Mit dem HSV vor ungewisser Zukunft: Mirko Slomka, Rafael van der Vaart, Hakan Calhanoglu (v.l.) © getty

Für den HSV geht es in der Relegation gegen Fürth beinahe um alles. SPORT1 blickt auf die Folgen eines möglichen Abstiegs.

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Aus Hamburg berichtet Tom Vaagt

Hamburg - Mirko Slomka will den Druck offenbar einfach weglächeln.

Der Trainer des Hamburger SV gab sich in den Tagen vor dem Relegations-Hinspiel am Donnerstag gegen die SpVgg Greuther Fürth betont locker und gelöst. Er will seinen Profis die Angst nehmen, will für Zuversicht sorgen.

Slomka weiß, was passieren würde, wenn diese Strategie nicht zum Erfolg führt: Ein Abstieg würde den Traditionsklub erschüttern - und an den Grundfesten des Bundesliga-Gründungsmitglieds rütteln.

SPORT1 beleuchtet die Folgen, die eine Niederlage in den Relegationsspielen für den HSV haben würde.

Was würde der Abstieg finanziell bedeuten?

Schon jetzt drücken den Verein rund 100 Millionen Schulden. Dieser Berg wäre in der zweiten Liga noch schwieriger als eine Klasse höher abzutragen.

Die TV-Einnahmen von zuletzt rund 20 Millionen Euro würden sich selbst im Falle eines direkten Wiederaufstiegs mehr als halbieren. Manche Sponsorenverträge sind an die Ligazugehörigkeit gekoppelt. Beim Abstieg stünden hier rund 30 Prozent weniger Einnahmen zur Verfügung.

Zudem wäre der Verkauf von Dauerkarten und Logen ungleich schwieriger. All das könnte sogar zu Schwierigkeiten bei der Lizenzvergabe führen.

"Das Entscheidende bei der Lizenzvergabe ist die Liquidität. Die muss sichergestellt sein. Wenn die Lizenzspielerabteilung ausgegliedert wird, sieht es wirtschaftlich deutlich besser aus", sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball bei SPORT1.

Als mögliche Rettung sehen viele Beobachter folglich die Initiative HSVplus an.

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Was ist HSVplus?

HSVplus nennt sich eine Initiative, die die Profiabteilung aus dem Gesamtverein ausgliedern will. Die Entscheidung über diese Reform fällt auf einer Mitgliederversammlung am 25. Mai. Um die Vereinsstrukturen zu ändern, ist eine Dreiviertelmehrheit nötig.

In der Folge könnten Klubanteile an einen Investor verkauft werden. Dadurch sollen der Aufbau einer neuen Mannschaft und die Schuldentilgung gewährleistet werden. Kritiker der Initiative entgegnen, dass die Anteilsabgabe aufgrund der sportlichen Misere zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt käme. Sie befürchten einen Verkauf unter Wert.

Als Hauptinteressent für derartige Investitionen gilt Milliardär Klaus-Michael Kühne. Der Milliardär stellte dem Klub zudem eine Bürgschaft zur Erlangung der DFL-Lizenz in Aussicht - unabhängig von der Ligazugehörigkeit. Allerdings nur, wenn sich HSVplus mit seinem Vorhaben durchsetzt.

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Was passiert mit Trainer Slomka und Sportchef Kreuzer?

Beide wollen auf jeden Fall bleiben. Ob sie dürfen, hängt nicht unwesentlich von den Entwicklungen rund um HSVplus ab. Slomka hat dabei die besseren Karten.

Zwar könnte der Coach angeblich für eine verhältnismäßig geringe Abfindung in Höhe von 350.000 Euro aus seinem bis 2016 datierten und auch für die zweite Liga gültigen Vertrag entlassen werden. Doch sein Nachfolger wäre dann der siebte HSV-Cheftrainer in fünf Jahren.

Zudem ist Slomka der Abstieg nicht wirklich anzukreiden. Er übernahm das Team bereits am Abgrund. Bei Kreuzer ist der Fall etwas anders gelagert. Der Manager ist zwar auch noch kein Jahr im Amt, steht aber trotzdem unter erheblichem Druck und könnte gezwungen sein, einem neuen Mann Platz zu machen (SHOP: Jetzt HSV-Fanartikel kaufen).

[kaltura id="0_7jjulx5r" class="full_size" title="Seeler fordert Kampf und Umbruch"]

Welche Spieler haben einen Vertrag für die zweite Liga?

Fast alle ? und das ist ein ernsthaftes Problem. Völlig unabhängig von der sportlichen Qualität des Personals ist der HSV im Falle eines Abstiegs zum Umbruch gezwungen.

Top-Verdiener wie Rafael van der Vaart (ca. 3,5 Millionen Euro pro Jahr), Rene Adler (ca. 2,8) oder Heiko Westermann (ca. 2,5) wären nicht mehr zu finanzieren. Das Gehaltsbudget müsste von derzeit etwa 40 Millionen Euro auf 25 Millionen gekürzt werden.

Nach den desaströsen Leistungen der vergangenen Saison dürfte es allerdings kaum Interessenten für die kostspieligen Kicker geben. Andere Spieler stehen auf mancher Wunschliste hingegen ganz oben.

Allen voran Top-Talent Hakan Calhanoglu. Der Türke wäre wohl kaum zu halten, könnte durch eine satte Ablöse aber zumindest die Finanznot ein wenig lindern.

Wird die Stadionuhr bei einem Abstieg abmontiert?

Zu einem Abbau der Stadionuhr, die seit rund 13 Jahren tickt und die Zeit der Erstligazugehörigkeit des HSV widergibt, käme es zunächst nicht. Angeblich wären die Kosten zu hoch.

Im Falle des Abstiegs würde sie jedoch angehalten werden. Auch für Maskottchen Hermann könnte es eng werden. Schließlich steht der Plüsch-Dino für das größte Alleinstellungsmerkmal des Vereins: Als einziges Gründungsmitglied der Bundesliga sind die Hamburger noch nie abgestiegen.

Ist damit nach dem Rückspiel am Sonntag Schluss, steht auch Hermann vor schwierigen Tagen. Der Verein hat noch nicht über sein Schicksal entschieden.

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Welche Folgen hätte der Abstieg für die Stadt?

Wie ein Hamburger Wirtschaftsinstitut errechnete, würde ein Abstieg des HSV die Stadt rund 20 Millionen Euro kosten.

Rund 740 Arbeitsplätze hängen am Klub, dazu kommen 1500 Teilzeitkräfte an den Spieltagen. Auch für Hamburgs Renommee wäre es wenig förderlich, hätte man künftig keinen Bundesligisten zu bieten. Kein Wunder, dass sich der Erste Bürgermeister zuletzt vereinsnah gab.

Am Mittwoch stattete Olaf Scholz den Profis einen Besuch in der Kabine ab. "Das war sehr speziell, sehr besonders, eine fantastische Geste", sagte Slomka.

Man wird sehen, ob sie Slomka dabei half, seinen Spielern die Angst zu nehmen.

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