Der 1. FC Nürnberg steigt zum achten Mal aus der Bundesliga ab. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder des 34. Spieltages © SPORT1

Martin Bader wird nach Nürnbergs Abstieg Stück für Stück entmachtet. Als neuer Sportchef wird auch ein Ex-Nationalspieler gehandelt.

Aus Gelsenkirchen berichtet Andreas Reiners

Gelsenkirchen - Die Frage nach dem Schuldigen ist auf den ersten Blick schnell geklärt.

Drei Trainer, nur fünf Siege und der achte Abstieg (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle), mit dem der 1. FC Nürnberg zugleich auch noch einen neuen Negativ-Rekord aufgestellt hat:

Geschichte wiederholt sich manchmal. Auch am Valznerweiher. Dort wird man nach Negativ-Erlebnissen gerne einmal fatalistisch.

"Der Club ist ein Depp", ist in solchen Situationen eine ebenso nette wie übliche Umschreibung für die Gefühlslage der Fans ( 889082 DIASHOW: Die Bilder des 34. Spieltags ).

Wer ist der Depp?

Sportvorstand Martin Bader wollte sich zumindest nicht aus der Verantwortung stehlen.

Schließlich zeichnet der ehemals starke Mann beim FCN für die gescheiterten Übungsleiter Michael Wiesinger, Gertjan Verbeek und Roger Prinzen ebenso verantwortlich wie für die Zusammenstellung des Kaders.

Eines Kaders, der in dieser Saison ein jämmerliches Bild abgab. In einer Saison, in der es wohl noch nie so einfach war, nicht abzusteigen.

Dem FCN hätte an den vergangenen sieben Spieltagen ein einziger Sieg für die Relegation gereicht. Der Club holte jedoch nicht einen Punkt.

Bader stand zuletzt immer häufiger im Kreuzfeuer der Kritik. Wirkte angeschlagen. Gefrustet. Ratlos. Kraftlos. Nach dem 1:4 auf Schalke fühlte er sich schließlich nur noch leer.

Doch ganz so einfach ist es mit dem Schuldigen dann aber auch wieder nicht.

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Strunz: Nicht nur Bader verantwortlich

"Ich glaube, dass innerhalb der Saison viel kaputtgegangen ist. Ich glaube, dass es nicht in erster Linie die Verantwortung des Sportdirektors ist", sagte SPORT1-Experte Thomas Strunz im VOLKSWAGEN-Doppelpass:

"Es haben alle Trainer, die am Werk waren, große Fehler gemacht. Sie haben es zugelassen, dass die Mannschaft sich so darstellt, wie sie sich darstellt."

Trotzdem: Bader soll nach zehn Jahren beim 1. FC Nürnberg nun Schritt für Schritt entmachtet werden.

Beim Club wird das natürlich anders verkauft. Bader wurde vor dem verlorenen Endspiel auf Schalke vom Aufsichtsrat noch einmal demonstrativ der Rücken gestärkt.

Im Hintergrund wird aber schon länger an einer Doppellösung im sportlichen Bereich gearbeitet.

Kandidaten Nerlinger und Lehmann

Christian Nerlinger und Jens Lehmann gelten als mögliche Kandidaten für den Posten eines zweiten Sportdirektors.

Wobei die Frage erlaubt sein muss, ob die beiden Hochkaräter überhaupt ernsthafte Ambitionen auf den Posten bei einem Zweitligisten haben.

Bader hat sich dem Anschein nach schon damit abgefunden, dass ihm so oder so ein starker Mann an die Seite gestellt wird.

"Ich bin keiner, der mit Eitelkeiten um sich wirft und sagt: Das waren alles meine Entscheidungen. Ich habe immer versucht, das breit aufzustellen, damit die Entscheidungen, die ich treffe, auf breiten Konsens treffen", sagte Bader und verteidigte seine oft umstrittenen Entscheidungen.

Er sehe eine Verstärkung im sportlichen Bereich "als positive Herangehensweise. Starke Leute sind nur dann stark, wenn sie starke Leute um sich herum haben".

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Was folgte, waren die üblichen Kampfansagen, wenn ein Verein am Boden liegt. Es gehe nur um den 1. FC Nürnberg, nicht um einzelne Personen. Also auch nicht um Bader.

Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass der 46-Jährige den x-ten Neuaufbau nicht einleiten darf.

Wirtschaftlich kerngesund

Seit Wochen plant der Club parallel die 2. Bundesliga. Der Verein ist "wirtschaftlich kerngesund", hinzukommen werden gute sieben Millionen Euro Ablöse für Josip Drmic, der wohl nach Leverkusen wechseln wird.

"Wir werden einen Neuaufbau machen mit Spielern, die heute auch schon auf dem Platz waren. Trotzdem werden wir versuchen, die eine oder andere Korsettstange davon zu überzeugen, das Geschehene zu korrigieren", kündigte Bader an.

Schäfer und Pinola wollen bleiben

Torhüter Raphael Schäfer und Abwehrmann Javier Pinola haben ihre Unterstützung bereits zugesagt.

Danach folgt die nächste Baustelle. Der Trainer. Denn dass es mit Interimscoach Roger Prinzen weitergeht, gilt als ausgeschlossen.

"Natürlich haben wir ein paar Dinge in der Schublade, was die Trainerfrage angeht", meinte Bader:

"Das Entscheidende ist es, dass im sportlichen Bereich in den nächsten Tagen und Wochen die richtigen Entscheidungen getroffen werden."

Die waren bereits in der zweiten Halbzeit auf Schalke seltsam teilnahmslos. Entrollten ein Transparent ("Manchmal hasst man das, was man doch liebt"). Und schwiegen.

Ein schlechtes Zeichen.

Braunschweig feiert

Und ein ganz anderes Bild als in Braunschweig, beim zweiten Absteiger. Dort wurde die Mannschaft gefeiert, als hätte sie soeben den Europapokal erreicht.

Dabei war auch die Eintracht in dieser Saison nicht bundesliga-tauglich. Der Abstieg? Traurig, aber auch kein Weltuntergang. Die Ansprüche sind eben bescheiden.

Doch man setzt in Niedersachsen auf Kontinuität.

Mit Trainer Torsten Lieberknecht hatte der Verein bereits mitten im Abstiegskampf verlängert.

Vielleicht wäre Kontinuität in Nürnberg auch mal ein Ansatz.

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