SPORT1-Redakteur Thorsten Mesch traf Armin Veh (r.) in Frankfurt © SPORT1

Armin Veh steht wohl vor der Unterschrift in Stuttgart. Bei SPORT1 spricht Frankfurts Noch-Trainer über seine Zukunftspläne.

Von Thorsten Mesch

Frankfurt/Main - Am morgigen Dienstag hebt Armin Veh erst einmal ab.

Für einige Tage geht es für den Noch-Trainer von Eintracht Frankfurt in den Urlaub nach Fuerteventura.

Vorher aber könnte der 53-Jährige, der seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag bei den Hessen nicht verlängerte, noch seinen neuen Arbeitgeber verkünden.

Vieles deutet darauf hin, dass Veh zu seinem Ex-Klub VfB Stuttgart zurückkehrt. Nach "Bild"-Informationen hat er sich mit dem VfB bereits auf einen Zwei-Jahres-Vertrag geeinigt.

Mit den Schwaben, bei denen Huub Stevens am Samstag seinen Abschied verkündete (Bericht), wurde der Ex-Bundesligaprofi 2007 Meister.

Im Interview mit SPORT1 spricht Veh über seine Zukunftspläne, die wechselhafte Zeit bei der Eintracht und sein Verhältnis zu Heribert Bruchhagen.

SPORT1: Herr Veh, nach drei erfolgreichen Jahren bei Eintracht Frankfurt heißt es nun, dass Sie wieder zum VfB Stuttgart gehen könnten.

Armin Veh: Ich werde keinen Kommentar zu Spekulationen abgeben, das wäre für niemanden gut.

SPORT1: Sie wollen erklärtermaßen dauerhaft im Europapokal spielen. Welcher Verein bietet Ihnen diese Perspektive?

Veh: Ich spreche immer offen und ehrlich. Aber ich werde Ihnen keinen Namen oder keinen Verein nennen. Natürlich hätte ich ein paar Dinge, die ich machen könnte. Aber es gibt nur eine Sache, die mich interessiert, und es kommt nichts anderes in Frage. Wenn die nicht klappt, dann mache ich Pause. Mehr sage ich dazu nicht.

SPORT1: Mit Schalkes Sportvorstand Horst Heldt haben Sie in Stuttgart gut zusammengearbeitet. Wie wichtig ist Ihnen dieser Aspekt?

Veh: Es geht heutzutage nur noch im Team. Und da ist es dienlich, wenn man sich zwischenmenschlich gut versteht, ohne dass man immer der gleichen Meinung sein muss. Ich war mit Bruno Hübner schon befreundet, und er war ausschlaggebend, dass ich nach Frankfurt gekommen bin. Aber mit Heribert Bruchhagen hat sich in den drei Jahren auch ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt.

SPORT1: Sie haben Ihre Karriere in Augsburg als Spieler und Trainer begonnen. Könnten Sie sich vorstellen, noch einmal dort zu arbeiten?

Veh: Ich habe schon vor Jahren gesagt, dass ich dort nicht mehr als Trainer arbeiten werde. In einer anderen Funktion zu arbeiten kann ich mir dort vorstellen, weil es auch meine Heimat ist.

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SPORT1: Wenn Sie sagen, dass Sie nur auf eine Sache warten und ansonsten nichts machen, wie kann man sich das dann konkret vorstellen?

Veh: Dranbleiben am Fußball werde ich immer, ich liebe diesen Sport. Aber wenn ich sage, ich mache nichts, dann mache ich nichts. Ich muss nicht darauf warten, dass mich einer anruft, denn ich könnte ja arbeiten. Es wird nicht so sein, dass ich zu Hause die Fliegen an der Wand zähle, wie es Peter Neururer einmal gesagt hat.

SPORT1: Kommt Wehmut auf nach dem Abschied aus Frankfurt?

Veh: Es ist nicht so oft der Fall, dass man sich in Ruhe verabschieden kann. Ich kann noch ein paar Termine wahrnehmen, weil wir den Klassenerhalt schon geschafft hatten. Es war wichtig für mich, dass ich den Verein nicht da verlasse, wo ich ihn übernommen habe. Wehmut kommt immer dann auf, wenn man Zeit und Ruhe hat. Und die habe ich noch nicht ganz.

