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Der HSV taumelt nach dem Hinspiel gegen Fürth dem Abstieg entgegen. In der Realität ist man aber noch immer nicht angekommen.

Aus Hamburg berichtet Tom Vaagt

Hamburg - Auf dem Rasen bildeten sich elf kleine Häufchen Elend.

Wahlweise sanken die Profis des Hamburger SV in sich zusammen, beugten sich geknickt nach vorn oder plumpsten erschöpft zu Boden.

0:0 im Relegations-Hinspiel (Bericht). Gegen die insgesamt sogar überlegene SpVgg Greuther Fürth. Kein Tempo, keine Ideen, kein gar nichts. Gegen einen Zweitligisten. Vor eigenem Publikum.

Die Dinodämmerung geht weiter. Zumindest noch 90 Minuten. Dann ist womöglich Schluss. ( 891820 DIASHOW: Die Relegation )

Im Rückspiel am Sonntag (ab 16.30 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) braucht der HSV mindestens ein Unentschieden mit einem oder mehr selbst erzielten Toren. Sollte dies gelingen, hätte man den ersten Abstieg der Vereinsgesichte gerade noch vermieden - trotz sieben siegloser Spiele zum Saisonende.

Das wäre eigentlich kein Grund zu feiern. Das bliebe eine Schreckensbilanz.

Die Uhr streikt

"Auswärtssieg, Auswärtssieg", brüllten Hamburgs Fans nach dem Abpfiff des ersten Endspiels um den Klassenerhalt. Es war Trotz. Die Hoffnung, dass drei Tage später doch noch alles gut wird. Pfiffe gab es keine. Der Ärger ist längst der Angst gewichen.

Oben in der Stadionecke lief diese ominöse Uhr und zählte tapfer weiter Bundesliga-Minuten. Es wirkt wie ein Countdown, der vorwärts läuft.

Dass nach dem Abpfiff die Zahlen von den Displays verschwanden, hatte fast mehr als Symbolcharakter - auch wenn der Klub es am Tag darauf logisch zu erklären wusste: (SHOP: Jetzt Fanartikel vom Hamburger SV kaufen).

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Flucht vor der Realität

In den Stadionkatakomben angekommen, sagten die Hamburger vieles, was sie schon seit Monaten sagen.

"Wir haben noch alle Möglichkeiten", befand Trainer Mirko Slomka. "Ich denke immer positiv. Ein großartiger Verein wie der HSV gehört in die Bundesliga", verkündete Kapitän Rafael van der Vaart. "Ich habe noch große Hoffnung", erklärte Top-Talent Hakan Calhanoglu.

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Stürmer Pierre-Michel Lasogga sagte dann doch noch etwas, das überraschte. "Wir", setzte der 22-Jährige mit Blick auf das Rückspiel an, "sind von der Qualität ganz klar im Vorteil. Auf jeder Position besser besetzt."

In den 90 Minuten zuvor hatte man diese vermeintliche Überlegenheit allerdings gut verbergen können. Die Aussage des Stürmers verdeutlicht, wie sehr der HSV in seiner eigenen Welt gefangen ist. Man flüchtet vor der Realität und kann sie somit auch nicht ändern.

Dass Lasogga dann noch seine Überzeugung kundtat, "dass wir das Ding nächste Woche ziehen können", rundete das Bild ab.

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Slomkas Bilanz erschreckend

Der Klub hat einen großen Namen, zahlreiche Spieler auch. Doch das allein reicht nicht. Der Ertrag ist seit Monaten winzig.

Daran konnte auch Slomka nichts ändern. Der 46-Jährige ist der dritte HSV-Trainer in der aktuellen Saison. Nach Thorsten Fink und Bert van Marwijk. Viel bewegt hat er nicht. Drei Siege in 14 Spielen.

Mit Hannover 96 hatte Slomka bis zu seiner dortigen Entlassung im vergangenen Dezember zweimal die Europa League erreicht. Seine Mannschaften spielten immer dann am besten, wenn sie die Gegner förmlich überrannten.

Bei den Niedersachsen gab es lange die goldene Regel: Zwischen Ballgewinn und Torabschluss dürfen maximal zehn Sekunden liegen.

Einzige Hoffnung: Standardsituationen

Der ohnehin fragwürdig zusammengebastelte HSV-Kader ist für diese Art der Spielweise nicht gemacht. Er ist in weiten Teilen schlicht zu langsam.

Folglich tüftelt Slomka seit seinem Amtsantritt an anderen taktischen Rezepten. Bisher erfolglos.

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"Wir haben viel zu wenige Standardsituationen herausgeholt", bemängelte der Trainer nach dem Unentschieden gegen Fürth. Er hätte auch sagen können, dass das spielerische Vermögen seines Teams selbst gegen einen Zweitligisten nicht ausreicht.

Ruhender Ball und Calhanoglu statt schneller Kombinationen und Abschluss aus dem Spiel heraus. Ein Armutszeugnis.

Auswärtsschwäche verheerend

Auch Slomkas anschließende Ausführungen machten die Sache nicht besser: "Wir müssen in Fürth gar keinen Auswärtssieg schaffen. Es würde ja ein 1:1 reichen."

Das hört sich nicht gerade nach Kampfansage an. Das klingt nach Angst.

Ein Blick auf die Statistik erklärt die Gründe: Seit fast sieben Monate ist der HSV auf fremdem Platz ohne Sieg. Slomka selbst gewann auswärts zuletzt am 26. April 2013 ? in Fürth.

Fürth: "Haben die Qualität"

Die Franken wird dies kaum beeindrucken. Während Hamburgs Profis von Hoffnung sprachen, strahlte Fürth diese aus.

"Wir haben allen gezeigt, dass wir die Qualität für die erste Liga haben", sagte Torhüter Wolfgang Hesl: "Jetzt freuen wir uns auf Sonntag."

Für den HSV dürfte das wie eine Drohung klingen.

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