Hakan Cahanoglu wechselte 2013 aus Karlsruhe zum HSV. ZUM DURCHKLICKEN: Der Transfermarkt © imago

Der HSV kommt vor der Relegation nicht zur Ruhe. Personalplanungen stören die Konzentration. Ein Talent ist weg, folgt Calhanoglu?

Aus Hamburg berichtet Tom Vaagt

Hamburg ? Am Dienstag ging es also wieder um Hakan Calhanoglu ? und weniger um die SpVgg Greuther Fürth.

Diesen jungen Mann, den man beim Hamburger SV guten Gewissens als Gewinner einer verlorenen Saison bezeichnen kann. Und der auch in den beiden Relegationsspielen am Donnerstag und Sonntag gegen die Fürther retten soll, was noch zu retten ist.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Danach scheint seine Mission beim HSV beendet.

Top-Klubs locken und der Mittelfeldspieler ist inzwischen wohl gewillt, das zu verkünden, was am Ende einer jeden Hafenrundfahrt durch die Lautsprecher dröhnt: "In Hamburg sagt man tschüss."

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Leverkusen will Calhanoglu

Die Worte von Calhanoglus Berater Bektas Demirtas machen den Hanseaten jedenfalls wenig Hoffnung auf einen Verbleib des Juwels, das seinen Vertrag erst vor drei Monaten bis 2018 verlängert hatte.( 840492 DIASHOW: Der Transfermarkt )

Mittlerweile scheint sich aber auch bei dem 20-Jährigen die Erkenntnis durchgesetzt zu haben: Mit der Perspektive ist das beim HSV so eine Sache.

Bayer Leverkusen habe im Poker die "besten Karten", ließ Demirtas die "Bild" und die "Hamburger Morgenpost" wissen.

Denn: "Das ist ein Klub, der europäisch spielt, der ihn haben möchte und der auch bereit ist, dafür einen entsprechenden Preis zu zahlen."

Immerhin ? möchte man aus Hamburger Sicht sagen. Viel mehr bleibt ja auch nicht.

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Ablöse gegen Schuldenlast

Der Verein ist seit Jahren überschuldet. Da täten die kolportierten zwölf Millionen Euro Ablöse gut. Auch wenn Klubchef Carl-Edgar Jarchow immer wieder tapfer verkündet, dass Calhanoglu unverkäuflich sei.

Diese Ausführungen sind eher ein Pfeifen im Walde. Und der Versuch, die treuen Anhänger nach dem sportlichen Desaster der vergangenen Monate nicht noch mehr zu verprellen.

Zumal der in diesem Fall so entschlossen wirkende Jarchow die Geschäfte möglicherweise nur noch mehr oder minder auf Abruf führt.

Denn: In den Spielen gegen Fürth entscheidet sich vieles. Klassenerhalt, Abstieg, die Zukunft der Stadionuhr. Das Schicksal des Vereins hängt jedoch nicht allein von diesen beiden Terminen ab.

Am 25. Mai geht es ans Eingemachte

Ans Eingemachte geht es auch und vor allem am 25. Mai. Dann entscheiden die Klubmitglieder über die Initiative HSVplus und damit über die Ausgliederung der Profi-Abteilung aus dem Gesamtverein.

Um den HSV neu aufzustellen, wäre eine Dreiviertelmehrheit nötig. Würde diese erreicht, soll sich so ziemlich alles ändern.

Und alles wieder gut werden. So zumindest die Theorie.

Durch den Verkauf von Vereinsanteilen könnte die Finanznot gelindert werden. Im Vorstand käme es aufgrund der neuen Struktur zu erheblichen Veränderungen.

Ein Plan lautet: Jarchow muss gehen, der frühere HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer übernimmt den Vorsitz der Fußball AG.

Als Manager könnte Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann den zuweilen überfordert wirkenden Oliver Kreuzer ersetzen.

HSV-Teilhaber zum Dumpingpreis?

Das alles klingt nach Revolution und ist es irgendwie auch. Doch die Probleme wären damit kaum gelöst.

Die Zusammenarbeit mit einem Investor würde den Wunsch nach neuen Stars kaum erfüllen. Der Löwenanteil der Millionen ginge wahrscheinlich in die Schuldentilgung.

Und: Im Falle eines Abstiegs würde der Erlös eines potenziellen Anteilsverkaufs deutlich geringer als im Falle eines Verbleibs in der Bundesliga ausfallen.

Zudem ist nicht geklärt, ob Beiersdorfer oder Lehmann oder ein etwaiger Mister-X als Gesicht(er) des künftigen HSV überhaupt zur Verfügung stünden.

Ein Traum auf tönernen Füßen.

Lasogga ist schon weg

Gegen Fürth geht es nun zunächst ums sportliche Überleben. Wobei man sich eines Eindrucks nicht so richtig erwehren kann:

Im Umfeld und selbst in einigen Teilen des Vereins werden die Spiele gegen die Franken nur als Zwischenstation wahrgenommen. Als kurzes Intermezzo, um einen Ausrutscher zu beseitigen.

Doch ist der HSV größer als die Gegenwart? Wohl kaum. Das wird spätestens die Zukunft zeigen.

Neben Calhanoglu gibt es beim HSV in dieser Saison noch einen zweiten Gewinner: Pierre-Michel Lasogga. Die Leihgabe von Hertha BSC kehrt nach Berlin zurück ? oder zieht gleich nach England weiter.

In Hamburg sagt man tschüss.

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