Haben mit dem BVB noch viel vor: Hans-Joachim Watzke (l.) und Michael Zorc © getty

Borussia Dortmund treibt die Planungen für die kommende Saison voran - und verabschiedet sich vom Kleindenken vergangener Tage.

Von Felix Meininghaus

Dortmund - Die Zeiten der vornehmen Zurückhaltung sind bei Borussia Dortmund vorbei.

Wer will es dem Revierklub verdenken, bei einer Entwicklung in den letzten Jahren, die in schwindelerregendem Tempo nach oben ging?

Vom beinahe bankrotten Pflegefall oder auch "totkranken Patienten im Vorraum der Pathologie" (O-Ton Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke) zum erfolgreichen Spitzenklub, der Jahr für Jahr Rekordzahlen vermeldet (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Watzke: "Wir denken nicht klein"

In der kommenden Saison werden die Schwarz-Gelben zum vierten Mal in Folge in der Champions League an den Start gehen. Im vergangenen Jahr stürmten sie sogar bis ins Finale von Wembley, das nur knapp gegen den FC Bayern verlorenging.

Die Kasse des BVB ist prall gefüllt, das Selbstbewusstsein riesig. Im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 gab Watzke zuletzt Kostproben des neuen Dortmunder Egos.

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In den Worten des Geschäftsmannes klang das so: "Wir denken nicht klein. Wenn man zum zweiten Mal unter den besten Acht in Europa ist, geht das mit Kleindenken sowieso nicht."

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Kein Rückfall in alte Zeiten

Allerdings mit der Einschränkung: "Wir denken nur so groß, wie wir uns das leisten können. Das ist schon deutlich größer als früher, aber es ist noch nicht so wie bei Bayern München."

In Dortmund wollen die handelnden Personen auf dem Transfermarkt offensiv agieren, ohne sich dabei dem Verdacht auszusetzen, wieder in Zeiten der Verschwendungssucht wie vor zehn Jahren abzugleiten.

In der Saison 2004/05 wurde der Klub von Rekordschulden gedrückt und taumelte am Rande des Abgrunds. Der Aufschwung soll auch durch personelle Rückschläge nicht aufgehalten werden.

Sicher bedeutet der Weggang von Robert Lewandowski nach München einen herben Verlust, aber "erstens ist uns das seit langem bekannt", betont Sportdirektor Michael Zorc, "und zweitens ist so etwas für uns kein ganz neues Problem."

Erst Sahin, dann Kagawa und Götze

Zorc spricht auf die letzten Jahre an, als der BVB jedes Mal einen Leistungsträger verlor, und dies stets zu kompensieren wusste: 2011 zog es Nuri Sahin nach der Meisterschaft zu Real Madrid, die Borussia baute Ilkay Gündogan auf - und holte das Double.

Es folgten die Transfers von Shinji Kagawa zu Manchester United und Lucas Barrios zu Guangzhou Evergrande, ohne den Japaner und den Paraguayer zogen die Dortmunder ins Champions-League-Finale ein.

Und auch den Tiefschlag des Verlustes von Mario Götze an die Bayern im vergangenen Sommer steckte der Verein weg: Vizemeister, Viertelfinale in der Königsklasse und Pokalfinalist - es hat in der Bundesliga schon schlechtere Saisonbilanzen gegeben.

"Werden zweiten Stürmer verpflichten"

Davon, wie sein Klub im Fall Lewandowski reagieren wird, hat Zorc eine genaue Vorstellung: "Solche Spieler sind nie eins zu eins zu ersetzen."

Will heißen: Die Dortmunder werden für den Dauerbrenner zwei Planstellen besetzen ( 840492 DIASHOW: Bundesliga-Transfermarkt ).

Adrian Ramos aus Berlin ist bereits an Bord, aber "wir werden auf jeden Fall noch einen zweiten Stürmer verpflichten", betont Zorc.

Ob das der vielfach gehandelte Ciro Immobile vom FC Turin sein wird, lässt der Sportdirektor offen: "Sie wissen doch, wir kommentieren keine Spekulationen."

Interesse an Freiburgs Ginter

Sicher scheint nur: Immobile will zum BVB, dieser in Sachen Ablösesumme aber auf jeden Fall unter der 20-Millionen-Euro-Schallmauer bleiben.

Genau wie bei der geplanten Verpflichtung von Abwehr-Ass und Jung-Nationalspieler Matthias Ginter, der vertraglich noch bis 2017 an den SC Freiburg gebunden ist, ist eine schnelle Einigung hier nicht in Sicht.

Neben Ramos steht der Augsburger Dong-Won Ji als Neuzugang für die kommende Saison fest. Nach "Bild"-Informationen soll der Koreaner aber umgehend wieder an den FCA ausgeliehen werden.

Firmino-Transfer eher unwahrscheinlich

Zudem wird der bisher von Real Madrid ausgeliehene Nuri Sahin zurückgeholt. Für ihn bezahlen die Dortmunder die vertraglich festgeschriebenen sieben Millionen Euro.

Auch Roberto Firmino wurde in der Vergangenheit immer wieder als möglicher BVB-Neuzugang gehandelt. Nachdem der Brasilianer seinen Vertrag bei 1899 Hoffenheim kürzlich um zwei Jahre verlängert hat, gilt ein Wechsel aber eher als unwahrscheinlich.

Gündogan "wie ein Neuzugang"

Dafür soll Nationalspieler Gündogan in der kommenden Saison wieder so weit sein, dass er den Borussen wieder in dem Maße helfen kann wie vor seiner langwierigen Rückenverletzung, die ihn beinahe die gesamte Saison außer Gefecht setzte.

Derzeit arbeite der Mittelfeldakteur daran, die Belastung im Training langsam zu steigern und dabei schmerzfrei zu bleiben, berichtet Zorc.

Sollte Gündogan die Vorbereitung auf die neue Spielzeit in vollem Umfang absolvieren können, "ist er für uns quasi wie ein Neuzugang".

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