Beim Hamburger SV darf es nach dem Klassenerhalt keine Kompromisse mehr geben. Zu einer Vereinsreform gibt es keine Alternative.

Der Hamburger SV hat den Klassenerhalt geschafft.

Mit Hängen, Würgen und auf der allerletzten Rille.

Das ist nicht ruhmreich. Aber immerhin prima für den Artenschutz. Der Dino lebt. Er röchelt zumindest noch.

Nach jetzigem Stand wäre eine sprunghafte Verbesserung seines Gesundheitszustandes ein Wunder.

Die handelnden Personen, ob sie nun gegen den Ball treten oder Verträge unterzeichnen, sind schließlich immer noch die gleichen.

Das muss sich ändern. Radikal, schnell und ohne Rücksicht auf Kompromisse - oder vergangene Verdienste.

Die Mannschaft in ihrer jetzigen Zusammenstellung ist zu schwach für die Bundesliga. Das haben nicht zuletzt die beiden Relegationsspiele gegen die SpVgg Greuther Fürth gezeigt.

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Die Gehaltsstruktur des Kaders hat mit dem sportlichen Gegenwert kaum etwas gemein.

Rafael van der Vaart ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Heiko Westermann die personifizierte Verunsicherung. Rene Adler weit von seiner einstigen Form entfernt. Marcell Jansen immer wieder verletzt.

Die Reihe ließe sich fortsetzen.

Der Ruf nach neuen oder besser anderen kostspieligen "Stars" wäre dabei ebenso falsch wie fatal. Das Geld für derartige Transfermanöver fehlt ohnehin.

Selbst wenn ein Verkauf von Top-Talent Hakan Calhanoglu eine stattliche Millionensumme in die Kassen spült.

Der HSV muss an der Wechselbörse jetzt schlau handeln. Weniger auf Namen als auf Potenzial setzen. Spieler entwickeln, ausbilden. So wie sie es Mainz oder Augsburg vormachen.

In die Kategorie dieser Klubs zurückzukehren, muss das erste Ziel sein. Vergleiche mit Schalke, Leverkusen oder gar Bayern und Dortmund sind vollkommen fehl am Platz.

Das muss auch das Umfeld lernen. Trainer Mirko Slomka braucht Zeit.

Doch der sportliche Bereich ist nicht die einzige Baustelle.

Auch die Struktur bedarf einer Reform. Dringend. Am kommenden Sonntag stimmen die Mitglieder über die Ausgliederung der Profiabteilung aus dem Gesamtverein ab.

Sollte das in der Vergangenheit immer wieder abgeschmetterte Vorhaben gelingen, besteht wieder ein wenig mehr Hoffnung.

Der Aufsichtsrat würde verkleinert, die Klubspitze neu besetzt, der Weg für Investoren wäre frei. Das klingt nach Revolution und ist es auch.

Sicherlich ist dieses Modell mit Risiken behaftet. Aber der von Schulden fast erdrückte Verein muss diese eingehen. Er hat schlicht keine Wahl.

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