Der Hamburger SV rettet sich mit einer erbärmlichen Bilanz ins Nachsitzen um den Klassenerhalt. Sportlich gerecht ist das nicht.

Robin Dutt hatte allen Grund großzügig zu sein. "Wir wollten eigentlich 40 Punkte. Aber den einen lasse ich durchgehen", scherzte der Trainer von Werder Bremen nach der 1:2-Niederlage seines Teams am 34. Spieltag bei Bayer Leverkusen.

Die 40 Punkte, diese magische Marke, die von mindestens der Hälfte aller Bundesligisten stets als Saisonziel für den Klassenerhalt ausgegeben wird, ist längst nicht mehr haltbar.

Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995 war es nur zwei Mal notwendig, 40 Punkte zu holen, um am Ende über dem Strich zu stehen. In dieser Saison hätten 40 Punkte zum komfortablen zwölften Platz gereicht.

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Stattdessen hat jetzt also der Hamburger SV mit 27 - in Worten: Siebenundzwanzig - Punkten die Chance, seinen Nimbus als einzig verbliebenes Gründungsmitglied der Bundesliga zu verteidigen.

27 Punkte, zusammengestolpert aus sieben Siegen und sechs Unentschieden. 75 Gegentore in 34 Spielen. Mit dieser erbärmlichen Bilanz kann der HSV seine Katastrophensaison also doch noch retten. Der Relegation sei Dank.

De facto ist es ein Armutszeugnis für die Bundesliga, dass die Hamburger nicht direkt den Gang in die Zweitklassigkeit antreten müssen. Aus sportlicher Sicht hätten auch die Hanseaten am Samstag genauso geprügelt wie die ebenfalls nicht bundesligatauglichen Nürnberger und Braunschweiger vom Platz schleichen müssen.

Stattdessen können sie die neunte Auswärtsniederlage in Folge beim 2:3 in Mainz sogar noch als Erfolg verbuchen. Weil eben zwei andere noch schlechter waren.

In der Zweiten Liga muss dagegen die SpVgg Greuther Fürth, die eine überragende Saison gespielt hat, in zwei Entscheidungsspiele. Ein Konstrukt, dass es in keiner der Top-4-Ligen Europas gibt.

Schön ist das nur für die DFL, die bei den Relegationsspielen noch mal zusätzliche Marketingerlöse erzielt.

Das alles ist nicht die Schuld des HSV. Der ergreift eben dankend den letzten Strohhalm, den ihm die Liga hinhält.

Es gibt ja auch genug positive Beispiele für den Schwung, den der Erfolg im Nachsitzen bringen kann. Borussia Mönchengladbach rettete sich 2011 gegen den VfL Bochum und landete seitdem drei Mal unter den Top 10 der Bundesliga. Die TSG 1899 Hoffenheim, am Samstag Retter des HSV, steigerte sich aus der Relegation letzten Sommer auf Platz neun in diesem Jahr.

Trotzdem: Die Relegation belohnt den Falschen - und sollte abgeschafft werden

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