Die HSV-Mitglieder stimmen für die Ausgliederung der Profiabteilung. Sie hoffen auf Investoren und Beiersdorfer als neuen Chef.

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Hamburg - Nach der Horror-Saison ist die historische Revolution beim Hamburger SV perfekt: Der sportlich wie finanziell angeschlagene Bundesligist gliedert seine Profiabteilung aus und öffnet sich für Investoren.

86,9 Prozent der 9702 anwesenden stimmberechtigten Mitglieder stimmten am Sonntag um 16.33 Uhr für die entsprechenden Pläne der Reforminitiative HSVPlus. Der Klub wird nun völlig umgekrempelt.

Hoffen auf Kühne-Millionen

Der bisherige Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow steht vor dem Aus, äußerte sich nach der Abstimmung aber dennoch zufrieden: "Wir haben versucht, alle mitzunehmen. Das Ergebnis ist eine eindeutige Willensbekundung und repräsentativ für den Verein."

Er freue sich, "wenn Dietmar Beiersdorfer zurück kommt, egal in welcher Position."

Brisant: Der ehemalige Sportdirektor Beiersdorfer soll anstelle von Vorstandsboss Jarchow an der Spitze der neuen Fußball-AG stehen. Zudem hoffen die HSV-Fans durch die Millionen von Mäzen und Edelfan Klaus-Michael Kühne auf eine bessere Zukunft.

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"Eine historische Chance"

"Wir haben jetzt eine historische Chance. Die müssen wir nutzen, um den HSV wieder nach oben zu führen", sagte HSVPlus-Initiator Otto Rieckhoff: "Ich bin stolz, heute die Früchte der Arbeit geerntet zu haben, aber ich bin auch völlig fertig. Es war eine große emotionale Anspannung."

Rieckhoff unterstrich nach der erfolgreichen Abstimmung seine Hoffnungen, "dass die Arbeit jetzt schnell begonnen werden kann."

Seine Reform sieht vor, die Lizenzspielerabteilung aus dem Gesamtverein auszugliedern und nach dem Vorbild des FC Bayern in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Danach könnten bis zu 24,9 Prozent der Anteile an strategische Partner verkauft werden.

100 Millionen Euro Schulden

Den HSV plagen Verbindlichkeiten in Höhe von 100 Millionen Euro. Milliardär Kühne hatte im Vorfeld bereits seine Unterstützung in Höhe von rund 25 Millionen Euro angedeutet.

Neben dem möglichen "Big Boss" Beiersdorfer, der die sportlichen Geschicke der Hanseaten bereits zwischen 2002 bis 2009 leitete und den HSV 2009 ins Halbfinale des DFB- sowie UEFA-Pokals führte, soll ein Finanzfachmann und Sanierer im neuen zweiköpfigen Vorstand der HSV-Fußball-AG sitzen.

Die Zukunft des bisherigen Sportchefs Oliver Kreuzer ist noch offen. Eine Woche nach dem in letzter Minute gesicherten Klassenerhalt bleibt beim neuen HSV kein Stein auf dem anderen.

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Forderung nach "Tabula rasa"

"Wir wollen nicht ein bisschen, sondern ganz. Wir werden keine Kompromisse machen. Es muss Tabula rasa gemacht werden, ein Neuanfang passieren", sagte Karl Gernandt, Kühne-Intimus und designierter Aufsichtsratsvorsitzender der Hamburger.

Gernandt bestätigte, Beiersdorfer so schnell wie möglich an die Elbe holen zu wollen.

Europapokal-Teilnahme angepeilt

"Wir haben vereinbart, dass wir uns ab 17 Uhr zusammentelefonieren, um zu sehen, wie es weitergehen kann", sagte er: "Er hat uns in die Hand versprochen, alles dafür zu tun, um in diesem Verein mitzuarbeiten." Beiersdorfer steht noch bis 2015 bei Zenit St. Petersburg unter Vertrag.

In drei Jahren soll der HSV wieder um die Teilnahme am Europapokal spielen.

"Wir überlassen nichts dem Zufall, haben klare Vorstellungen und sind bestens vorbereitet", sagte Thomas von Heesen.

Juristische Schritte der HSVPlus-Gegner?

Der Europapokal-Held von 1983 ist für den Posten des stellvertretenden Aufsichtsratschefs vorgesehen. Ex-Spieler Peter Nogly, Klitschko-Vermarkter Bernd Bönte, Dieter Becken und Felix Goedhart sollen das Gremium komplettieren.

Es wird bereits spekuliert, dass die Gegner von HSVPlus die Entscheidungen vom Sonntag juristisch anfechten könnten.

Die 9702 anwesenden Mitglieder - nie kamen mehr zu einer HSV-Versammlung - drückten überraschend schnell den Reset-Knopf. Die befürchtete Mammutsitzung wurde durch eine Veränderung der Tagesordnung verhindert, die Abstimmung über die Ausgliederung vorgezogen.

Auch Slomka pro HSVPlus

Die anwesenden Mitglieder feierten alle Beiträge für HSVPlus frenetisch, kritische Worte wurden niedergepfiffen. Die Stimmung war ganz klar für den Umsturz in der Klubführung. Zu tief sitzt der Frust der Anhänger über den Niedergang des HSV.

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Auch Trainer Mirko Slomka hatte sich im Vorfeld für die Ausgliederung stark gemacht, um die Mannschaft für die nächste Saison nach seinen Wünschen gestalten und neue Spieler holen zu können.

Eine Fraktion um Aufsichtsrat Jürgen Hunke hatte bis zuletzt versucht, HSVPlus zu verhindern.

Hunke: "Fast wie eine Beerdigung"

"Das ist fast wie eine Beerdigung", sagte Hunke. Seine Sorgen, der HSV könne nach einer Ausgliederung von Hedgefonds oder so genannten "Heuschrecken" übernommen werden, teilten die Mitglieder nicht.

"Hunke raus, Hunke raus", hallte es durch die Arena. Marketing-Vorstand Joachim Hilke versprach den Fans: "Wir wollen keine Investoren, die es auf eine Finanzrendite abgesehen haben."

Die neue HSV-Fußball-AG muss nun noch ins Handelsregister aufgenommen werden - dies soll bis Ende Juni passieren. Erst dann können die neuen Macher auch offiziell ihre Arbeit aufnehmen.

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