Vor dem Abstiegsfinale in Mainz erklärt SPORT1, was dem Hamburger SV im Falle eines Absturzes in die zweite Liga bevorsteht.

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Von Patrick Mayer und Clemens Gerlach

München/Hamburg - Mainz. Äußerer Stadtbezirk. Samstag. Kurz nach 17.15 Uhr.

Dort und zu dieser Zeit wird sich für die Fans des Hamburger SV alles entscheiden. Direkter Abstieg? Relegation?

Die legendäre Bundesliga-Uhr 530 Kilometer weiter in der heimischen Imtech Arena wird 50 Jahre, 258 Tage und nicht ganz 32 Stunden anzeigen, wenn das Spiel beim FSV Mainz (ab 15 Uhr LIVE-TICKER und SPORT1.fm) vorüber ist.

Der erste Abstieg der Vereinsgeschichte droht, die Angst ist beinahe greifbar.

Im Hintergrund des Hoffens und Bangens positionieren sich die Vereinsgranden und die, die dem Klub künftig vorstehen wollen. Es geht um Schuldzuweisungen, Macht und Leidenschaft.

Und um so viel mehr. Eine Fußball-Stadt steht vor einer Zäsur. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

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Spekulationen um Calhanoglu

Sportlich könnte die Lage kaum prekärer sein. Und dann sind da auch noch diese ständigen Spekulationen um jenen Mann, der so etwas wie der personifizierte Strohhalm der Hamburger ist (Mehr zum Thema ab 18.30 Uhr im TV bei Bundesliga Aktuell).

Wie die "Bild" am Freitag berichtet, buhlt jetzt auch Bayern München um Hakan Calhanoglu. Dem Mittelfeldspieler traut man noch am ehesten zu, die Hanseaten zu retten.

Sein Verkauf ist ein realistisches Szenario - aller gegenteiliger Verlautbaren der HSV-Oberen zum Trotz. Der Marktwert des 20-jährigen Türken wird auf rund sieben Millionen Euro beziffert. Es wäre Geld, dass der HSV nicht nur bei einem Abstieg dringend nötig hätte.

Der Spieleretat müsste Medienberichten zufolge von 48 Millionen auf die Hälfte gekürzt werden.

Weitere Finanzspritze von Kühne?

Informationen der "Sport Bild" zufolge erhält allein Rafael van der Vaart ein Grundgehalt von 3,5 Millionen Euro.

Wer, fragen sie sich in Hamburg, soll diese Mannschaft eine Etage tiefer finanzieren? Ständig wird zwar über das solvente Umfeld gesprochen. Doch geht es ums Geld, geht es immer auch um eine Neuausrichtung des Klubs.

Mäzen Klaus-Michael Kühne ließ auf Nachfrage von SPORT1 mitteilen, dass er den HSV massgeblich unterstützen werde, sofern das für das wirtschaftliche Überleben beinahe alternativlose Konzept HSVplus umgesetzt werde. Der Milliardär verbindet die Initiative mit neuen Köpfen und würde auch im Falle eines Abstiegs bereitstehen.

Doch an eben jenem Konzept scheiden sich die Geister. Es hat neben Kühne prominente Fürsprecher: den ehemaligen Trainer Thomas Doll und Europapokalsieger Thomas von Heesen zum Beispiel.

100 Millionen Euro Schulden

Hauptziel ist die seit Jahren diskutierte Ausgliederung der Profiabteilung aus dem Gesamtverein. Initiator Otto Rieckhoff wollte sich auf Nachfrage von SPORT1 nicht äußern.

Dem Vernehmen nach gibt es eine Art Gentlemen's Agreement. Die Opposition des Vorstandes schweigt, um den Verein nicht in zusätzliche Unruhe zu stürzen, ist zu hören. Im Mittelpunkt der Kritik steht der Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow.

Die Liste der Probleme ist lang: Hohe Schulden von angeblich über 100 Millionen Euro, mögliche Lizenzauflagen und der Vorwurf, Anleihen für den Bau eines Nachwuchs-Leistungszentrums seien in die Tilgung der Verbindlichkeiten geflossen.

Der Klub schweigt vor dem Abstiegsendspiel zu diesen Themen. Man habe zu allen Themen Stellung bezogen und wolle sich auf die sportliche Situation konzentrieren, heißt es.

Streitpunkt Anteilsverkauf

Doch auch die Gruppe derer, die Veränderungen anstrebt, ist uneins.

Während HSVplus den Verkauf von Vereinsanteilen vorschlägt, gibt es eine Reihe von potentiellen Unterstützern um den früheren Präsidenten Jürgen Hunke, die dies entschieden ablehnt.

"Wir glauben, dass HSVplus der falsche Weg ist", sagt Hunke im Gespräch mit SPORT1. Er sei dagegen, zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt zu verkaufen.

"Wir wollen am liebsten überhaupt nicht verkaufen. Verkaufen kann man nur einmal, verändern kann man immer", meint der 70-Jährige.

Die verschiedenen Seiten müssten aufeinander zugehen, "wenn es auch im letzten Moment ist." Am 25. Mai stimmen die Mitglieder über HSVplus und die Zukunft des Vereins ab.

Fans sind frustriert

So oder so - der HSV wird Geld brauchen. Jarchow dürfte kaum zu halten sein, auch wenn er noch einen Vertrag hat. Der Frust der Fans ist groß.

"Es fehlen Personen, die den Charakter des HSV widerspiegeln", sagt Maximilian Bartels vom Fanklub 24/7 Hamburg: "Wenn es Typen gibt, sind das Ausleihspieler wie Pierre-Michel Lasogga. Oder Leute wie Calhanoglu, bei denen man davon ausgeht, dass sie nicht länger beim HSV bleiben."

Was bleibt ist Bangen. Am Samstag im Stadion. Bis zu 5000 Anhänger werden anreisen, erklärt die Mainzer Polizei auf SPORT1-Nachfrage. (FANSHOP: Jetzt HSV-Fanartikel kaufen)

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Hunke verspricht Bürgschaft

In Hamburg werden die Kneipen am Samstag rappelvoll sein. Bis zu 20 Millionen Euro würde ein Abstieg die Stadt kosten, errechnete ein Hamburger Wirtschaftsinstitut. 740 Arbeitsplätze hängen am HSV, dazu kommen 1500 Teilzeitkräfte an Spieltagen.

Das ist das Szenario für Liga zwei. Doch kommt es noch schlimmer?

Selbst die Lizenz soll in Gefahr sein. Am 28. Mai wird die Deutsche Fußball Liga (DFL) verkünden, ob der Klub den Auflagen gerecht wird.

"Ich bin bereit eine Bürgschaft bei der DFL für die erste Liga zu besorgen. Ich mache das aus Begeisterung für den Fußball", sagt Hunke bei SPORT1: "Damit die Fans keine Angst haben, wir bekämen keine Lizenz. Wenn kein anderer sich hinstellt, dann muss ich es eben tun."

Doch vielleicht kommt alles ganz anders. Die Spieler haben es in der Hand. Samstag. Bis kurz nach 17.15 Uhr in Mainz.

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