Dietmar Beiersdorfer war bereits von 2002 bis 2009 beim HSV tätig © getty

Nach dem geglückten Klassenerhalt tobt beim Hamburger SV ein Machtkampf. Der Reformer von HSVPlus werben mit Beiersdorfer.

Von Denis de Haas

Hamburg - Durch den Klassenerhalt hat der Hamburger SV einen Flächenbrand vermieden. Doch nach den beiden Relegationsspielen gegen Greuther Fürth ( 894205 DIASHOW: Das Relegations-Rückspiel ) lodern die Störfeuer weiter:

Mittelfeld-Juwel Hakan Calhanoglu kokettiert öffentlich mit einem Wechsel zu Bayer Leverkusen.

Torjäger Pierre-Michel Lasogga sieht seine Zukunft außerhalb der Hansestadt.

Und zu allem Überfluss tobt noch ein Machtkampf zwischen den Bossen: Die Initiativen HSVPlus und HSV-Allianz zoffen sich um die künftige Ausrichtung des mit bis zu 100 Millionen Euro verschuldeten Klubs.

Allianz gegen fremde Investoren

Beide streben eine Ausgliederung der Fußballabteilung an. Der Unterschied: HSVPlus will den Verein für fremde Investoren zugänglich machen, die Allianz wehrt sich dagegen.

Der Showdown steigt am 25. Mai in der Hamburger Imtech Arena: An diesem Sonntag können die Mitglieder ihr Votum zur Zukunft des Vereins abgeben. HSV Plus braucht 75 Prozent der Stimmen, um sich durchzusetzen.

Die Reformer werben nun mit einem Mann, der für eine glorreiche Vergangenheit steht. Dietmar Beiersdorfer soll bei einem positiven Votum Vorstandschef einer HSV-Fußball-AG werden (SHOP: Jetzt Fanartikel vom Hamburger SV kaufen).

Vertrag in St. Petersburg

Der 50-Jährige arbeitete von 2002 bis 2009 als Sportdirektor bei den Norddeutschen, bis 2015 steht er noch bei Zenit St. Petersburg unter Vertrag. Unter Beiersdorfer waren die Hamburger Stammgast im internationalen Geschäft, nach seinem Abgang begann der schleichende Niederlage.

HSVPlus-Sprecher Karl Gernandt schmeichelt dem Wunschkandidaten. "Beiersdorfer ist der einzige deutsche Fußball-Manager, der internationale Anerkennung genießt", sagt der Intimus von Investor und Edel-Fan Klaus-Michael Kühne.

Gernandt soll bei einem Erfolg von HSVPlus den Aufsichtsrat führen, der ehemalige HSV-Profi Thomas von Heesen ist als sein Stellvertreter vorgesehen.

Kaltz wehrt sich gegen HSVPlus

Auch in der Allianz engagiert sich ein prominenter Ex-Fußballer: Manfred Kaltz, der mit von Heesen 1983 den Landesmeisterpokal gewann, schießt kurz vor der Abstimmung gegen HSVPlus. Hamburgs Rekord-Bundesligaspieler will nicht, dass sein "HSV verramscht wird".

Unabhängig vom Ausgang dieses Machtkampfes will und muss der HSV sparen. Die Gehaltskosten sollen von 43 auf 38 Millionen Euro gesenkt werden.

Doch für die Großverdiener Heiko Westermann, Rafael van der Vaart, Rene Adler oder Ivo Ilicevic wird der Verein nur schwer einen Abnehmer finden. Sie haben durch miserable Leistungen ihren Marktwert beschädigt.

Streng genommen gibt es im aktuelle Kader nur zwei Spieler, die Begehrlichkeiten wecken. Torjäger Pierre-Michel Lasogga und Mittelfeld-Juwel Hakan Calhanoglu würde der HSV natürlich gerne halten. Doch die Garanten des Klassenerhaltes wollen weg.

Interesse von Liverpool und Newcastle

Bei Lasogga sind die Hamburger ohnehin machtlos. Der Schütze des entscheidenden Tores in Fürth ist nur von Hertha BSC ausgeliehen - eine Kaufoption gibt es nicht. Englische Klubs wie der FC Liverpool, Tottenham Hotspur und Newcastle United sollen um Lasogga buhlen. Der Angreifer scheint nicht abgeneigt zu sein.

"Es ist ja kein Geheimnis, dass es schon als Kind mein Traum war, in der Premier League zu spielen", betonte Lasogga zuletzt.

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Calhanoglus Sehnsuchtsziel lautet, Champions League zu spielen. Das könnte er in Leverkusen. Die Rheinländer sind offenbar bereit, zwölf Millionen Euro für den Elf-Tore-Mann zu zahlen. "Mein Wunsch steht fest", sagte der Türke zuletzt der "Bild".

Leverkusen als Favorit

Calhanoglus Berater Bektas Demirtas bekräftigte zudem: "Aus Sicht des Spielers und des Umfelds wird Leverkusen favorisiert. Es wäre der nächste Schritt für Hakan, um international zu spielen."

Doch HSV-Sportchef Oliver Kreuzer schob einen Transfer zuletzt einen Riegel vor. "Er wird definitiv HSV-Spieler bleiben", sagte der 48-Jährige.

Ob Kreuzer sich auch künftig zur Personalentscheidungen äußern darf, ist fraglich. Sollte HSVPlus sich durchsetzen, steht auch er auf der Kippe.

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