Aaron Hunt (r.), der aus der Jugend von Werder Bremen stammt, mit seinem zukünftigen Kollegen Ivan Perisic © getty

In seinem ersten Interview als Neu-Wolfsburger spricht Aaron Hunt bei SPORT1 über seinen Wechsel und seine Ziele mit dem VfL.

Von Reinhard Franke

München - Zuletzt hatte selbst Klaus Allofs nicht mehr so recht an ein Happy End geglaubt.

Doch am Dienstag konnte Wolfsburgs Sportchef Vollzug melden. Der Wechsel von Aaron Hunt von Werder Bremen zum VfL war endlich in trockenen Tüchern.

Der Stürmer unterschrieb bei den Niedersachsen einen Vertrag bis 2017 (News).

Mehrere Monate gab es ein zähes Ringen um den 27-Jährigen, am Ende machten die Wolfsburger das Rennen und rüsten damit weiter auf.

Im ersten Interview als Neu-Wolfsburger spricht Hunt bei SPORT1 über seinen Wechsel, die Ziele und verrät, warum Allofs für ihn wichtig ist.

SPORT1: Herr Hunt, Ihr Wechsel nach Wolfsburg ist seit Dienstag perfekt? Wie erleichtert sind Sie?

Aaron Hunt: Ich bin glücklich und erleichtert zugleich. Es hat sich ja über die komplette Rückrunde hingezogen und jetzt freue ich mich einfach, dass das Thema durch ist. Ich gehe zu einem sehr guten Klub und für mich passt es perfekt. Ich wollte mich nochmal sportlich verbessern und das kann ich beim VfL Wolfsburg. Der Verein hat Ambitionen, die sich mit meinen decken. Ich habe das, was ich gesucht habe.

SPORT1: Warum ist Wolfsburg so perfekt für Sie?

Hunt: Ich wollte mich vor allem sportlich verbessern und es war mein großer Wunsch wieder international zu spielen, das kann ich mit dem VfL. Zudem ist der Verein auch für die Zukunft sehr gut aufgestellt, wird in den nächsten Jahren bestimmt um Platz vier mitspielen können.

SPORT1: Farbentechnisch bleibt für Sie alles beim Alten.

Hunt: (lacht) Das stimmt, grün-weiß ein Leben lang. Ansonsten sind die Unterschiede zu Werder doch immens.

SPORT1: Sie hätten auch nach Russland oder in die Türkei gehen können, warum wollten Sie nicht ins Ausland?

Hunt: Es gab einige Anfragen aus dem Ausland. Klar ist die Türkei ein schönes Land, aber ich habe immer betont, dass ich das Gefühl haben muss, das ich mich im neuen Verein gleich wohlfühlen und gleich funktionieren will. Das hatte ich bei einigen Vereinen im Ausland nicht. Deshalb hat es auch so lange gedauert, bis ich mich entschieden habe, ich war hin- und her gerissen. Bei Wolfsburg hatte ich gleich ein gutes Gefühl, dass das passen kann. Trainer Dieter Hecking hat mich sofort mit seiner Spielphilosophie überzeugt. Meine Heimatstadt Bremen ist zudem nicht weit weg und zu meinen Eltern sind es auch nur 40 Kilometer (Goslar, Anm. d. Red.).

[tweet url="//t.co/DI0bOW1iog"]

SPORT1: VfL-Manager Klaus Allofs sagte, dass er es gar nicht so recht glauben konnte, dass es mit dem Transfer noch geklappt hat. War es so eine zähe Geburt?

Hunt: So zäh war es gar nicht. Mir ging es ja nicht ums Geld, an erster Stelle stand wirklich das sportliche Weiterkommen. Wolfsburg hat eine sehr gute Mannschaft und der Trainer will guten Offensiv-Fußball spielen lassen. Das gefällt mir schon sehr.

SPORT1: Hatte Werder überhaupt eine Chance, Sie zu halten?

Hunt: Schon. Der Verein hatte immer eine Chance, das habe ich auch stets offen gesagt. Doch im Laufe der Rückrunde habe ich mich dann dazu entschieden, meinen Vertrag nicht zu verlängern, auch wenn ich mit Werder nochmal gesprochen habe. Ich wurde ja nach dem letzten Heimspiel schon verabschiedet, dann ist es immer schwer zurückzukommen. Der Verein hat alles versucht, mich zu halten. Hätte man früher mit mir geredet, dann wäre ich vielleicht geblieben. Für mich gibt es nur jetzt noch die Chance, etwas Neues auszuprobieren. Wenn ich nochmal in Bremen verlängert hätte, dann wäre diese Möglichkeit vielleicht nicht nochmal gekommen.

SPORT1: Mit welchen Gedanken blicken Sie zurück auf 13 Jahre Werder?

Hunt: Ich werde nur positive Gedanken mit Werder verbinden, ich war ja von der Jugend an immer in dem Verein, habe dort alles durchlaufen. Die letzten drei Jahre waren zwar schwierig, ich habe aber bis zum letzten Spieltag alles für Werder gegeben und blicke zufrieden zurück. Das Wichtigste ist für mich, dass ich mir nichts vorwerfen muss. Dass es immer Fans gibt, die so einen Wechsel nicht verstehen, damit kann ich leben. Es muss mich nicht jeder mögen. Leider sieht nicht jeder, dass ich mich sportlich einfach verbessern kann. Dabei sollte doch jeder besser werden wollen im Leben.

SPORT1: Apropos besser: Bayern und Dortmund sind noch eine größere Nummer als der VfL. Klaus Allofs sagte aber, dass es in der Bundesliga nicht viele Alternativen gibt zu den Beiden. Ist der VfL die dritte Kraft in Deutschland?

Hunt: Schwierig zu sagen. Wolfsburg kann im nächsten Jahr sicher um Platz drei oder vier mitspielen, man muss sich nur den Kader anschauen. Der Verein braucht sich vor Schalke und Leverkusen nicht zu verstecken. In der letzten Saison war man schon knapp dran an Platz vier und das ist schon der Bereich für die nächsten Jahre.

SPORT1: Wie froh sind Sie, dass Sie und Klaus Allofs wieder vereint sind? Er hat Sie in seiner Zeit als Werder-Manager als damaliger A-Jugendlicher mit dem ersten Profivertrag ausgestattet.

Hunt: Ich freue mich sehr auf ihn, wir kennen uns aus Bremen schon beide eine halbe Ewigkeit. Wir haben schon viel miteinander erlebt. Er kennt mich mit Thomas Schaaf (früherer Bremen-Coach, Anm. d. Red.) am besten von allen, die mit dem Fußball zu tun haben und weiß ganz genau, wo meine Stärken und Schwächen sind. Herr Allofs hat bisher eine wichtige Rolle in meiner Karriere gespielt, er hat am Ende jeden Profi-Vertrag abgezeichnet. Ich bin froh, dass er da ist.

SPORT1: Was ist nächste Saison drin für die "Wölfe"?

Hunt: Der nächste Schritt sollte schon ein Champions League-Platz sein oder zumindest die Qualifikation für die Königsklasse. Das ist ja nur logisch, wenn man zuletzt Fünfter war. Wolfsburg muss sich wie gesagt nicht klein machen und daher ist es nicht verkehrt, sich hohe Ziele zu setzen. Ich freue mich auf das neue Abenteuer.

Weiterlesen