DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock hat nach den zahlreichen Übergriffen von Fußball-Hooligans einen Gewalt-Krisengipfel mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) noch in diesem Monat angekündigt.

Zudem will der 55-Jährige in Zukunft die Klubs mehr in die Pflicht nehmen.

"Die Vereine als Hausherren haben harte Sanktionsmöglichkeiten, die manchmal nur zum Teil ausgeschöpft werden", sagte Sandrock im Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" und verwies auf die Stadionordnungen als Grundlage für harte Strafen.

Außerdem forderte er eine stärkere Sensibilisierung der Justiz. Man müsse gemeinsam die Instrumente, die man habe, "noch effektiver nutzen", erklärte Sandrock.

Der Verbandsfunktionär sieht nach den Ausschreitungen in den vergangenen Monaten verstärkten Handlungsbedarf, glaubt aber an ein grenzübergreifendes Problem:

"Wir dürfen das Thema nicht unterschätzen. Allerdings sehe ich die Problematik gewaltsamer Übergriffe nicht auf die Stadien begrenzt, das haben die jüngsten Übergriffe in Städten und auf Rastplätzen gezeigt. Wir sprechen über ein gesellschaftliches Problem, und wir werden es sicher nicht alleine lösen können", sagte der DFB-Generalsekretär und kündigte noch für diesen Monat ein "Spitzengespräch" mit der DFL an.

Um ein "besseres Verständnis" für die Problemlagen zu entwickeln, werde außerdem zeitnah ein Gespräch mit den Generalstaatsanwälten geführt. Sandrock plädiert in punkto Strafbemessung für eine länderübergreifende Regelung:

"Gleiche Sachverhalte werden in den verschiedenen Bundesländern mitunter anders beurteilt und bestraft. Wenn jemand in einem Stadion beispielsweise mit Feuerwerkskörpern wirft, muss jedem klar sein, dass und wie er dafür belangt wird", erklärte Sandrock und appellierte an die Fußball-Familie:

"Trainer, Spieler, Funktionäre müssen darüber nachdenken, wie wir die Minderheit der Gewalttäter noch stärker sichtbar ächten können."

In der Nacht zum Dienstag hatten die Forderungen von Sandrock Nachdruck bekommen. Nach dem Abstieg des Karlsruher SC aus der Zweiten Bundesliga (2:2 im Relegationsrückspiel gegen Jahn Regensburg) war es zu schweren Ausschreitungen rund um das Wildparkstadion gekommen.

Dabei wurden nach Angaben der Polizei insgesamt 76 Personen verletzt, davon 18 Beamte. 73 Verletzte mussten vor Ort von Sanitätern behandelt werden.

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