Pep Guardiola geht beim FC Bayern keine Kompromisse ein. Vor dem Pokalendspiel gegen Borussia Dortmund bootet er Mandzukic aus.

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Aus Berlin berichten Tom Vaagt, Matthias Becker und Christian Ortlepp

Berlin - Der FC Bayern kann am Samstag das Double gewinnen.

Das ist für sich genommen keine Neuigkeit und doch scheint es dieser Tage einer gesonderten Erwähnung wert. Double. Das klingt nach Erfolg.

Nur Borussia Dortmund steht im DFB-Pokalfinale am heutigen Abend (ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER und bei SPORT1.fm) noch im Weg. Mit einem Sieg gegen den Erzrivalen können die Münchner nach der im Rekordtempo errungenen deutschen Meisterschaft auch den nationalen Cup gewinnen.

Alles prima also bei den Bayern? Irgendwie nicht. Dieses Eindrucks kann man sich zumindest nicht erwehren (KOMMENTAR: Guardiola macht ernst).

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Schadensbegrenzung im Pokal

Was noch vor ein paar Jahren zu einer Mischung aus gefühlsduseligem "Mia san mia" und enthemmten Jubelstürmen geführt hätte, wirkt nun wie Schadensbegrenzung. Wenn es mit dem Pokalsieg denn überhaupt klappt (SHOP: Jetzt Bayern-Fanartikel kaufen).

Es bestehen berechtigte Zweifel daran. Der BVB ist in erstklassiger Verfassung.

Die Bayern belastet mehr als die Ausfälle von Bastian Schweinsteiger, Franck Ribery - und nun auch David Alaba: Die Formkurve zeigt seit dem Blitztitel in der Bundesliga nach unten.

Bis zu diesem 3:1 am 25. März bei Hertha BSC war in München alles "super, super", wie der im Sommer verpflichtete Startrainer Pep Guardiola Großartiges gern bezeichnete. Der Superlativ war nicht mehr gut genug.

Mittlerweile hat er das gedoppelte super schon länger nicht mehr gesagt.

"Eine gute Saison"

"Wenn man die Meisterschaft gewinnt, ist es eine gute Saison", betonte Guardiola am Freitag. Er hat dies schon oft wiederholt. Ein Mantra. Für das eigene Bewusstsein und das der Öffentlichkeit.

Angesprochen auf eine mögliche Niederlage gegen die Dortmunder sagte Guardiola auch: "Aber nach dem, was hier letztes Jahr passiert ist, wäre es dann eine katastrophale Saison."

Es ist zuweilen schwierig, aus dem durchaus passablen, aber keineswegs perfekten Deutsch des Spaniers die Untertöne herauszulesen. In diesem Fall war es aber einfach. Guardiola ist Vergleiche mit der vergangenen Spielzeit leid und antwortet zunehmend mit beißender Ironie.

Das Bessere ist der Feind des Guten. Und Triple ist nun einmal mehr als Double oder gar Single - sollte es einzig beim Triumph in der Bundesliga bleiben.

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Guardiola steht unter Druck

Guardiola weiß das. Er steht unter Druck. Das spürt man.

Nach der Meisterschale, dem DFB-Pokal und dem Henkelpott für den Sieg in der Champions League hatten ihn die Bayern im vergangenen Sommer wie eine vierte Trophäe präsentiert. Die Münchner feierten ihren Coup. Und alle machten mit.

Was sein Vorgänger Jupp Heynckes perfektioniert hatte, sollte Guardiola noch steigern. Wie dies gelingen sollte, schien zu diesem Zeitpunkt fast egal. Schließlich gab es keinen Zweifel: Wenn es jemand schafft, dann dieser Wundertrainer aus Barcelona.

Netzer: Keine Zweifel an Guardiola

Es wäre jetzt falsch, nach den Ereignissen der vergangenen Monate Guardolas Qualitäten in Frage zu stellen. An der Säbener Straße würde dies ohnehin auch heute noch als Majestätsbeleidigung gelten.

"Es wäre völlig absurd, an Guardiola zu zweifeln. Dieser Mann hat einen Fußball nach Deutschland gebracht, der einzigartig ist", sagt Ex-Nationalspieler Günter Netzer im Gespräch mit SPORT1:

"Da kann man sich auch mal eine Schwächephase nehmen."

In der Tat hat Guardiola vieles richtig gemacht. Aber eben auch nicht alles. Und die Formdelle kommt zur Unzeit.

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Blamage gegen Real Madrid

Als die Meisterschaft unter Dach und Fach war, erklärte Guardiola die Bundesliga kurzerhand für beendet.

Er begann, seine Stammelf noch mehr als ohnehin schon durcheinander zu wirbeln. Probierte aus, testete.

Der Rhythmus ging verloren und mit ihm die Hoffnung auf die Titelverteidigung in der Champions League. Das 0:4 im Halbfinal-Rückspiel gegen Real Madrid war mit dem Selbstverständnis eines Triple-Gewinners nicht vereinbar. Eine Vorführung. Eine Schmach. Ein Debakel.

Mandzukic als erstes Opfer

Bis heute hat man sich in München davon nicht richtig erholt. Da können danach noch so viele Meisterschalen überreicht werden.

Guardiola, dieser Guru des modernen Spiels, hatte den Taktik-Poker gegen Reals Carlo Ancelotti haushoch verloren. Er nahm die Schuld allein auf sich. Zumindest öffentlich.

Dass der Trainer aber auch einigen Spielern die Leistung gegen Madrid nicht verziehen hat, wurde spätestens am Freitag deutlich.

Stürmer Mario Mandzukic, gegen Real in beiden Spielen schwach, wurde nicht in den Kader für das Pokal-Endspiel berufen. Mehr noch: Er muss sich offenbar einen neuen Verein suchen (BERICHT: Mandzukic wird gestrichen und flüchtet).

"Mandzukic ist ein Spieler, der in Guardiolas System eigentlich nicht so wirklich vorgesehen ist", sagt Netzer: "Er will sein Denken über Fußball und seine Art der Mannschaftsführung durchsetzen ? und fängt damit wohl jetzt an."

Zeit der Kompromisse vorbei

Man kann an dieser Personalie folglich vieles fest machen. Vor allem, dass Guardiola ernst macht und die Zeit der Kompromisse vorbei ist. Wer nicht spurt oder schlicht nicht ins Konzept passt, bleibt auf der Strecke.

In Barcelona musste dies schon Superstar Zlatan Ibrahimovic erfahren.

Im derzeitigen Bayern-Kader sorgt dies durchaus für Verunsicherung. Manch ein Spieler soll sich bereits fragen, welche Rolle er in Guardiolas zukünftigen Gedankenspielen einnimmt.

Der Trainer wird in den kommenden Wochen an einem Kader basteln, der seiner ist. Bestehend aus aktuellem Personal und einigen neuen Gesichtern.

Die Veränderungen könnten dabei durchaus größer ausfallen. Denn das Triple soll kein Einzelfall bleiben. Guardiola erwartet das von sich. Vielleicht noch mehr als die Bayern dies tun.

Seine Arbeit hat begonnen.

Die voraussichtliche Aufstellung des FC Bayern

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