Ilkay Gündogan bestritt bislang acht A-Länderspiele für Deutschland © imago

Seit August hat Ilkay Gündogan nicht gespielt. Seine Rückenverletzung brachte den Dortmunder bis auf die Halbinsel Krim.

Von Thorsten Mesch, Felix Meininghaus und Oliver Schwesinger

München/Dortmund - "Bereit wie nie" heißt der Slogan des Deutschen Fußball-Bundes für die WM in Brasilien.

Dass ausgerechnet Ilkay Gündogan auf einem großen Plakat der Kampagne jubelnd zu sehen ist, ist bittere Ironie.

Der Mittelfeldspieler ist alles andere als bereit. Die WM wird der 23-Jährige von Borussia Dortmund verpassen. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Seit August nicht mehr gespielt

Seit dem 3:3 im Länderspiel gegen Paraguay Mitte August vergangenen Jahres hat er kein Spiel mehr bestritten. ( 884119 DIASHOW: Der SPORT1-WM-Kader-Check )

Damals war er bereits angeschlagen angereist und musste früh ausgewechselt werden. Es war der Beginn einer langen Leidenszeit.

Das Wintertrainingslager in La Manga sollte der Wendepunkt sein, doch seine mysteriöse Nervenwurzelentzündung im Rücken zwang ihn zur Abreise aus Spanien.

Gündogans Rückkehr verzögerte sich immer weiter, es wurde sogar schon über sein Karriereende spekuliert. 884290 (DIASHOW: Nationalspieler auf Schokolade)

"Die Beschwerden kann man zwar nicht abschalten wie einen Fernseher, aber sie sind behandelbar", sagte Gündogan damals.

Behandelbar, aber von wem?

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Weltweite Suche nach Experten

Nach Rücksprache mit Verein und Ärzten machte er sich auf die Suche nach Rat von weltweit renommierten Experten, unter anderem in Spanien.

Fündig wurde Gündogan schließlich bei einem Spezialisten in einem Militärkrankenhaus in Jewpatorija auf der Halbinsel Krim.

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Was SPORT1 schon vergangenen Monat exklusiv berichtete und danach auch von den behandelnden Ärzten gegenüber russischen Medien bestätigt worden war, wurde zunächst vielerorts angezweifelt. Vom BVB wurde die Information aber letzten Endes bestätigt.

Gündogans Aufenthalt habe stattgefunden, bevor die Krim im Frühjahr von Russland annektiert wurde und damit in den Fokus der Weltöffentlichkeit rückte, und sei ausschließlich die Entscheidung des Spielers gewesen, betonte Sportdirektor Michael Zorc.

Auf einem guten Weg

Offensichtlich haben sich die Reisen gelohnt, wie BVB-Boss Hans-Joachim Watzke auf SPORT1-Nachfrage erklärt:

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"Er war nach der Behandlung gut drauf und hat einen sehr aufgeräumten und optimistischen Eindruck gemacht", erklärte Watzke am Sonntag im Gespräch mit SPORT1.

Derzeit arbeite Gündogan daran, die Belastung im Training langsam zu steigern und dabei schmerzfrei zu bleiben, erklärte Zorc:

"Ich habe den Eindruck, dass er auf einem guten Weg ist."

Vertragsverlängerung im April

Gleichzeitig wurde Mitte April die Monate lange Hängepartie um den im Sommer 2015 auslaufenden Vertrag beendet und der Kontrakt unmittelbar vor dem Pokal-Halbfinale gegen Wolfsburg bis 2016 verlängert - inklusive deutlicher Gehaltserhöhung.

"Ich bin sehr dankbar, dass mein Verein mir die Gelegenheit gibt, weiterhin Teil dieser besonderen Mannschaft und dieses ganz besonderen Umfelds zu sein", sagte der ehemalige Nürnberger damals.

"Ich werde alles dafür tun, um meinen Kollegen schon bald wieder helfen zu können und gehe optimistisch in die kommenden Wochen."

Interesse von internationalen Topteams

Trotz seiner mysteriösen Verletzungsgeschichte hatte es zuvor immer wieder Wechselspekulationen um den Mittelfeld-Strategen gegeben.

Topteams wie Real Madrid, Manchester United und der FC Barcelona sollen interessiert gewesen sein.

Gelingt dem gebürtigen Gelsenkirchener das Comeback, könnte das Thema im nächsten Sommer wieder an Fahrt aufnehmen und der BVB könnte wohl bis zu 20 Millionen Euro Ablöse einstreichen.

Denn Gündogan bringt alles mit, um bei einem internationalen Spitzenklub spielen zu können. So sagte ein Bundesligatrainer SPORT1, er sehe den defensiven Mittelfeldspieler spielerisch und taktisch weit vor seinem DFB-Konkurrenten Sami Khedira.

"Wie ein Neuzugang"

Doch während Khedira es schaffte, nach seinem Kreuzbandriss im November in Rekordzeit wieder im Kader von Real Madrid zu stehen, wird Gündogan in Brasilien fehlen.

"Ich weiß nicht wie weit sein Trainingszustand ist, aber nach der langen Verletzung ist es nicht vorstellbar, dass Ilkay für die WM nominiert wird", sagt SPORT1-Experte Thomas Strunz.

Zorc: "Wie ein Neuzugang"

BVB-Trainer Jürgen Klopp hatte bereits vor Wochen die Saison seinen Mittelfeldspieler für beendet erklärt. Klopp setzt auf einen fitten Gündogan für die kommende Spielzeit.

Wenn er die Vorbereitung voll absolvieren kann, betont auch Zorc., "ist er für uns quasi wie ein Neuzugang".

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