Der Hamburger SV ist in seiner Vereinsgeschichte noch nie aus der Bundesliga abgestiegen. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder des Spieltags © imago

Trotz der Pleite gegen den FC Bayern behält der Hamburger SV die Chance auf die Relegation. Doch es gibt einen Stimmungskiller.

Vom Hamburger SV berichtet Clemens Gerlach

Hamburg - Der Hamburger SV hatte alles mobilisiert.

Ein Geistheiler wurde engagiert. Hunderte Fans waren zwecks moralischer Unterstützung unter der Woche zum Training gepilgert. Zum Heimspiel gegen den FC Bayern selbst waren sogar Rothosen-Anhänger aus Schottland angereist. Verkleidet als Batman und Robin machten sich die beiden jungen Männer Mut: "Wir sind die Glücksbringer."

Woran immer es auch lag, am Ende des vorletzten Spieltags war der HSV der Sieger im Tabellenkeller.

Dabei hatte der 16. gegen die Bayern 1:4 (0:1) verloren. Doch weil auch der Vorletzte Nürnberg (0:2 gegen Hannover) und Schlusslicht Braunschweig (0:1 gegen Augsburg) patzten, sieht es vergleichsweise gut aus für den HSV, der zum Abschluss in Mainz gastiert.

Schwäche der Konkurrenz ist Stärke des HSV

Angesichts dieser absurden Konstellation wollte HSV-Trainer Mirko Slomka eines klarstellen: "Als Gewinner fühle ich mich nicht, dafür haben wir zu viele Schwächen gezeigt."

Sein Lachen verriet jedoch: Slomka weiß, dass das Versagen der Konkurrenz für sein Team der größte Pluspunkt im Kampf um den Klassenerhalt ist.

Die Hamburger selbst bekommen weiterhin nicht viel auf die Reihe, auch wenn sie gegen die Bayern eines ihrer besseren Spiele gemacht hatten. "Unbändigen Willen", erkannte Slomka. Sportdirektor Oliver Kreuzer freute sich über "Leidenschaft und Aggressivität". ( 885351 DIASHOW: Die Bilder des 33. Spieltags )

Relegationsplatz als letzte Chance

In der Tat hatte der HSV forsch begonnen und den Deutschen Meister früh attackiert.

Torwart Rene Adler mochte gar nicht intensiver über die Einstellung seiner Mannschaft nachdenken. "Hätten wir immer so giftig und gallig wie heute gespielt", sagte der 29-Jährige, "manche Partie wäre anders gelaufen."

So aber wird sich der HSV mit einer lächerlichen Ausbeute von maximal 30 Punkten vermutlich auf den Relegationsplatz retten. Zwei Spiele gegen den Zweitliga-Dritten gäbe es dann als Bonus. Es ist die letzte Chance, eine "äußerst schlechte Saison" (HSV-Boss Carl-Edgar Jarchow) zu retten.

Randale vor und im Stadion

Doch selbst jetzt, wo Gelegenheit für ein wenig "Durchatmen" (Adler) ist und die Anspannung etwas nachlässt, schafft es der HSV, sich als der Chaokclub zu präsentierten, der er bereits die vergangenen Monate ist.

Schon vor der Partie war es zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Personen gekommen, die sich selbst "HSV-Fans" nennen. Zwei Beamte wurden durch Flaschenwürfe verletzt.

In der Halbzeitpause eskalierte der Konflikt. Als Polizeibeamte ein beleidigendes "A.C.A.B."-Banner ("All Cops Are Bastards") entfernen wollten, wurden diese von einigen HSV-Ultras attackiert. Die Polizisten setzten dabei auch Pfefferspray und Schlagstöcke ein.

Fanorganisation verurteilt Einsatz der Polizei

Die Fanvereinigung "HSV Supporters Club" verurteilte den "Blocksturm" und sprach in einer Erklärung auf ihrer Website von einer "vollkommen inakzeptablen" Aktion der Polizei, die zu "verurteilen" ist.

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Das Gros der 57.000 Zuschauer in der ausverkauften Arena sah dies offenkundig anders. Sie reagierten auf die Randale etlicher HSV-Ultras mit Unverständnis. Die vor der Pause sehr leidenschaftliche Stimmung war nach Wiederanpfiff verschwunden.

Ähnlich hohl verhielten sich dann allerdings auch ein paar Dutzend Gäste aus Bayern. Unterstützt von einigen befreundeten Ultras des FC St. Pauli gerieten sie am Abend in der Nähe der Reeperbahn mit der Polizei aneinander. Nach Informationen des "Hamburger Abendblatts" flogen Böller und Flaschen, Verletzte gab es aber keine.

Prügel statt Party ? solche "Fans" braucht niemand.

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