Zeit für Schnappschüsse: Max Eberl hat bei Borussia Mönchengladbach Vertrag bis 2017 © getty

Max Eberl spricht im SPORT1-Interview über die Neuzugänge, eine neue Ära im Tor und die Entscheidungen des Bundestrainers.

Von Reinhard Franke

München - Max Eberl kann es ruhig angehen lassen.

Eigentlich müsste der 40-Jährige zurzeit mitten in der Arbeit bei der Zusammenstellung des Kaders für die neue Spielzeit stecken.

Doch der Sportchef von Borussia Mönchengladbach hat seine Hausaufgaben schon gemacht.

Vier neue Spieler hat er bereits unter Vertrag genommen: Fabian Johnson, Yann Sommer, Andre Hahn und Ibrahima Traore werden in der neuen Saison das Gladbacher Trikot tragen.

Im SPORT1-Interview spricht Eberl über die Neuzugänge, den Verlust von Torwart Marc-Andre ter Stegen, dessen WM-Ausbootung - und eine weitere Entscheidung von Bundestrainer Joachim Löw.

SPORT1: Herr Eberl, die Saison ist gerade erst vorbei, doch Ihre Personalplanungen sind weitgehend abgeschlossen. Ein gutes Gefühl, oder?

Max Eberl: Es ist ja so, dass man relativ früh mit der Kaderplanung beginnt. Wir wussten ähnlich wie vor der letzten Saison, als wir mit Max Kruse, Raffael und Christoph Kramer Qualität verpflichteten, auch jetzt, dass wir auf den Außenbahnen noch zulegen wollen. Deswegen waren Spieler wie Hahn, Traore und Johnson sehr wertvoll für uns. Gerade bei Traore und Johnson mussten wir früh dran sein, weil sie ablösefrei waren, um dies dann zu unseren Gunsten drehen zu können. Bei Hahn gab es bis zu einem bestimmten Datum eine Ausstiegsklausel, da wussten wir, was wir machen wollten, denn wir haben einen klaren Weg. Davon waren die Spieler überzeugt und deshalb sind wir froh, dass wir frühzeitig wichtige Entscheidungen geklärt haben.

SPORT1: Der Wechsel von Marc-Andre ter Stegen zum FC Barcelona ist jetzt fix. Mit Sommer haben Sie auch auf der Position mehr als nur Ersatz gefunden?

Eberl: Absolut. Wir wussten seit Januar, dass Marc uns verlassen wird. Aber auch da hatten wir Vorarbeit geleistet, weil wir bei der Länge der Entscheidung natürlich wussten, dass es auch gegen Gladbach ausgehen kann. Wir konnten uns aber schon zeitig Gedanken machen und nach dem Entschluss von Marc, uns zu verlassen, mit Yann Sommer für das Tor neu planen. Auch darüber sind wir sehr froh, um gar kein großes Vakuum entstehen zu lassen.

SPORT1: Für Sommer wird es nicht leicht, in die Fußspuren seines Vorgängers zu treten?

Eberl: Marc-Andre ter Stegen hat eine phantastische Entwicklung hinter sich und noch große Zukunft vor sich. Yann Sommer ist ein Torwart, der in den letzten Jahren mit Basel immer Meister oder Pokalsieger wurde und in der Europa League und in der Champions League spielte. Er hat mit 25 Jahren schon enorme Erfahrung und kommt mit seinem Spiel unserem am meisten entgegen. Er ist ein anderer Typ als ter Stegen, aber mit ihm werden wir eine neue Ära im Tor beginnen. Er passt gut zu dem, was wir uns aufgebaut haben.

SPORT1: Die Schnelle Ihrer Transfers überrascht. Sind Sie ein wenig stolz auf sich?

Eberl: Stolz ist für mich das falsche Wort im Fußball. Wir sind froh, dass wir gute Entscheidungen, die von allen im Verein gefällt wurden, getroffen haben. Wir haben gute Jungs geholt. Der Trainer (Lucien Favre, Anm. d. Red.) hat natürlich mit den Spielern gesprochen und es gibt uns ein gutes Gefühl, dass wir diese Spieler rechtzeitig für uns gewinnen konnten und jetzt mit der beginnenden Transferperiode noch Feinjustierungen machen können für den neuen Kader. Darauf können wir uns jetzt konzentrieren.

SPORT1: Genießen Sie es, dass Sie dabei den ganz großen Zeitdruck nicht mehr haben?

Eberl: Man müsste ab und zu mehr genießen, heißt es so schön. Das ist bei mir aber weniger verankert. Das ist eine Schwäche von mir. Ich bin einer, der immer weiter kommen möchte, der schneller und noch besser werden will, also auch den Verein schneller aufstellen will. Die Kaderplanung ist jetzt der Trieb, den ich in mir verspüre. Das Wort Genuss hatte ich kurzzeitig mit dem Erreichen von Europa, aber jetzt denke ich schon an die neue Saison.

SPORT1: Sie sagen Sie wollen besser werden. Wie ist der nächste Schritt?

Eberl: Der nächste Schritt ist, dass wir die neue Saison bestmöglich starten, das heißt uns in den Europapokal-Playoffs für die Gruppenphase zu qualifizieren. Was das große Ganze von Borussia in der nächsten Saison angeht, da sind wir alle sehr realistisch. Wir wollen weiter und versuchen den Abstand zu den ganz großen Klubs zu minimieren. Die fünf Vereine vor uns haben Möglichkeiten, die wir nicht haben. Wir wollen unseren Weg gehen, werden dabei aber weiter keine verrückten Dinge machen. Wir werden den Leuten nichts versprechen nach dem Motto? wir waren Fünfter und werden jetzt Vierter?. Das funktioniert nicht. Wir müssen realistisch sein.

SPORT1: Wie überrascht waren Sie von der Nichtnominierung Ter Stegens für die WM?

Eberl: Natürlich kämpfe ich für meine Spieler, die es verdient hätten wie ein Max Kruse, ein Patrick Hermann oder auch ein Tony Jantschke, aber diese Entscheidungen hat der Bundestrainer zu fällen. Wir wünschen es unseren Spielern, dass sie die Auszeichnung bekommen, die sie aufgrund ihrer Leistungen auch verdient hätten. Es gibt Gründe, warum Spieler nicht nominiert werden, aber wichtig ist, dass die Jungs in der letzten Saison mit uns erfolgreich waren. Bei den Torhütern werden wir sowieso nie Probleme bekommen. Sollte Manuel Neuer irgendwann abtreten, stehen gute Jungs hinten an.

SPORT1: Max Kruse sorgte zuletzt für Negativschlagzeilen, weil er im November 2013 beim Länderspiel in England im Mannschaftshotel Damenbesuch empfangen haben soll. Dies soll ein Grund für seine Ausbootung gewesen sein. Was sagen Sie dazu?

Eberl: Natürlich habe ich darüber mit Max gesprochen. Ich kann diese Geschichte aber nur aus der Ferne bewerten, was ich gar nicht möchte. Ich habe zu Max ein super Verhältnis und ich denke, dass der Bundestrainer eine Entscheidung getroffen hat, die unabhängig von dieser Sache ist. So ganz kann ich diese nicht nachvollziehen. Ich glaube jedoch nicht, dass Jogi Löw einen guten Spieler zu Hause lässt, weil er vielleicht eine Dummheit gemacht haben soll. Jeder macht Fehler. Max hat mir gesagt, dass die Entscheidung gegen ihn sportlich war und das muss man am Ende auch akzeptieren.

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