Martin Bader arbeitet seit 2003 für die Nürnberger. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder des 34. Spieltags © SPORT1

Bader soll trotz Katastrophensaison und Abstieg Sportdirektor in Nürnberg bleiben. Zunächst muss er einen neuen Trainer finden.

Gelsenkirchen - Die Spieler trotteten mit Tränen in den Augen Richtung Fan-Kurve, Coach Roger Prinzen senkte immer wieder verschämt den Kopf, Manager Martin Bader starrte regungslos ins Leere.

Nach dem peinlichen Schlusspunkt einer völlig verkorksten Saison und dem achten Abstieg der Klubgeschichte verharrte der 1. FC Nürnberg für einen Moment in Fassungslosigkeit.

Fast widerstandslos hatte sich der Club mit dem 1:4 (0:2) bei Schalke 04 aus der Liga verabschiedet, vom Fußball-Wunder keine Spur (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Wer nun die Scherben aufkehren wird, soll sich innerhalb der nächsten Tage entscheiden (BERICHT: Rekordabstieg für Nürnberg).

Abstieg mit 26 Punkten

"Wir sind am Boden zerstört. Ein Abstieg mit 26 Punkten ist ein brutaler Niederschlag", sagte Sportvorstand Bader, der trotz zuletzt scharfer Kritik an seiner Arbeit wohl den Neuaufbau leiten wird ( 889082 DIASHOW: Die Bilder des 34. Spieltags ) .

[tweet url="//twitter.com/search?q=%23Club"]

Torwart Raphael Schäfer, auf Schalke wegen einer Schulterblessur zum Zuschauen verdammt, ließ die Albtraumsaison mit leerem Blick noch einmal Revue passieren: "Wir hatten keinen Sieg in der Hinrunde, aber auch nur sechs Niederlagen. Dann läuft es plötzlich, Du holst Dir ein Polster, punktest aber nicht gegen die direkten Konkurrenten. Aus dieser Phase sind wir nicht mehr rausgekommen."

Am bitteren Ende stand die siebte Niederlage in Folge, die den Club zum alleinigen Rekord-Absteiger machte. Ein Sieg in den drei letzten Spielen, so rechnete Abwehrspieler Per Nilsson, hätte schon für die Relegation gereicht, "aber wir haben es einfach nicht hingekriegt".

Dass der umstrittene Bader nun gehen muss, scheint ausgeschlossen. In den Gesprächen mit dem Aufsichtsrat, die er in den kommenden Tagen führen will, stünden "nicht einzelne Personen, sondern der 1. FC Nürnberg im Mittelpunkt". Doch der Sportchef sagt auch: "Es darf jetzt kein Vakuum geben."

Pinola und Schäfer wollen bleiben

Er kündigte schon einen "Neuaufbau", aber auch Gespräche mit "Korsettstangen der Mannschaft" an. Klubidol Javier Pinola will wie auch Schäfer bleiben und formulierte direkt das neue Ziel: "Wir wollen sofort wieder aufsteigen."

Bader hat zunächst andere Prioritäten. Die Fans, die auf Schalke relativ gefasst blieben, dürften "uns jetzt nicht wegbrechen", sagte Bader: "Wir müssen ihnen den Glauben zurückgeben, dass wir zurückkommen können."

Die Voraussetzungen sieht er in Nürnberg als gegeben an. Der Club sei finanziell "kerngesund", auch die abstiegsbedingten Mindereinnahmen könnten kompensiert werden.

Drmic vor Leverkusen-Wechsel

Man werde den Etat für eine schlagkräftige Zweitligamannschaft aufstellen. Der Verkauf von Torjäger Josip Drmic, der wohl für sieben Millionen Euro zu Bayer Leverkusen wechseln wird, hilft dabei enorm.

Bader selbst soll in der sportlichen Leitung einen Mann zur Seite gestellt bekommen, eine Maßnahme, die er ausdrücklich "nicht als Degradierung" auffasst: "Je mehr Fachwissen da ist, desto besser."

Dass der ohnehin nicht gerade mit Fußball-Schwergewichten besetzte Aufsichtsrat Bader doch noch das Vertrauen entzieht, ist mehr als unwahrscheinlich.

Prinzen zur U 23

Zumal der Vorstand Sport auch schon Pläne für eine Nachfolge des Interimstrainers Prinzen, der wohl wieder die U 23 übernimmt, "in der Schublade" hat: "Für Details ist es aber noch zu früh."

Nach dem einseitigen Spiel, in dem Joel Matip (6.), Roman Neustädter (45.), Julian Draxler (75.) und Cindedu Obasi (90.+2) sowie Drmic (90.+1) die Tore erzielten, ließ auch die Schalker die Trainerfrage nicht los (SHOP: Jetzt Fanartikel von Schalke 04 kaufen).

So klang das Draxler-Tor bei SPORT1.fm

[soundcloud url="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/148855613=false=false=true"]

Gerüchte um Tuchel

Obwohl Jens Keller mit seinem jungen Team am Samstag die erfolgreichste Rückrunde der Klubgeschichte und den direkten Einzug in die Gruppenphase der Champions League perfekt gemacht hatte, musste der Schalker Coach Gerüchte über seine mögliche Ablösung durch den Mainzer Thomas Tuchel kommentieren.

Keller fand dies "langsam peinlich" - und auch die Schalker Macher Horst Heldt und Clemens Tönnies dementierten.

Weiterlesen