Thomas Berthold mahnt den Meister, die Lehren aus der Real-Pleite zu ziehen - er brauche schnellere und bessere Spieler.

Hallo Fußball-Freunde,

So wie der vorletzte Spieltag im Abstiegskampf gelaufen ist, kann der HSV nochmal drei Kreuze machen: Ich glaube, er wird auf Platz 16 bleiben und über die Relegation den Klassenerhalt schaffen.

Ich hätte dem 1. FC Nürnberg oder Eintracht Braunschweig einen Heimsieg zugetraut, auswärts wird es für sie am letzten Spieltag wohl nichts mehr.

Die Braunschweiger müssen sich keinen Vorwurf machen, sie sind Aufsteiger und es war klar, dass es eng werden würde. Sie haben einfach zu spät die Kurve gekriegt.

Bei Nürnberg muss ich dagegen sagen, dass ich den Trainerwechsel von Gertjan Verbeek auf Roger Prinzen nicht verstanden habe. Einen Impuls hat das nicht gebracht, stattdessen einen fußballerischen Bruch.

Der offensive Mut ist den Nürnbergern nun abhanden gekommen und so umstritten der Ansatz von Verbeek war, man hatte bei ihm noch das Gefühl, dass in einem Heimspiel ein Sieg drin gewesen wäre. Gegen Hannover war da nun nix mehr.

Ich bin gespannt, wie da nach Saisonende die Aufarbeitung aussieht - nicht nur in Nürnberg.

Auch Meister FC Bayern steht nach dem 0:4 gegen Real Madrid vor einer spannenden Bestandsaufnahme.

Pep Guardiola muss sich da einerseits selber hinterfragen: Er hat bei der Aufstellung gegen Real Fehler gemacht und auch im Rückspiel nicht korrigiert. Er muss sich der Diskussion stellen, ob er einen besseren Plan B braucht, wenn sein Plan A nicht aufgeht.

Die entscheidende Grundsatzfrage aber ist: Kann Pep Guardiola mit dem Kader, den er hat, das System spielen, das er will? Und können alle Spieler des FC Bayern das Niveau mitgehen, dass die Konkurrenz in der Champions League vorgibt?

Die Spieler von Real waren teilweise schneller mit Ball als die Bayern ohne Ball, das muss dem Klub zu denken geben.

Unter den Bedingungen hast du auch nächstes Jahr in der Champions League keine Chance, System hin, System her.

Der Kader des FC Bayern braucht frischeres Blut. Franck Ribery, Arjen Robben, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger sind alle um die 30, das ist das eine Problem.

Das andere ist, dass Bayern in der Abwehr womöglich handeln muss. In der Bundesliga fiel die Schwäche dort kaum auf, weil die meisten Gegner gar nicht so weit gekommen sind, sie unter Druck zu setzen.

Aber gegen Real hat man gesehen, dass ein Dante und ein Jerome Boateng Probleme bekommen, wenn sie es mit schnellen Klassespielern zu tun bekommen. Auch für Schweinsteiger und Kroos wird die Luft dünn, wenn es ums Tempo geht.

Barcelona hat auch seine Schwierigkeiten bekommen, weil Leute wie Xavi und Iniesta nicht jünger werden, das wird bei Bayern nicht anders kommen.

Guardiola wird dem Vorstand nach der Saison außerdem erklären müssen, warum er Spieler wie Javi Martinez oder Mario Götze, die den Klub fast 80 Millionen Euro gekostet haben, kaum einsetzt.

Der FC Bayern steht also vor interessanten Zeiten - auch was die Führungsfrage angeht.

Ich muss sagen, dass ich es für keine gute Idee halte, dass Uli Hoeneß am vergangenen Freitag sein Comeback angekündigt hat, sobald er seine Haftstrafe verbüßt hat.

Unabhängig von der Steuer-Affäre und all ihren Konsequenzen: Auch Uli Hoeneß wird nicht jünger. Und wie in jedem anderen Bereich der Wirtschaft auch muss ein Chef seine Firma auf die Zeit nach ihm vorbereiten.

Dazu muss auch ein Uli Hoeneß aber irgendwann einmal das Loslassen lernen.

Bis zum nächsten Mal,Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt wöchentlich als Kolumnist für SPORT1.

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