Wolfgang Wolf startete seine Trainer-Karriere 1994 bei den Stuttgarter Kickers © getty

Wolfgang Wolf ist neuer Sportlicher Leiter des 1. FC Nürnberg. Bei SPORT1 spricht er über seine Aufgabe - und die Kritik am Chef.

Von Reinhard Franke

München - Der 1. FC Nürnberg richtet nach dem Abstieg den Blick wieder nach vorne - ein erster wichtiger Schritt ist gemacht.

Sportvorstand Martin Bader hat Wolfgang Wolf als neuen Sportlichen Leiter installiert, der ihn unterstützen soll.

Die genaue Stellenbezeichnung von Wolf: Leiter der Fußballabteilung.

Der 56-Jährige ist kein Unbekannter beim fränkischen Traditionsverein. Von 2003 bis 2005 war Wolf Trainer der Nürnberger, folgte damals auf Klaus Augenthaler und übernahm den Verein in akuter Abstiegsnot.

Wolf konnte den Absturz ins Unterhaus zwar nicht mehr verhindern, doch 2004 gelang ihm der direkte Wiederaufstieg. Zudem holte er Identifikationsfiguren wie Marek Mintal, Raphael Schäfer und Javier Pinola zum Club - auch Bader kam auf sein Betreiben. Nun werden die beiden erneut ein Team bilden.

In seinem ersten Interview im neuen Job spricht Wolf über seine Aufgaben, die Mission Wiederaufstieg und die Machtaufteilung mit Bader.

SPORT1: Herr Wolf, wie fühlt es sich an, wieder im Geschäft zu sein?

Wolfgang Wolf: Seit zehn Tagen wusste ich von dem Interesse des Clubs. Ich bin natürlich froh, dass es geklappt hat. Jetzt ist alles fix und ich freue mich auf die neue Aufgabe.

SPORT1: Die meisten nehmen Sie als Trainer wahr, Ihre kommende Aufgabe ist trotzdem kein Neuland für Sie.

Wolf: Stimmt: Bis auf Wolfsburg habe ich in jedem meiner früheren Vereine in Doppelfunktion gearbeitet. Jetzt bin ich wieder beim Club und will Herrn Bader und den neuen Trainer unterstützen.

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SPORT1: Was ist konkret Ihr Aufgabengebiet?

Wolf: Ich bin für die ganze Fußballabteilung zuständig. Vom Cheftrainer über die Mannschaft und die U-Mannschaften bis hin zum Leistungszentrum.

SPORT1: Ihre letzte Station war 2012 mit mäßigem Erfolg Hansa Rostock. Hatten Sie Angst, dass das die Endstation sein würde?

Wolf: Nein. Ich hätte zum 1. Juli wieder etwas gemacht und das war kurz vor dem Abschluss, aber als mich Martin Bader anrief, musste ich nicht lange überlegen. Das war für mich eine klare Bauchentscheidung, weil ich wieder nach Hause komme. Ich kenne die Leute im Verein und weiß, was mich beim Club erwartet. Es wird keine leichte Aufgabe, aber wichtig ist, dass ich hier etwas bewegen kann. Ich will meine Ideen diskutieren und versuchen durchzudrücken.

SPORT1: Sie sind also nicht nur der "Frühstücksdirektor", wie böse Zungen schon behaupten?

Wolf: Totaler Blödsinn. Egal, wer kommt, dann heißt es gleich, der wurde nur vorgeschoben, dass Ruhe ist. Ich bin nicht der Typ, der neu kommt, sich an den Schreibtisch setzt und zu allem Ja und Amen sagt. Das war noch nie mein Ding. Es wird schon auch mal heiße Diskussionen geben. (Bild-Copyright: Imago)

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SPORT1: Martin Bader wurde nach Jahren toller Arbeit nun nach dem Abstieg schwer attackiert. Etwas ketzerisch gefragt: Sind Sie der Aufpasser von ihm?

Wolf: Natürlich nicht. Ich weiß, wie akribisch er arbeitet und dass er in der Vergangenheit Riesenerfolg hatte, vor allem bei der Personalplanung. Es ist nicht so leicht das bei einem Traditionsverein längerfristig zu machen. In meinen Augen hat er wenig Fehler gemacht. Dass man Fehler gemacht hat bei einem Abstieg, ist doch klar. Aber auf Bader draufzuhauen, ist nicht fair. Er ist nicht der Sündenbock für den Abstieg und ich bin nicht der Aufpasser von Bader. Wenn er jetzt mit mir eine zusätzliche Kraft dazuholt, die die Materie Fußball kennt als Trainer und Manager und ich dazu beitragen kann, dass hier wieder Ruhe einkehrt, dann hat Bader alles richtig gemacht.

SPORT1: Aber macht er sich nicht unnötig klein und gibt den Kritikern Futter?

Wolf: Ich sehe es nicht so, dass Bader jetzt entmachtet wird. Mit mir kommt einfach weitere Kompetenz hinzu. Er hat nichts abgegeben, er hat ja auch noch andere Aufgaben. Er will einfach Unterstützung haben. Im Ergebnis werden wir sowieso eine Meinung haben. Ich deckel die eine Situation ab, er die andere, dann diskutieren wir darüber und schließlich werden wir zusammen eine Entscheidung treffen. Wir werden einen Weg gehen. Wir entscheiden alles im Team.

SPORT1: Herr Bader ist als Sportvorstand Ihr Chef, man begegnet sich aber auf Augenhöhe?

Wolf: Er wird immer die finalen Gespräche führen. Aber bei der Kaderplanung und Trainerverpflichtung sind wir gleich gestellt. Nochmal: Wir wollen eine Richtung gehen. Er weiß, dass ich genug Erfahrung habe. Natürlich werde ich die eine oder andere Personalentscheidung anders sehen als er, aber das kann ja nur befruchtend sein.

SPORT1: Ist damit der Trainerjob für Sie kein Thema mehr?

Wolf: Beim Club mit Sicherheit. Ich weiß aus meiner eigenen Erfahrung, was Trainer wollen und was sie nicht wollen. Ich werde beim Club den Trainer absolut unterstützen und den Trainer Wolf wird es für längere Zeit nicht mehr geben.

SPORT1: Wie soll der neue FCN denn aussehen?

Wolf: Erst mal wollen wir den geeigneten Trainer für den Club finden.

SPORT1: Und wie soll der neue Trainer sein?

Wolf: Wir haben schon ein Anforderungsprofil erstellt und sind in Gesprächen. Wir werden mit erfahrenen und jungen Trainern sprechen. Wir müssen vor allem ein Gefühl für ihn entwickeln. Und der neue Mann muss wissen, was auf ihn zukommt. Dann werden wir mit ihm entscheiden, welche neuen Spieler wir holen und wen wir nicht mehr haben wollen. Das sind die nächsten Schritte, die wohl bedacht sein müssen.

SPORT1: Wie kann der Wiederaufstieg gelingen?

Wolf: Wir brauchen eine konkurrenzfähige Mannschaft und einen Trainer, der das mitträgt. Wenn du abgestiegen bist, willst du das gleich wieder reparieren. Das wird aber im nächsten Jahr enorm schwer. RB Leipzig kommt noch dazu. Das wird ein verdammt schwerer Gang und du brauchst eine starke Truppe mit einem Riesen-Zusammenhalt und vertrauen. Ich bin nicht gekommen, um ewig in der Zweiten Liga zu sein.

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