Der deutsche EM-Schiedsrichter Wolfgang Stark fordert mehr Respekt und eine bessere Honorierung für seine Zunft.

Es brauche "einen respektvolleren Umgang mit den Leuten, die ihre Zeit opfern, damit 22 andere dieses schöne Hobby Fußball ausleben können", sagte Stark der "taz"-Wochenendausgabe.

Der Druck auf die Schiedsrichter habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen.

"Gerade haben wir enorme Probleme, Nachwuchs zu finden. Wir haben in der nächsten Saison in Bayern zum ersten Mal nicht mehr genug Schiedsrichter für die untersten Klassen", sagte Stark, der einer von 22 deutschen Bundesliga-Schiedsrichtern und als einziger deutscher Unparteiischer für die EM in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli) nominiert ist.

Der Respekt müsse sich auch in einer besseren Bezahlung ausdrücken. "Wir Schiedsrichter hoffen halt, dass wir irgendwann mit einem Grundgehalt eine Absicherung kriegen. So wie unsere Kollegen in Europa auch", sagte Stark. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) müsse da etwas unternehmen.

Bisher erhält ein Schiedsrichter 3600 Euro brutto für ein Bundesligaspiel. Davon müsse er allerdings auch Physiotherapie und ärztliche Überprüfung zahlen, berichtete Stark.

Mit dem enormen Druck auf die Schiedsrichter habe auch der Selbstmordversuch seines Kollegen Babak Rafati zu tun, der vor einem halben Jahr versucht hatte, sich das Leben zu nehmen. Der Suizidversuch hat Stark sehr bewegt:

"Der Babak ist ein pfundiger Typ, sagen wir in Bayern. Babak hat immer so den Eindruck erweckt, den kann gar nichts aus der Bahn schmeißen. Er wirkte souverän, stand über den Dingen. Darum hat mich das Ganze ja auch so bewegt."

Für Stark zählt Rafati weiterhin zu den 22 deutschen Bundesliga-Schiedsrichter:

"Er gehört immer noch zu unserem Kreis mit dazu. Jetzt fällt er halt momentan aus, weil er krank ist. Aber erst wenn er selber sagt, er kann oder will das nicht mehr machen, dann scheidet er aus."

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