Hakan Calhanoglu startete seine Profi-Karriere 2011 beim Karlsruher SC © getty

Beim Hamburger SV liegt die volle Konzentration auf der Relegation gegen Fürth. Hakan Calhanoglu ist begehrt und will die Rettung.

Von Reinhard Franke

München - Die Stadion-Uhr in der Imtech-Arena läuft und läuft und läuft.

Auf ihr ist die Bundesligazugehörigkeit des Hamburger SV abzulesen. Seit dem Start vor 51 Jahren ist der norddeutsche Traditionsverein schon dabei, was ihm den Namen Dino der Liga einbrachte.

Doch wie lange wird der Dino sich noch Erstligist nennen können?

Der HSV hat sich mit Ach und Krach in die Relegation geschleppt, dort wartet am Donnerstag (ab 20 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) mit dem Heimspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth das erste Endspiel auf die Hamburger. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Am Sonntag spielt das Team von Trainer Mirko Slomka dann in Franken. Für Hakan Calhanoglu und seine Mitspieler geht es in diesen beiden Partien um Alles oder nichts.

Klares Ziel: Klassenerhalt

"Wir haben kein Ziel erreicht, weil wir jetzt die Relegationsspiele bestreiten. Unser Ziel ist der Klassenerhalt, nichts anderes", sagt Calhanoglu im Gespräch mit SPORT1.

Und er fügt hinzu: "Wir haben jetzt zwei Endspiele vor der Brust, um dieses Ziel zu erreichen. Wir gehen mit großem Willen und der einmaligen Unterstützung unserer Fans in die beiden Begegnungen mit Fürth."

Der 20 Jahre alte Mittelfeldspieler ist einer der ganz wenigen Lichtblicke in einer katastrophalen Saison, in der dem HSV der erste Abstieg aus der Bundesliga droht.

Mit seinen starken Leistungen hat Calhanoglu allerdings auch das Interesse anderer Klubs auf sich gezogen. Zunächst wurde er mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht, zuletzt flirteten Calhanoglu und sein Berater heftig mit Bayer Leverkusen und sorgten so vor den Endspielen für Unruhe.

Verständnis für Kritiker

Calhanoglu versprach bei Facebook allerdings, sich voll und ganz auf die Spiele konzentrieren.

Und er zeigt Verständnis für alle Kritiker und Nörgler, die behaupten, der HSV habe diese zwei Spiele nur erreicht, weil der 1. FC Nürnberg und Eintracht Braunschweig noch schlechter waren.

"Natürlich kann ich die Kritiker verstehen. Den Saisonverlauf hatten wir uns alle anders vorgestellt", sagt er, "aber darüber müssen wir jetzt nicht sprechen."

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Favoritenrolle für HSV

Trotz allem hat der HSV die Favoritenrolle inne. Wie geht das Team damit um? "Die einzige Antwort auf diese Frage können wir am Donnerstag und am Sonntag auf dem Platz geben", sagt Calhanoglu selbstbewusst. (SHOP: Jetzt Fanartikel vom Hamburger SV kaufen)

Das sagt immerhin einer, der gerademal ein Jahr Bundesliga auf dem Buckel hat und schon Attribute wie Zauberjunge, Wunderknabe oder Hoffnungsträger über sich lesen darf.

Eine Belastung ist das für ihn offenbar nicht. "Die Frage wurde mir oft gestellt in den vergangenen Wochen", meint Calhanoglu verschmitzt lächelnd: "Man wacht ja nicht mit dem Gedanken auf, dass man ein Hoffnungsträger ist. Ich probiere immer nur, meiner Mannschaft zu helfen."

[kaltura id="0_1mljp5i3" class="full_size" title="HSV hofft auf die letzte Chance"]

"Da bin ich voll im Spiel"

Natürlich habe auch er Druck gespürt, "aber auf dem Platz will ich nur mein Ding machen. Da bin ich voll im Spiel."

Für den gebürtigen Mannheimer wäre es "das Schönste wenn wir es am Ende schaffen. Und wenn ich weiß, dass ich dann einen Teil dazu beigetragen habe."

Für ihn wäre es dann wohl ein schönes Abschiedsgeschenk, denn neben Leverkusen und den Bayern sollen auch internationale Top-Klubs wie Galatasaray Istanbul, Juventus Turin und Atletico Madrid ein Auge auf den schuss- und dribbelstarken Spieler geworfen haben. ( 840492 DIASHOW: Der Transfermarkt )

Das mache ihn "schon stolz", so der HSV-Profi.

Leverkusen mit besten Karten

Die besten Karten hat wohl Leverkusen.Der Werksklub soll bereit sein, zwölf Millionen Euro Ablöse zu zahlen.

Die HSV-Verantwortlichen dürfen sich jedenfalls nur noch wenig Hoffnung auf einen Verbleib des Juwels machen, das seinen Vertrag erst vor drei Monaten bis 2018 verlängert hatte.

2012 verpflichtete die Hanseaten Calhanoglu vom Karlsruher SC, parkten ihn aber noch eine Saison bei den Badenern. Beim KSC feierte er am 5. Februar 2012 in der Zweiten Liga sein Profi-Debüt.

Am Saisonende stieg er jedoch mit dem Verein in die Dritten Liga ab. In der Spielzeit 2012/13 war Calhanoglu mit 17 Toren und elf Vorlagen maßgeblich am direkten Wiederaufstieg des Vereins beteiligt und wurde zum "Spieler des Jahres" gekürt.

Im letzten Sommer wechselte er dann an die Elbe. Seine Bundeliga-Premiere feierte Calhanoglu am ersten Spieltag gegen den FC Schalke.

Calhanoglu glänzt mit 10 Toren

Trotz der sportlichen Talfahrt der Rot-Hosen glänzte Calhanoglu immer wieder und erzielte in der abgelaufenen Saison zehn Tore - eine beeindruckende Marke. Selbst Kapitän Rafael van der Vaart überstrahlte Calhanoglu im Abstiegskampf.

Der Youngster ist dafür verantwortlich, dass die Hamburger überhaupt noch vom Klassenerhalt träumen dürfen. Schon einmal spielte Calhanoglu Relegation, 2011 mit Karlsruhe gegen Jahn Regensburg, damals hatte der KSC nach zwei Spielen das Nachsehen.

Das soll gegen Fürth nicht wieder passieren.

Noch nicht am Ziel

"Wir haben uns noch auf dem Platz in Mainz eingeschworen auf die Spiele gegen Fürth. Da müssen wir jetzt alles aus uns herausholen. Ich denke, dass auch die Fans sich freuen, dass wir als Verein diese Chance haben", sagt Calhanoglu.

Und weiter: "Es werden hammerharte Duelle. Unser Trainer wird uns gut vorbereiten, er hat die Mannschaft mehrfach beobachtet. Wir müssen die Vorgaben dann umsetzen. Mit heißem Herz und kühlem Kopf."

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