Für Jerome Boateng (M.) war es in Hamburg bereits die siebte Rote Karte seiner Karriere © imago

Die Tätlichkeit von Jerome Boateng zeigt das angeschlagene Nervenkostüm des FC Bayern - und könnte ihm langfristig schaden.

Von Holger Luhmann

München - Frust? Verunsicherung? Anders lässt sich die Tätlichkeit von Jerome Boateng und seine Rote Karte im Grunde nicht erklären.

Trotz des klaren 4:1-Sieges beim Hamburger SV scheinen die Nerven bei einigen Spielern des FC Bayern blank zu liegen.

Das Aus im Halbfinale der Champions League durch die 0:4-Schmach gegen Real Madrid und die Kritik der vergangenen Wochen haben offenbar nachhaltig Spuren hinterlassen.

Kein gutes Signal an Löw

Dies gilt auch für Boateng.

Nach seinen zuletzt wackeligen Auftritten muss der 25-Jährige mit Blick auf die WM in Brasilien um seinen Stammplatz in der deutschen Nationalmannschaft fürchten. Es ist gut möglich, dass Bundestrainer Joachim Löw lieber auf den Dortmunder Mats Hummels und Per Mertesacker vom FC Arsenal als Duo in der Innenverteidigung setzt.

Diese Gedanken werden auch bei Boateng im Hinterkopf bohren.

Bärendienst für nächste Saison

Dazu kommt die Frage, ob er bei Pep Guardiola auch in der nächsten Saison unumstrittener Stammspieler sein wird.

Mit seiner Tätlichkeit in Hamburg könnte sich Boateng einen Bärendienst erwiesen haben.

Denn als Wiederholungstäter droht ihm eine Sperre von drei bis fünf Bundesligaspielen.

Zwar gilt die Sperre nicht für das Pokalfinale am 17. Mai in Berlin gegen Dortmund.

Doch die kommende Spielzeit wird Boateng wohl zunächst als Zuschauer erleben. Eine Situation, die seine Position schwächt in einem immer härter werdenden Konkurrenzkampf.

[kaltura id="0_405f3f7n" class="full_size" title="Watzke im Doppelpass Darum tut sich G tze so schwer"]

"Hirnlose" Aktion

Die Bayern-Bosse waren auf jeden Fall wenig angetan von Boatengs erneuter Disziplinlosigkeit.

Das ungläubige Kopfschütteln von Sportdirektor Matthias Sammer sagte schon viel aus.

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge machte anschließend aus seiner Verärgerung keinen Hehl, nannte Boatengs Aktion "hirnlos" und verkündete eine Strafe im hohen fünfstelligen Bereich - unter Verweis darauf, dass es nicht sein erster Kurzschluss war.

Siebter Platzverweis der Karriere

Es ist der vierte Platzverweis für Boateng seit seinem Wechsel 2011 zu den Bayern und der insgesamt siebte seiner Karriere.

In Erinnerung ist auch noch seine Gelb-Rote Karte bei seinem Debüt in der Nationalmannschaft gegen Russland.

Es war der erste Platzverweis eines Debütanten in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft.

Die nächste Watschn

Diesmal war es pure Dummheit.

Es war fünf Minuten vor dem Spielende bei einer 4:1-Führung für die Bayern, als Boatengs Gegenspieler Kerem Demirbay zu einer Schwalbe im Strafraum abhob.

Boateng fand das gar nicht lustig.

Sekundenlang pressten die beiden daraufhin wie wilde Stiere die Stirn gegeneinander. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Spott im Netz für Boateng:

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Als Manuel Neuer kam, um Boateng wegzuziehen, schlug dieser mit der flachen Hand noch gegen Demirbay nach.

Eine Watschn, wie sie sich schon Franck Ribery gegen Real-Rechtsverteidiger Daniel Carvajal geleistet hatte. Oder Rafinha in ähnlicher Form in der Schlussphase gegen Borussia Dortmund.

Drei Aktionen, die auch das angeschlagene Nervenkostüm bei den Bayern offenbaren.

"Das war blöd von mir"

Boateng sah selbst ein, dass die Aktion kein gutes Licht auf ihn warf.

"Ganz klar, das war blöd von mir. Bei dem Ergebnis zu der Zeit sollte man sich besser im Griff haben", sagte er der "Bild am Sonntag". Er könne sich "nur entschuldigen".

Den Nachhall der Ohrfeige kann er damit trotzdem nur bedingt korrigieren: Boateng hat sich vor allem selbst abgewatscht.

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