Ilir Azemi (l.) hat in der Zweiten Liga 14 Tore für Fürth erzielt. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder der Relegation © getty

Der HSV gerät immer mehr unter Druck. Auch in der Relegation gegen Fürth präsentieren die Hamburger kaum erstligatauglich.

Aus Hamburg berichtet Tom Vaagt

Hamburg - Der Hamburger SV ist den Nachweis seiner Bundesligatauglichkeit auch im Hinspiel der Relegation über weite Strecken schuldig geblieben.

Die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka kam im heimischen Stadion nicht über ein insgesamt beinahe glückliches 0:0 gegen die SpVgg Greuther Fürth hinaus und gerät im Kampf gegen den ersten Erstliga-Abstieg der Vereinsgeschichte immer mehr unter Druck.

Im zweiten Duell am kommenden Sonntag bei den Franken benötigt der HSV nun mindestens ein Unentschieden mit einem oder mehr selbst erzielten Toren. Ein Auswärtssieg erscheint beim Blick auf die Statistik ohnehin in weiter Ferne ( 891820 DIASHOW: Die Relegation ).

Auf fremdem Platz gewannen die Hamburger zuletzt vor fast sieben Monaten.

HSV ohne Tempo und Ideen

Vor 57.000 Zuschauern in der Imtech-Arena war im ersten Durchgang nichts von einem Klassenunterschied zwischen dem 16. der Bundesliga und dem Zweitligadritten zu sehen. Der HSV wirkte im Spiel nach vorn engagiert, brachte aber kaum etwas Zwingendes zustande.

Wenig Tempo, keine Ideen ? die diszipliniert agierten Gäste konnte die Bemühungen problemlos an ihrer Defensive abprallen lassen.

HSV-Stürmer Pierre-Michel Lasogga, der seinem Klub im vergangenen Februar einen 1:0-Sieg im DFB-Pokal gegen die Fürther beschert hatte, kam meist nur mit dem Rücken zum gegnerischen Tor an den Ball (SHOP: Jetzt Fanartikel vom Hamburger SV kaufen).

"Wir haben uns für meinen Geschmack zu lange abgetastet. Wir haben zu lange gebraucht, um in die Partie hineinzukommen", sagte Hamburgs Trainer Mirko Slomka nach dem Spiel bei "sky".

Van der Vaart erneut schwach

Auch sein Kapitän Rafael van der Vaart, der bei den Hamburgern mit einem geschätzten Jahresgehalt von rund 3,5 Millionen beinahe die Hälfte des gesamten Fürther Personaletats einstreicht, blieb einmal mehr unter seinen Möglichkeiten.

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Einzig der von zahlreichen Top-Klubs umworbene Hakan Calhanoglu sorgte vereinzelt für Gefahr. In Bedrängnis gerieten die Gäste bei seinem Freistoß aus 25 Metern (18.) und einem Schuss aus halblinker Position (44.) aber nicht.

Weitaus näher an der Führung waren zunächst die Fürther. Besonders Ilir Azemi, der mit der Empfehlung von 13 Toren aus den vergangenen 13 Punktspielen in die Partie gegangen war, brachte die Hamburger Hintermannschaft immer wieder Durcheinander.

Westermann auf der Bank, Adler verletzt

Dabei hatte HSV-Trainer einen Unsicherheitsfaktor der vergangenen Wochen beim Anpfiff auf der Bank gelassen. Statt Heiko Westermann bildete Johan Djourou gemeinsam mit Michael Mancienne die Innenverteidigung.

Auch im Tor gab es eine Veränderung: Rene Adler meldete sich aufgrund von Rückenbeschwerden kurz vor dem Anpfiff ab. Jaroslav Drobny, der bei seinen vier Saisoneinsätzen stets dreimal hinter sich greifen musste, übernahm ? und wurde zum besten Hamburger des ersten Abschnitts.

Zweimal rettete der Tscheche in höchster Not gegen Azemi (26. und 45.+1) und hielt das letzte in der Erstklassigkeit verbliebene Gründungsmitglied der Bundesliga im Spiel.

Seine Vorderleuten verdeutlichten hingegen ein ums andere Mal, warum man in der Liga stattliche 75 Gegentreffer kassiert hatte.

Frust zur Pause

Zur Pause war der Frust folglich spürbar. Zwischen Lasogga und Petr Jiracek kam es noch auf dem Weg in die Kabine zu einem intensiven Meinungsaustausch.

Als Weckruf taugte dies allerdings nicht. Eine Leistungssteigerung der Hamburger blieb auch zu nach dem Seitenwechsel aus. Stattdessen übernahmen die Fürther nach Wiederbeginn erst einmal klar das Kommando.

Zunächst verfehlte der gänzlich unbedrängte Niko Gießelmann das Tor der Hamburger per Kopf knapp (51.). Zwei Minuten später fehlten Nikola Djurdjic nur wenige Zentimeter an Körpergröße ? sonst hätte der Angreifer mit ausgestrecktem Bein für die Gäste-Führung gesorgt.

Die Chancen hatte Frank Kramer hinterher auch vor Augen, als er die Partie analysierte. "So wie das Spiel heute gelaufen ist, hätten wir mehr mitnehmen müssen", sagte Fürths Trainer.

HSV mit fünf starken Minuten

Er sah einen HSV, der es weiter an Struktur im Spiel nach vorn vermissen ließ. Immerhin brachte Lasogga den Ball nach 65 Minuten mal auf das gegnerische Tor. Gäste Keeper Wolfgang Hesl hatte mit dem Kopfball jedoch keine Probleme.

Offenbar angespornt von dieser halbwegs gelungenen Aktion schalteten die Hamburger nun einen Gang höher und wären fast belohnt worden.

Lasoggas Treffer aus Abseitsposition wurde aber zu Recht nicht anerkannt (67.). Der Angreifer ärgerte sich trotzdem

Es folgten Fernschüsse von Tomas Rincon (68.) und Calhanoglu (89.). Die Hamburger schienen Mut geschöpft zu haben. Doch es blieb ein Strohfeuer.

Die Gäste konnten das Spiel schnell wieder beruhigen und spielten ihrerseits wieder nach vorn. Für einen Torerfolg reichte es aber nicht mehr.

Lasogga kam für den HSV noch einmal vielversprechend zum Abschluss, scheiterte aber an Hesl (85.).

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