Ein weiteres bekanntes Gesicht der Bundesliga: Fredi Bobic soll bei der Jubiläumsauflage für die nötige Torgefahr sorgen. Der ehemalige Stürmer geht ebenfalls für "Team Deutschland" auf Torejagd. In seiner Bundesliga-Karriere erzielt der nun 42-Jährige 108 Tore
Fredi Bobic ist seit April 2013 Vorstand Sport des VfB Stuttgart © getty

Fredi Bobic und Bernd Wahler wollen den VfB Stuttgart modernisieren. Doch wer geht als Coach voran? Huub Stevens wohl nicht.

Vom VfB Stuttgart berichtet Patrick Mayer

Stuttgart - Sie haben den Abstieg abgewendet in Bad Canstatt.

Doch wer denkt, dass vor dem Saisonabschluss gegen den FC Bayern (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE auf SPORT1.fm) zwischen Wasen, Mercedes-Benz-Werk und Neckar Ruhe eingekehrt ist, täuscht sich gewaltig.

Dem VfB Stuttgart wurde nie so deutlich vor Augen geführt, dass er keinen Stammplatz in der Bundesliga hat.

Neubelebung der Marke VfB

Und so sucht Sportvorstand Fredi Bobic unter Hochdruck einen neuen Trainer. Die Anzeichen mehren sich, dass die Mission von Huub Stevens ihrem Ende zugeht (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Der wahrscheinliche Abschied des Retters ist Chance und Risiko zugleich. Schließlich befindet sich der Klub in einer Situation, in der die Schwaben versuchen, die Marke VfB neu zu beleben.

Bobic und Präsident Bernd Wahler treiben die Ausgliederung der Profiabteilung voran.

Doch das geht nur, wenn die Mannschaft wieder attraktiven Fußball spielt - und sich ein Trainer findet, der den Erfolg zurück bringt.

Bobic mauert

So wird seit Tagen spekuliert, dass Armin Veh zurückkehren könnte. Der machte den VfB 2007 zum Meister. Dass der scheidende Coach von Eintracht Frankfurt ein Thema sei, wollte Bobic zuletzt weder dementieren noch bestätigen.

Wie der "kicker" berichtet, könnte auch Frank Kramer von der SpVgg Greuther Fürth ein Kandidat sein.

"Es sind fünf, sechs Namen im Umlauf, vielleicht kommen ja noch fünf, sechs dazu", sagt Bobic. Der 42-Jährige kennt das Geschäft. Er mauert beharrlich.

VfB in unruhigem Fahrwasser

"Wir haben ein genaues Anforderungsprofil definiert. Wir werden die Gesprächspartner einbinden und diskutieren, ob sie zum Profil passen oder nicht", erklärt Wahler und, dass der Trainer zur "Spielphilosophie des VfB passen" müsse. Doch der Neue wird noch viel mehr mitbringen müssen.

Sie brauchen einen Typen, der im chronisch unruhigen Stuttgarter Umfeld für Ruhe sorgt. Schließlich steht der VfB vor ganz entscheidenden Monaten.

Der Klub soll moderner aufgestellt werden, um die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden. Ein kräftezehrende Abstiegskampf soll sich nicht wiederholen - und passt so gar nicht ins schwäbische Selbstverständnis.

Ausgliederung angestrebt

"Das Thema Ausgliederung ist ganz zentral", sagt Wahler und bekräftigt: "Wir haben Vorstellungen, wie die Ideallösung für den VfB aussieht." Der Trainer sei dabei das prägende Gesicht nach außen.

Die Bundesliga soll endlich wieder Geld in die Kassen spülen. 2012 betrug das Minus 9,7 Millionen Euro. Für 2013 werden Verluste von mehr als 5 Millionen Euro kolportiert. Das schadet schlussendlich dem Gesamtverein.

Was nach hehren Zielen klingt, ist wohl kalkuliert - aber nicht einfach umsetzbar. Der Zeitpunkt könnte günstiger sein.

Millionen verbrannt

"Wir hatten an den Geschichten der letzten Jahre zu arbeiten, sprich, wir mussten versuchen, wieder in die schwarze Zahlen zu kommen. Fredi Bobic hat mächtig haushalten müssen", erklärte Aufsichtsratsmitglied Hansi Müller im Volkswagen Doppelpass bei SPORT1.

Der 46-Jährige sprach die Zeit nach dem letzten großen Wurf an: der Meisterschaft 2007. Der VfB steckte viele Millionen Euro in den Kader - gemessen am Aufwand ohne Erfolg.

Was blieb, waren Schulden und ein Etat, den Bobic seit seinem Engagement als Sportdirektor 2010 beinahe halbierte. 40 Millionen sollen es heute sein. Doch der Sparkurs hat ein Ende.

Wahler: Talsohle erreicht

"Es wurde oft dargestellt, wir müssten uns weiter gesund sparen und den Etat weiter zusammenschrumpfen. Das ist nicht der Plan. Wir haben eine Talsohle erreicht", meint Wahler.

Florian Klein von Red Bull Salzburg konnte als erster Neuzugang vorgestellt werden. Und der VfB will personell weiter nachlegen.

Stuttgart brauche Typen, die die Ärmel hochkrempeln, sagt Wahler. Schließlich solle der Klub attraktiv sein für potentielle Investoren einer Ausgliederung.

Missmut bei den Fans

In der "Canstatter Kurve" regte sich gegen eine solche im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg Missmut.

"Niedergang eines Traditionsvereins oder letzter Schuss vor den Bug? Finger weg vom e.V.", war auf einem großen Transparent zu lesen.

Die bekannteste Stuttgarter Ultra-Gruppierung, das "Commando Canstatt", wollte sich auf Nachfrage von SPORT1 nicht zu den Unmutsbekundungen äußern.

Bobic verspricht zeitnahe Entscheidung

Doch die Reaktionen zeigen: Die Ultras lehnen die Umstrukturierung ab, die am 28 Juli auf der Mitgliederversammlung vorgestellt wird. Der Protest richtete sich offenbar zwar nicht gegen die Person Bobic. Aber er ist als Auftrag zu verstehen.

Nichts kann in dieser Gemengelage mehr zum Vereinsfrieden beitragen, als die Antwort auf die derzeit am heißesten diskutierte Frage im Stuttgarter Kessel: Wer wird neuer VfB-Coach?

"Es wird eine Entscheidung geben", versprach Bobic. "Zeitnahe."

Weiterlesen