Roger Schmidt gewann mit Red Bull Salzburg das österreichische Double © getty

Leverkusens neuer Trainer Roger Schmidt spricht bei SPORT1 über seine Pläne und Bayers Interesse an Hamburgs Hakan Calhanoglu.

Von Denis de Haas

München/Salzburg - Der Trainer Roger Schmidt war lange Zeit nur Fußballfans in Westfalen ein Begriff. Bis 2007 war er noch als Feierabend-Coach in der Oberliga tätig.

Dann gab Schmidt seinen Job als Ingenieur auf und legte eine steile Karriere hin. Nach Stationen bei Preußen Münster, dem SC Paderborn und Red Bull Salzburg heuert er zur kommenden Saison bei Bayer Leverkusen an.

Bei den Rheinländern unterschrieb Schmidt einen Vertrag bis zum 30. Juni 2017. Zuvor hatte er Eintracht Frankfurt eine Absage erteilt.

Double zum Abschied aus Salzburg

Schmidts Erfolge in Österreich waren den Bundesliga-Klubs nicht verborgen geblieben. Aus Salzburg verabschiedete er sich als Double-Trainer: Red Bull holte souverän die Meisterschaft und sicherte sich zudem den ÖFB-Pokal.

Im SPORT1-Interview spricht der 47-Jährige über seine Pläne für die Sommerpause, Leverkusens Transferpläne und den neuen Bayer-Stil.

SPORT1: Herr Schmidt, Sie haben sich mit einer Double-Party aus Salzburg verabschiedet. Steht demnächst ein WM-Besuch in Brasilien an?

Roger Schmidt: Nein, den habe ich nicht geplant. Ich werde mit der Familie Urlaub machen und die meisten Spiele am Fernseher verfolgen. Außerdem beginnen wir während der WM schon mit der Vorbereitung, und da muss ich natürlich bei der Mannschaft sein.

SPORT1: Leverkusen ist nun Ihre fünfte Trainer-Station. Sie haben vor sieben Jahren noch den Delbrücker SC in der Oberliga trainiert. Hatten Sie damals schon das Ziel, mal in der Bundesliga zu arbeiten?

Schmidt: Geplant hatte ich das nie. Das hat sich einfach so ergeben. Wenn ich eine Anfrage bekam, habe ich darüber nachgedacht und mein Bauchgefühl entscheiden lassen. Mir macht es einfach Spaß, eine Mannschaft weiterzuentwickeln. Je höher das Niveau ist, desto größer ist auch die Herausforderung.

SPORT1: Bayer ist Ihre erste Station als Bundesliga-Coach. Was waren Ihre Argumente dafür, vom österreichischen Meister nach Deutschland zu wechseln?

Schmidt: Der Stellenwert der deutschen Bundesliga ist natürlich größer. Wenn man dann bei einem Verein, der sich in der Spitze etabliert hat, Trainer werden kann, ist das eine willkommene Herausforderung.

SPORT1: Sie hätten auch zu Eintracht Frankfurt gehen können. Warum wurde es am Ende Leverkusen?

Schmidt: Die Perspektive, international zu spielen, war natürlich mit ausschlaggebend. Außerdem war es ein überragendes Gespräch mit Leverkusen. Aber das gleiche kann ich von Frankfurt auch behaupten.

SPORT1: Bayer-Sportdirektor Rudi Völler hat vor einigen Wochen im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 Investitionen angekündigt. Wo muss der Verein noch nachbessern?

Schmidt: Die Mannschaft ist sehr gut aufgestellt, und bei der Kaderplanung sind wir schon weit fortgeschritten. Wir haben ja bereits Josip Drmic für den Angriff verpflichtet und mit dem Brasilianer Wendell einen hochtalentierten Linksverteidiger geholt. Und man darf unsere jungen Spieler wie beispielsweise Levin Öztunali oder Julian Brandt nicht vergessen, die sich noch weiter entwickeln werden. Deshalb sind wir in einer komfortablen Situation. Wir können uns ganz in Ruhe auf dem Markt umschauen.

SPORT1: Ein Spieler, der unbedingt zu Bayer Leverkusen will, ist Hakan Calhanoglu. Ehrt es Sie, dass so ein begehrtes Talent zu Ihrem neuen Klub wechseln will?

Schmidt: Das ist erst mal eine tolle Auszeichnung für Bayer Leverkusen. Mit meiner Person hat das wenig zu tun. Die Verantwortlichen haben ohne meine Person gute Überzeugungsarbeit geleistet. Nun müssen wir gucken, ob ein Transfer realistisch ist. Für uns wäre Hakan Calhanoglu natürlich eine großartige Verstärkung.

SPORT1: Unabhängig vom Personal: Welche Art von Fußball wollen Sie spielen?

Schmidt: Es geht mir darum, Dominanz auszustrahlen und dem Gegner ein Spiel aufzuzwingen, das er nicht möchte. Damit habe ich bei meinen vergangenen Stationen sehr gute Erfahrungen gemacht. Das wollen wir in Leverkusen mit aufnehmen. Bayer hat ja in den vergangenen fünf Jahren tollen Fußball gespielt. Nun geht es noch darum, aktiver auf dem Platz zu sein. Da wollen wir im Training auch Schwerpunkte setzen.

SPORT1: Sie entstammen einem besonderen Trainerlehrgang und sind nun der Siebte aus der Klasse von 2011 (nach Gisdol, Korkut, Lewandowski, Schneider, Weinzierl und Wiesinger, Anm. d. Red.), der es zum Bundesliga-Coach gebracht hat. Was macht diesen Jahrgang aus?

Schmidt: Das kann ich gar nicht beantworten. Nur so viel: Es war nicht damit zu rechnen, dass es so viele in die Bundesliga schaffen. Wir hatten im Vergleich zu früheren Jahren kaum große Namen im Lehrgang. Nun freue ich mich, den einen oder anderen in der Bundesliga wieder zu sehen.

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