraubt worden, das Spiel noch zu gewinnen. Deswegen müsste es aus juristischer Sicht eine Spielwiederholung geben."

Fortuna-Manager Wolf Werner widersprach Schickhardt energisch. "Der Schiedsrichter hat das Spiel, wie er sich geäußert hat, wieder angepfiffen und dann korrekt abgepfiffen. Der Spielablauf kann nicht infrage gestellt werden. Die Worte von Herrn Schickhardt halte ich für völlig überzogen."

Werner wehrte sich auch gegen eine pauschale Verurteilung der Fortuna-Anhänger, die schon vor Ablauf der Nachspielzeit den Platz gestürmt hatten.

"Es waren nicht zu wenige Ordner im Stadion. Es ging bei diesen Szenen nicht um Gewalt, sondern um Freude. Das ist natürlich keine Entschuldigung. Das Wort Gewalt will ich aber in diesem Zusammenhang nicht angewendet haben."

Weiterlesen