SPORT1: Vor drei Jahren kamen Sie direkt aus dem Urlaub zur Präsentation nach Frankfurt und hatten sich noch von Sportdirektor Bruno Hübner ein Hemd ausgeliehen. In diesen drei Jahren ist enorm viel passiert: Aufstieg in die Bundesliga, Europapokal, Abstiegskampf - die ganze Palette des Fußballs.

Veh: Auf den Abstiegskampf kann ich verzichten. Und das Hemd von Bruno Hübner war damals leider etwas zu klein (lacht). Es waren drei bewegende Jahre. Es ist sehr schön, wenn man gehen kann, wie ich nach dem letzten Heimspiel gegen Leverkusen (0:2). Das war total emotional. So etwas erlebt man als Trainer nicht so oft.

SPORT1: Gibt es Spiele oder Momente, die Ihnen besonders in Erinnerung bleiben?

Veh: Es gibt einige Momente. Der Abschied und das Spiel in der Europa League in Bordeaux, wo uns 12.000 Fans begleitet haben, waren für mich etwas Besonderes.

SPORT1: Wenn man das so hört, dann fragt man sich: Warum verlassen Sie Frankfurt eigentlich? Bietet Ihnen der Verein nicht das, was Sie wollen?

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Veh: Der Verein ist gut. Die Leute arbeiten seriös. Es wird nicht bei kleinen Dingen am Trainer gekratzt. Ich glaube, Heribert Bruchhagen hat in zehn Jahren nur einen Trainer entlassen. Frankfurt hat auch tolle Fans, aber eins ist auch klar: Realistisch ist, dass die Eintracht normalerweise nicht im Europapokal spielt. Ich habe letztes Jahr gesagt, dass ich mich entscheide, wenn wir die 40 Punkte haben. Das hat aber gedauert, und wir haben ewig herumgeeiert. Das hat mir selbst nicht gepasst, aber ich wollte unbedingt im Europacup spielen, und das wäre eventuell gefährdet gewesen, wenn ich meinen Abschied verkündet hätte. Ich habe aber gesagt, dass ich mich diesmal eher entscheide, und das habe ich im Januar getan. Wenn ich eine Entscheidung getroffen habe, dann steht sie auch.

SPORT1: Ist es Ihnen wichtig, das Heft des Handelns in der Hand zu haben?

Veh: Immer kannst du es nicht in der Hand haben. Dazu müsste man einen Verein führen und für alles zuständig sein. Allerdings habe ich es schon ganz gern, wenn ich ein paar Dinge selber entscheiden kann.

SPORT1: Wie sehen Sie die Eintracht für die Zukunft aufgestellt?

Veh: Seppl (Sebastian) Rode geht, Pirmin Schwegler auch, aber ansonsten wird die Fluktuation nicht allzu groß sein. Ich glaube, dass die Eintracht in ein paar Jahren eine bessere Rolle spielen kann, weil Verträge auslaufen, die momentan nicht so günstig sind. Zum Beispiel bezahlen wir viel zu viel für das Stadion.

SPORT1: Momentan wird darüber spekuliert, wer Ihr Nachfolger wird. Was denken Sie?

Veh: Ich habe eine Meinung, aber die werde ich nicht kundtun.

SPORT1: Wie sehen Sie insgesamt die Entwicklung der Bundesliga? Ist sie eine Zwei- oder Dreiklassengesellschaft mit einem FC Bayern, der über allen thront?

Veh: Wenn Bayern zehn Jahre in Folge Meister werden würde, wäre das natürlich weniger schön für die Liga. Ich hoffe, sie machen in ihrer Personalpolitik mal etwas verkehrt, denn sie haben vieles richtig gemacht. Deshalb haben sie ja so eine Mannschaft (lacht). Für die anderen Traditionsvereine wird es nicht einfacher. Ich glaube, Klubs wie der HSV, Hannover oder Frankfurt immer öfter darum kämpfen müssen, die Klasse zu halten. Insgesamt ist die Bundesliga nicht langweilig, sondern sehr attraktiv, was die Breite angeht. Klubs in England haben ein ganz anderes Budget, aber die Bundesliga hat aufgeholt und gehört zu den drei besten Ligen in Europa.

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